"Lange Nacht der Kirchen" 2026 öffnen in Köln ihre Türen

Zwischen Stille, Pop und ÖPNV-Streik

Popmusik, Taizé-Andacht, Kirchenführung oder einfach nur Stille. Die "Lange Nacht der Kirchen" lädt am 6. März in die Kölner Innenstadt ein. Zahlreiche Gemeinden öffnen ihre Räume und laden ein – all das, trotz KVB-Streik in Köln.

Autor/in:
Moritz Mayer und Ina Rottscheidt
Blick auf den Kölner Dom am Abend / © PhotoFires (shutterstock)
Blick auf den Kölner Dom am Abend / © PhotoFires ( shutterstock )

Mehr als 30 Kirchen in der Kölner Innenstadt öffnen am Freitagabend ihre Türen: Bei der "Langen Nacht der Kirchen" erwartet Besucherinnen und Besucher von 19 bis 23 Uhr ein vielfältiges Programm aus Musik, Stille, Kunst und spirituellen Impulsen.

Das ökumenische Projekt von katholischen, evangelischen und weiteren christlichen Gemeinden versteht sich als Einladung, den Alltag einen Abend lang hinter sich zu lassen – gerade in Zeiten gesellschaftlicher Verwerfungen, Naturkatastrophen und Kriege. 

"Wir möchten damit die Möglichkeit schaffen, dass Passanten oder Menschen, die sonst nicht viel mit Kirche zu tun haben, unvoreingenommen unsere Kirchenräume für sich entdecken", erklärt Florian Duczek von der Citypastoral der Kölner Innenstadtkirchen. "Und wenn man bei dieser Langen Nacht auch noch ein gutes Gespräch oder eine Begegnung mit Gott hat, dann ist das doch umso schöner."

Von "pop + beat" bis "listen + reflect"

Das Programm ist bewusst vielfältig angelegt. Die beteiligten Kirchen sind farblich gekennzeichnet und stehen jeweils für eine eigene Atmosphäre. So entsteht ein Parcours durch die Kölner Innenstadt – von der Andacht bis zum DJ-Set:

  • "pop + beat" (pink): Musik, die bewegt und mitreißt
  • "calm + smooth" (grün): Räume für Stille, Gebet und ruhige Klänge
  • "experience + adventure" (orange): besondere Zugänge zu Kirchenräumen
  • "listen + reflect" (blau): Texte, Gespräche und Impulse mit Tiefgang

"Calm + smooth" lade dazu ein, den Kirchenraum in Stille und mit besonderer Musik für sich zu entdecken, erklärt Duczek: "Vielleicht ein Kerzchen anzuzünden und beten. Das ist die Kategorie mit wenig Programm und viel Raum und Stille." 

"Experience and adventure" sei hingegen eher etwas "für Leute, die schlecht stillsitzen können", sagt er schmunzelnd: "Führungen, Mitmachangebote und Ausstellungen. Alles, wo man eben im Raum unterwegs ist und aktiv sich was erschließen kann." 

Orte für Veranstaltungen für die "Lange Nacht der Kirchen" 2026 / © Screenshot: Lange Nacht der Kirchen (Katholisch in Köln-Mitte)
Orte für Veranstaltungen für die "Lange Nacht der Kirchen" 2026 / © Screenshot: Lange Nacht der Kirchen ( Katholisch in Köln-Mitte )

Stille als Gegenentwurf

Viele Angebote setzen bewusst auf Reduktion. In der Christuskirche am Stadtgarten heißt es: "Ruhe, Klang und Kuchen" – ein Abend mit gedämpftem Licht, Stille und spirituellen Fragen. Auch die Kartäuserkirche bietet Andachten nach der Iona-Liturgie bei Kerzenlicht an. Zwischen den Gebetszeiten ist Raum für Begegnung im Kreuzgang – gelebte Gemeinschaft mitten in der Stadt.

Kirche neu entdecken

Wer Kirchenräume einmal anders erleben möchte, kann sich Führungen, Installationen und Ausstellungen anschließen. In Groß St. Martin wechseln sich Kirchenführungen, geistliche Texte und musikalische Impulse ab. In St. Agnes legen unter dem Motto "Brand New Me" DJ auf. Thema hier: Abreißen und Aufbauen.

Im DOMFORUM werden Kurzfilme gezeigt und Gespräche angeboten und im Kunstmuseum Kolumba ist die aktuelle Ausstellung "make the secrets productive!" in nächtlicher Atmosphäre zu erleben – eine Verbindung von zeitgenössischer Kunst und spiritueller Reflexion.

Lange Nacht der Kirchen / © Tiko Aramyan (shutterstock)
Lange Nacht der Kirchen / © Tiko Aramyan ( shutterstock )

Ein Abend für Begegnung - trotz ÖPNV-Streik

Ob Taizé-Andacht, queerer Saferspace, Mitmachausstellung zu Psalmen oder geistliche Impulse am ältesten Taufort Kölns – die "Lange Nacht der Kirchen" will mehr sein als ein kulturelles Event. Sie versteht sich als geistliches Angebot in bewegten Zeiten.

Die Veranstaltungen finden statt, obwohl die Kölner Verkehrsbetriebe zum Streik aufgerufen haben. Von Freitagfrüh ab 3 Uhr fahren für 24 Stunden keine Stadtbahnen- und Busfahrten der KVB. Im Busverkehr selbst finden nur vereinzelte Fahrten durch Subunternehmen statt. S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpresse sind davon nicht betroffen und fahren.

Zu Fuß, mit dem Rad oder in Fahrgemeinschaften durch Köln: So können extra Begegnungsmöglichkeiten entstehen. Die Veranstalter – der Katholische Kirchengemeindeverband Köln-Mitte und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region – laden ausdrücklich dazu ein, mehrere Stationen zu besuchen und die eigene Route durch die Nacht zu wählen.

Quelle:
DR

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