Seit einer Woche tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten, der großes Leid verursacht. Immer wieder werden Zivilistinnen und Zivilisten zu Opfern der aktuellen Angriffe Israels und der USA gegen den Iran und von dessen Gegenschlägen in der gesamten Region. Weil der Krieg die Kommunikation mit den Menschen im Iran stark erschwert und mitunter gänzlich verhindert, ist das Schicksal großer Teile der Bevölkerung des Landes ungewiss. Dazu gehören auch die etwa 2.000 Katholikinnen und Katholiken im Iran, die dem lateinischen Ritus angehören – ebenso wie ihr Erzbischof von Teheran, der aus Belgien stammende Kardinal Dominique Mathieu.
Seit Beginn des israelisch-iranischen Kriegs am Samstag ist jegliche Kommunikation mit Mathieu abgebrochen. Sein Verbleib ist ebenso ungewiss wie sein Gesundheitszustand. Die römische Generalkurie von Mathieus Ordensgemeinschaft – die Franziskaner-Minoriten – bestätigte DOMRADIO.DE am Freitag, dass sie zuletzt am 28. Februar Kontakt zum Leiter des Erzbistums Teheran-Isfahan hatten. Seitdem sei keine Kommunikation mehr mit ihm möglich gewesen, da die Internet- und Telefonverbindungen in den Iran nicht mehr funktionierten.
"Wenn wir verlässliche neue Informationen zu unserem Mitbruder haben, veröffentlichen wir sie auf unserer Internetseite", so Bruder Alejandro Palacios Vázquez, der die Kommunikation der Minoriten-Generalkurie in Rom verantwortet. Aktuell könne man – auch aus Sorge um die Sicherheit von Kardinal Mathieu – keine weiteren Angaben dazu machen, wo er sich aufhalte und wie es ihm gehe. Wie groß die Unsicherheit mit Blick auf den Kardinal ist, verdeutlicht ein Gebetsaufruf der Minoriten: "Wir beten alle für das Wohlergehen unseres Bruders Dominique und bitten auch Sie eindringlich, sich diesem Gebet anzuschließen", sagte Palacios.
"Es gibt keinerlei Kommunikation"
Auch in der Nahost-Region sind, trotz der größeren räumlichen Nähe, die Möglichkeiten nicht besser, den Kardinal zu erreichen. Der Erzbischof von Erbil in der Region Kurdistan im Nachbarland Irak sorgt sich in großem Maße um Mathieu. "Wir haben es mehrmals versucht, aber es gibt keinerlei Kommunikation", sagte Bashar Matti Warda vor einigen Tagen in einem Interview mit dem Sender EWTN.
Gestern gab es jedoch ein kurzes Hoffnungszeichen mit Blick auf die Situation von Mathieu: Das Nachrichtenportal katholisch.de meldete unter Bezug auf nicht näher genannte Vertreter der Franziskaner-Minoriten, dass Mitbrüder des Kardinals auch nach dem Beginn des Kriegs am Samstag Kontakt zu ihm gehabt hätten. Angaben zur aktuellen Situation des Teheraner Erzbischofs machte die Meldung jedoch nicht.
Generalkurie der Minoriten zeigt sich irritiert
Palacios von der Generalkurie der Minoriten in Rom zeigte sich irritiert über diese Informationen. "Sie stammen nicht von uns", so der Franziskaner-Minorit. Diese Angaben seien dem Orden nicht bekannt. Die Situation von Mathieu bleibt also weiter unklar – jedenfalls so lange, bis verlässliche Informationen zum Kardinal öffentlich werden.
Als sicher kann jedoch gelten, dass der Teheraner Oberhirte den aktuellen militärischen Konflikt verurteilt. Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte der Kardinal davor gewarnt, im Nahen Osten Frieden durch Gewalt erreichen zu wollen. Den sogenannten Zwölftagekrieg zwischen Israel und Iran im Juni 2025 kritisierte der Erzbischof von Teheran damals scharf: Die israelisch-iranische Auseinandersetzung sei Teil des von Papst Franziskus immer wieder beschworenen "Dritten Weltkriegs in Stücken". Er habe ihm auf grausame Weise vor Augen geführt, wie brüchig der Frieden und wie bedeutsam Gebet und Solidarität seien, so Mathieu im Juli vergangenen Jahres.
Kardinal Dominque Mathieu ist 62 Jahre alt und trat nach seinem Abitur den Franziskaner-Minoriten bei. 1989 empfing der belgische Ordensmann die Priesterweihe, anschließend hatte er verschiedene Positionen bei den Minoriten inne, unter anderem leitete er die belgische Provinz seines Ordens.
Seit 2013 wirkte er im Libanon als Sekretär und Novizenmeister der dortigen Provinzkustodie der Minoriten. 2021 ernannte Papst Franziskus ihn zum Erzbischof der iranischen Hauptstadt Teheran, was eine sechsjährige Sedisvakanz im Erzbistum beendete. 2024 nahm Franziskus Mathieu in das Kardinalskollegium auf. Er wurde damit zum ersten Kardinal im Iran.