Wellen, Strand, Kultur und Gaumenfreuden

Kulturhauptstadt San Sebastián

Sie hat einen der schönsten Stadtstrände der Welt. Doch nicht nur Surfer und Sonnenhungrige reisen nach San Sebastian. Die baskische Stadt ist Europäische Kulturhauptstadt 2016.

 (DR)

Surferparadies, Jazz- und Filmfestivals und Kochkunst: San Sebastian hat einiges zu bieten. Seit Januar trägt die nordspanische Stadt zusammen mit Wroclaw (Breslau) den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt. Gefeiert wird das mit mehr als 60 Kulturevents von Antikriegsfestivals bis zu baskisch-kulinarischen Interpretationen von Shakespeares Sommernachtstraum. Die Leitmotive der Veranstaltungen: Menschenrechte und besseres Zusammenleben.

Die baskische Stadt, im 19. Jahrhundert Sommerfrische der spanischen Könige und ihres Hofstaats, hat sich gegen 14 andere spanische Bewerber als Kulturhauptstadt durchgesetzt, darunter Cordoba, Malaga, Las Palmas de Gran Canaria oder Pamplona.

Wahl zur Kulturhauptstadt nicht unumstritten

Die Auswahl war nicht unumstritten. Denn die neue Kulturhauptstadt, mit baskischem Namen Donostia, war lange ein Schauplatz des Konflikts zwischen der baskischen Untergrundorganisation ETA und dem spanischen Staat. Mehrfach wurden Polizisten, Politiker, Richter und Journalisten bei ETA-Anschlägen umgebracht. Als im Mai mit der Koalition «Bildu» (Sammeln) erstmals die linke baskische Unabhängigkeitsbewegung das Bürgermeisteramt übernahm, sahen viele die Chancen auf die Kulturhauptstadt schwinden.

Doch der neue Bürgermeister Koldo Izagirre machte schnell klar, dass er das Projekt unterstützt und die Kultur als Werkzeug der Versöhnung und des Friedens begreift. Und die Kulturhauptstadt-Jury lobte neben dem kulturellen Angebot auch den Einsatz der Stadtpolitik für eine Friedenslösung. Es gebe eine klare Erwartung, dass «die Stadt, die die Kultur repräsentiert, dazu beitragen kann, die örtliche »Geschichte der Gewalt« zu überwinden, hieß es.

Bester Blick über die Bucht La Concha

Wer Donostia/San Sebastian besucht, beginnt am besten mit einem Blick vom Igueldo-Berg. Bis zum gegenüberliegenden Urgull zieht sich sichelförmig die Bucht La Concha (Die Muschel) mit strahlend blau schillerndem Wasser und herrlichen Sandstränden mitten in der Stadt - fast fühlt man sich an Rio erinnert. Am Fuß des Berges stemmen sich die tonnenschweren Eisen-Skulpturen »Windkamm« des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida (1924-2002) wie zueinander strebende Zangen gegen die ungebändigten Atlantikwellen.

Chillida liebte diesen Ort. Auch andere seiner Werke sind in der Stadt verstreut: am Pico del Loro (»Hommage an Rafael Balerdi«), an der Promenade de La Concha (»Hommage an Victor Fleming«) und auf dem Berg Urgull (»Hommage an Pedro Arana«). In der Kathedrale Buen Pastor und in der Basilika Santa Maria sind je eines seiner Kreuze zu sehen.

Wer Zeit mitbringt, kann die vielen Surfer in der Bucht beobachten. Die Stadt am Golf von Biskaya genießt den Ruf einer erstklassigen Surfdestination. »Die Qualität unserer Wellen ist einfach unglaublich, man kann das ganze Jahr über surfen«, erklärt Surflehrer Joseba Urrutia. Bis zu 30 Prozent aller ausländischen Touristen sind jugendliche Surfer.

San Sebastian ist Gourmet-Welthauptstadt

Die meisten Urlauber kommen aber wegen der Gaumenfreuden. San Sebastian ist Gourmet-Welthauptstadt mit der größten Dichte an Michelin-Sternen. Gutes Essen hat eine lange Tradition: Seit dem 19. Jahrhundert treffen sich die Männer der Stadt in geschlossenen Kochclubs, zu denen Frauen lange keinen Zutritt hatten. Mehr als 200 dieser Clubs soll es derzeit geben - mehr als 12.000 Männer pflegen diese Tradition.

Kein Besucher muss hungrig bleiben: Wer durch die schachbrettartig angelegten Gassen der Altstadt schlendert, die nach einem verheerenden Brand 1813 völlig neu aufgebaut wurde, schaut in viele Bars, deren Theken sich unter Tellern voller kleiner Delikatessen biegen. Man wählt, was man will: Anchovis auf Weißbrot, Garnelen- und Schweinefleischspieße, Tintenfisch, gebratene Paprika und Chorizo-Happen - ein Paradies für Leckermäuler. (Christoph Arens, KNA)