Landesbischof kündigt nach Missbrauchsstudie Konsequenzen an

Unterschätztes Machtgefälle

Nach der Veröffentlichung der Studie über sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche hat der hannoversche Landesbischof Konsequenzen angekündigt. Es sei deutlich geworden, dass es Strukturen gebe, die solche Taten begünstigten.

EKD-Missbrauchsstudie / © Daniel Pilar (KNA)
EKD-Missbrauchsstudie / © Daniel Pilar ( KNA )

Das sagte Ralf Meister der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Montag). "Unter anderem haben wir unterschätzt, welche Auswirkungen die pastorale Macht von Geistlichen hat, die Sonderstellung von Pastorinnen und Pastoren und das Machtgefälle, das sich daraus ergibt", sagte der Theologe.

Der leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland, Ralf Meister, am 11.11.2023 vor Journalisten in Ulm während der Tagung der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands / ©  Heike Lyding (epd)
Der leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland, Ralf Meister, am 11.11.2023 vor Journalisten in Ulm während der Tagung der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands / © Heike Lyding ( epd )

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Fälle von sexualisierter Gewalt in den 20 Landeskirchen und der Diakonie untersucht. Sie fanden für die Jahre 1946 bis 2020 mindestens 2.225 Betroffene und 1.259 mutmaßliche Täter. Die sogenannte ForuM-Studie wurde im Januar in Hannover vorgestellt.

Risiko minimieren

Meister sagte, auch die Verquickung von Privatem und Dienstlichem unter anderem in Pfarrhäusern müsse genauer untersucht werden. Anstatt das Leid und das begangene Unrecht der Betroffenen in den Blick zu nehmen, sei teilweise christliche Vergebung von ihnen eingefordert worden: "In einer Weise, die auch theologisch haarsträubend ist." Dies müsse mit den Betroffenen sehr genau analysiert werden. "Und wir müssen Schutz- und Präventionskonzepte vor Ort so gestalten, dass sie Gefahren und das Risiko für sexualisierte Gewalt reduzieren und Handlungssicherheit schaffen", sagte der Landesbischof.

Missbrauchsstudie der Evangelischen Kirche

Die Zahl der Missbrauchsopfer in der evangelischen Kirche und Diakonie ist viel höher als bislang angenommen. Laut einer Studie sind seit 1946 in Deutschland nach einer Hochrechnung 9.355 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht worden. Die Zahl der Beschuldigten liegt bei 3.497. Rund ein Drittel davon seien Pfarrpersonen, also Pfarrer oder Vikare. Bislang ging die evangelische Kirche von rund 900 Missbrauchsopfern aus. Die Forum-Studie wurde von einem unabhängigen Forscherteam erarbeitet und in Hannover veröffentlicht.

Gedruckte Ausgaben der Studie zu Missbrauch in der evangelischen Kirche liegen auf einem Tisch / © Sarah Knorr (dpa)
Gedruckte Ausgaben der Studie zu Missbrauch in der evangelischen Kirche liegen auf einem Tisch / © Sarah Knorr ( dpa )
Quelle:
epd