Künstler gestaltet Kasseler Elisabethkirche zur documenta 2027

Neue Klänge aus Zerstörung

Der Künstler und Komponist Jan St. Werner wird die Elisabethkirche in Kassel für den documenta-Sommer 2027 zu einer "Klang-Raum-Kirche" gestalten. Er integriert dafür unbeschädigte Pfeifen der 2023 zerstörten Orgel in neue Raummusik.

Jan St. Werner gestaltet die Elisabethkirche Kassel im documenta-Sommer 2027 / © Leitschuh (Bistum Fulda)
Jan St. Werner gestaltet die Elisabethkirche Kassel im documenta-Sommer 2027 / © Leitschuh ( Bistum Fulda )
Blick auf das eingestürzte Dach der Elisabethkirche in Kassel / © Swen Pförtner (dpa)
Blick auf das eingestürzte Dach der Elisabethkirche in Kassel / © Swen Pförtner ( dpa )

Künstlerinnen und Künstler präsentierten Ende Februar sieben Ideen für die künstlerische Gestaltung des Kirchenraums am Kasseler Friedrichsplatz. Unter den Vorschlägen waren Licht- und Klanginstallationen, Holzobjekte, eine Zwischendecke aus Glaskörpern oder eine rotierende Stahlscheibe. 

Nach intensiven Diskussionen entschied sich die Projektgruppe für Jan St. Werner. "Seine 'Klang-Raum-Kirche' hat uns am stärksten beeindruckt", sagt Projektsprecher Christoph Baumanns.

Neue Klänge aus Zerstörung

Werner greift die aktuelle Lage der Elisabethkirche direkt auf. Der Dacheinsturz im November 2023 zerstörte die Orgel, doch die unbeschädigten Pfeifen werden nun zu neuer Raummusik.

"Ich war etwas überwältigt, als ich von der Entscheidung der Projektgruppe hörte genauso wie vom Anblick der zerstörten Orgel“, sagt Jan St. Werner, "Aus einer Zerstörung neue Klänge für einen speziellen kulturellen Raum zu entwickeln, ist eine Herausforderung, auf die man konzentriert und sensibel reagieren muss."

Der Professor leitet an der Folkwang Universität Essen den Studiengang Sound Practice Research und lebt in Berlin. Seine Werke wurden weltweit gezeigt unter anderem auf der Ural Biennale, der documenta 14, im Institute of Contemporary Arts (ICA) in London, am Museum für zeitgenössische Kunst (MSU) in Zagreb sowie in der Elbphilharmonie, dem Chicago Symphony Center und auf der Ruhrtriennale. 2024 war er einer von sechs Künstler*innen, die Deutschland auf der Biennale in Venedig 2024 vertraten. 

Werner lehrte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und war Professor für Dynamische Akustische Forschung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.

Bistum Fulda eröffnet Kunst-Raum

Das Bistum Fulda und die Katholische Kirche Kassel nutzen wie seit 2002 die documenta (12. Juni bis 19. September 2027), um die Elisabethkirche für Gegenwartskunst zu öffnen. 

Damit beteiligen sie sich am lokalen und globalen Ideenaustausch einer der weltweit bedeutendsten Ausstellungsreihen für zeitgenössische Kunst und regen Diskussionen über die Wirkung von Kunst sowie Fragen zu Angst und Hoffnung in unserer Zeit an. Viele documenta-Besuchende schätzen den Kirchenraum als Ort der Besinnung und Konzentration. Neu dabei ist ein ökumenisches Begleitprogramm.

Stichwort documenta

Die documenta ist eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungsreihen zeitgenössischer Kunst. Alle fünf Jahre kommen Kunstschaffende ins nordhessische Kassel, um die Stadt 100 Tage lang in ein Panorama für Gegenwartskunst zu verwandeln. Die Ausstellung ist seit ihrer Gründung 1955 zum wichtigen Ort für Debatten über Kunst und Kultur geworden.

Eine kompostierbare Toilette steht zur documenta fifteen in der Karlsaue und ist Teil der Zusammenarbeit der Gruppe Cinema Caravan mit Takashi Kuribayashi. Die Weltkunstausstellung geht vom 18.06. bis 25.09.2022. / © Uwe Zucchi (dpa)
Eine kompostierbare Toilette steht zur documenta fifteen in der Karlsaue und ist Teil der Zusammenarbeit der Gruppe Cinema Caravan mit Takashi Kuribayashi. Die Weltkunstausstellung geht vom 18.06. bis 25.09.2022. / © Uwe Zucchi ( dpa )
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