Mehr als 30 Kirchen in der Kölner Innenstadt haben am Freitagabend ihre Türen geöffnet: Bei der "Langen Nacht der Kirchen" erwartete Besucherinnen und Besucher von 19 bis 23 Uhr ein vielfältiges Programm aus Musik, Stille, Kunst und spirituellen Impulsen.
Hier geht's zur Bildergalerie.
Das ökumenische Projekt von katholischen, evangelischen und weiteren christlichen Gemeinden versteht sich als Einladung, den Alltag einen Abend lang hinter sich zu lassen – gerade in Zeiten gesellschaftlicher Verwerfungen, Naturkatastrophen und Kriege.
"Wir möchten damit die Möglichkeit schaffen, dass Passanten oder Menschen, die sonst nicht viel mit Kirche zu tun haben, unvoreingenommen unsere Kirchenräume für sich entdecken", erklärt Florian Duczek von der Citypastoral der Kölner Innenstadtkirchen. "Und wenn man bei dieser Langen Nacht auch noch ein gutes Gespräch oder eine Begegnung mit Gott hat, dann ist das doch umso schöner."
Von "pop + beat" bis "listen + reflect"
Das Programm war bewusst vielfältig angelegt. Die beteiligten Kirchen waren farblich gekennzeichnet und standen jeweils für eine eigene Atmosphäre. So entstand ein Parcours durch die Kölner Innenstadt – von der Andacht bis zum DJ-Set:
- "pop + beat" (pink): Musik, die bewegt und mitreißt
- "calm + smooth" (grün): Räume für Stille, Gebet und ruhige Klänge
- "experience + adventure" (orange): besondere Zugänge zu Kirchenräumen
- "listen + reflect" (blau): Texte, Gespräche und Impulse mit Tiefgang
"Calm + smooth" etwa lade dazu ein, den Kirchenraum in Stille und mit besonderer Musik für sich zu entdecken, erklärt Duczek: "Vielleicht ein Kerzchen anzuzünden und beten. Das ist die Kategorie mit wenig Programm und viel Raum und Stille."
"Experience and adventure" sei hingegen eher etwas "für Leute, die schlecht stillsitzen können", sagt er schmunzelnd: "Führungen, Mitmachangebote und Ausstellungen. Alles, wo man eben im Raum unterwegs ist und aktiv sich was erschließen kann."
Stille als Gegenentwurf
Viele Angebote setzten bewusst auf Reduktion. In der Christuskirche am Stadtgarten hieß es: "Ruhe, Klang und Kuchen" – ein Abend mit gedämpftem Licht, Stille und spirituellen Fragen. Auch die Kartäuserkirche bot Andachten nach der Iona-Liturgie bei Kerzenlicht an. Zwischen den Gebetszeiten war Raum für Begegnung im Kreuzgang – gelebte Gemeinschaft inmitten der Stadt.
Kirche neu entdecken
Wer Kirchenräume einmal anders erleben wollte, konnte sich Führungen, Installationen und Ausstellungen anschließen. In Groß St. Martin wechselten sich Kirchenführungen, geistliche Texte und musikalische Impulse ab. In St. Agnes legten unter dem Motto "Brand New Me" DJ auf. Thema hier: Abreißen und Aufbauen.
Im DOMFORUM wurden Kurzfilme gezeigt und Gespräche angeboten und im Kunstmuseum Kolumba war die aktuelle Ausstellung "make the secrets productive!" in nächtlicher Atmosphäre zu erleben – eine Verbindung von zeitgenössischer Kunst und spiritueller Reflexion.
Ein Abend für Begegnung - trotz ÖPNV-Streik
Ob Taizé-Andacht, queerer Saferspace, Mitmachausstellung zu Psalmen oder geistliche Impulse am ältesten Taufort Kölns – die "Lange Nacht der Kirchen" will mehr sein als ein kulturelles Event. Sie versteht sich als geistliches Angebot in bewegten Zeiten.
Zu Fuß, mit dem Rad oder in Fahrgemeinschaften durch Köln: So können extra Begegnungsmöglichkeiten entstehen. Die Veranstalter – der Katholische Kirchengemeindeverband Köln-Mitte und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region – luden ausdrücklich dazu ein, mehrere Stationen zu besuchen und die eigene Route durch die Nacht zu wählen.
Die Veranstaltungen fanden statt, obwohl die Kölner Verkehrsbetriebe zum Streik aufgerufen haben. Von Freitagfrüh ab 3 Uhr fuhren für 24 Stunden keine Stadtbahnen- und Busfahrten der KVB. Im Busverkehr selbst fanden nur vereinzelte Fahrten durch Subunternehmen statt. S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpresse waren davon nicht betroffen.
Dieser Artikel wurde am 7.3. um 13 Uhr aktualisiert.