Zum 100. Geburtstag des Malers und Bildhauers Egino Weinert

Künstler mit einer Hand

Er wollte als Mönch Maler und Missionar sein. Egino Weinert wurde Maler und Missionar - aber nicht als Mönch. Zeitlebens ist er ein religiöser Mensch geblieben und zählt zu den bedeutendsten christlichen Künstlern der Gegenwart.

Symbolbild: Bildhauer bei der Arbeit / © davidsansegundo (shutterstock)
Symbolbild: Bildhauer bei der Arbeit / © davidsansegundo ( shutterstock )

Den Mitbrüdern damals war seine Kunst viel zu abstrakt. Und Aktzeichnungen - wenn auch nur zu Studienzwecken - gehörten sich schon gar nicht für einen Benediktiner. Die Abtei Münsterschwarzach musste er 14 Tage vor dem Ewigen Gelübde 1949 verlassen. Und doch ist Egino Weinert ein durch und durch religiöser Mensch geblieben und zählt zu den bedeutendsten christlichen Künstlern der Gegenwart.

In zahlreichen Kirchen finden sich Werke des Goldschmieds, Malers und Bildhauers. Kardinäle tragen seine Ringe, Stäbe und Brustkreuze. An diesem Dienstag wäre der 100. Geburtstag des 2013 gestorbenen Künstlers.

Egino Weinerts Werk ist vielseitig

Ob Altäre, Ambos, Kirchenportale, Kirchenfenster, Kreuze, Kreuzwegstationen, Kelche, Taufbecken, Tabernakel oder Osterleuchter - Egino Weinerts Werk ist vielseitig und auf allen Kontinenten vertreten. Im Petersdom gestaltete er den Altar für den ungarischen Raum. Einem breiten Publikum bekannt sind die kleinen Bronzekreuze und Namenspatron-Täfelchen sowie die Emaille-Bilder, von denen er 1.300 verschiedene Motive fertigte.

Der Künstler wurde 1920 in Berlin geboren und erhielt den Namen Günter. Schon im Elternhaus hatte er Kontakt zu Malern wie Max Pechstein und Emil Nolde. Mit 14 Jahren kam er nach Münsterschwarzach, um Maler und Missionar zu werden. Er machte dort zunächst eine kaufmännische Lehre und schloss eine Ausbildung zum Restaurator an. Im Kloster erhielt er den Namen des heiligen Egino.

Weil er den Hitlergruß verweigerte, kam er 1941 für drei Monate ins Gefängnis und wurde dann zur Marine eingezogen. Beim Fronturlaub legte er die Meisterprüfung als Gold- und Silberschmied ab. Kurz vor Kriegsende landete Egino Weinert im Führerbunker in Berlin.

Abgemagert, aber sonst körperlich unversehrt schlug er sich schließlich nach Münsterschwarzach durch.

Eine schlimme Verletzung fügte ihm der Krieg dann doch noch zu, als der schon längst zu Ende war: Als Weinert im Herbst 1945 beim Besuch seines Elternhauses eine Sicherung austauschen wollte, riss ihm ein von den Russen im Stromkasten installierter Sprengsatz die rechte Hand ab. Als Künstler gab Weinert aber nicht auf. Vielmehr entwickelte er eine Technik, um mit der eigentlich schwächeren linken Hand zu arbeiten. Erfolgreich.

Kunstschule in Köln

Der Düsseldorfer Maler Ewald Jorzig bewegte den Abt, Bruder Egino in eine Kunstschule nach Köln zu schicken. Hier vertiefte er seine Kenntnisse in Goldschmiede-Kunst, Metallbildhauerei, Grafik, Kunstguss und freier Malerei. Als Student half er, den im Krieg zerlegten und versteckten Dreikönigsschrein aus dem Kölner Dom wieder zusammenzusetzen.

Nachdem Egino Weinert aus dem Kloster entlassen worden war, richtete er zunächst in Bonn ein Kelleratelier ein, wo ihn Konrad Adenauer und Carlo Schmidt besuchten. Schließlich eröffnete er in der Kölner Marzellenstraße im Schatten des Doms eine Werkstatt.

1951 heiratete Weinert die Buchhändlerin Anneliese Leupold, mit der er vier Kinder hatte. Ein zweites Atelier entstand im spanischen Dena. Werke von ihm werden seit 1980 in einem eigenen Ausstellungshaus in Frechen-Königsdorf nahe Köln präsentiert, wo Weinert beerdigt wurde.

Eine innere Verbindung verspürte der Künstler zu Marc Chagall, den er 1958 bei Arbeiten in der Kathedrale von Metz kennenlernte. Auch Pablo Picasso begegnete Egino Weinert - bei einem Liturgiekongress im Kloster Montserrat bei Barcelona. "Liturgie ist ein Tanzen um Gott" - der Satz Picassos beeindruckte ihn sehr. Trotz tiefer Enttäuschung über den Ordensausschluss vermittelte Egino Weinert als Künstler die christliche Botschaft und übertraf damit sein Wunschziel, Maler und Missionar zu werden. "Das ist ein anderer, der meine Hand führt", bekannte er. "Ich fühle mich wie ein Kind, das zu Füßen Gottes spielt."

Autor/in:
Andreas Otto
Quelle:
KNA
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