Künstlerinnen und Künstler präsentierten Ende Februar sieben Ideen für die künstlerische Gestaltung des Kirchenraums am Kasseler Friedrichsplatz. Unter den Vorschlägen waren Licht- und Klanginstallationen, Holzobjekte, eine Zwischendecke aus Glaskörpern oder eine rotierende Stahlscheibe.
Nach intensiven Diskussionen entschied sich die Projektgruppe für Jan St. Werner. "Seine 'Klang-Raum-Kirche' hat uns am stärksten beeindruckt", sagt Projektsprecher Christoph Baumanns.
Neue Klänge aus Zerstörung
Werner greift die aktuelle Lage der Elisabethkirche direkt auf. Der Dacheinsturz im November 2023 zerstörte die Orgel, doch die unbeschädigten Pfeifen werden nun zu neuer Raummusik.
"Ich war etwas überwältigt, als ich von der Entscheidung der Projektgruppe hörte genauso wie vom Anblick der zerstörten Orgel“, sagt Jan St. Werner, "Aus einer Zerstörung neue Klänge für einen speziellen kulturellen Raum zu entwickeln, ist eine Herausforderung, auf die man konzentriert und sensibel reagieren muss."
Der Professor leitet an der Folkwang Universität Essen den Studiengang Sound Practice Research und lebt in Berlin. Seine Werke wurden weltweit gezeigt unter anderem auf der Ural Biennale, der documenta 14, im Institute of Contemporary Arts (ICA) in London, am Museum für zeitgenössische Kunst (MSU) in Zagreb sowie in der Elbphilharmonie, dem Chicago Symphony Center und auf der Ruhrtriennale. 2024 war er einer von sechs Künstler*innen, die Deutschland auf der Biennale in Venedig 2024 vertraten.
Werner lehrte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und war Professor für Dynamische Akustische Forschung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.
Bistum Fulda eröffnet Kunst-Raum
Das Bistum Fulda und die Katholische Kirche Kassel nutzen wie seit 2002 die documenta (12. Juni bis 19. September 2027), um die Elisabethkirche für Gegenwartskunst zu öffnen.
Damit beteiligen sie sich am lokalen und globalen Ideenaustausch einer der weltweit bedeutendsten Ausstellungsreihen für zeitgenössische Kunst und regen Diskussionen über die Wirkung von Kunst sowie Fragen zu Angst und Hoffnung in unserer Zeit an. Viele documenta-Besuchende schätzen den Kirchenraum als Ort der Besinnung und Konzentration. Neu dabei ist ein ökumenisches Begleitprogramm.