Kritik von Bischof Neymeyr an Duden-Hinweis zu "Jude"

Formulierung "unglücklich" gewählt

In die Diskussion um einen Hinweis des Duden für das Wort "Jude" hat sich jetzt auch der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr eingebracht. "Einen Juden nicht als Juden zu bezeichnen, wäre eine Kapitulation vor dem Missbrauch des Wortes."

Bischof Ulrich Neymeyr / © Dominik Wolf (KNA)
Bischof Ulrich Neymeyr / © Dominik Wolf ( KNA )

Das sagte der Vorsitzende der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum bei der Deutschen Bischofskonferenz dem Portal katholisch.de. Hintergrund ist ein "besonderer Hinweis" auf der Internetseite des Duden zu "Jude", der für anhaltende Kritik sorgt.

Der Eintrag zum Begriff "Jude" ist in einer älterne Ausgabe des Dudens (ohne besonderen Hinweis) zu sehen / © Sven Hoppe (dpa)
Der Eintrag zum Begriff "Jude" ist in einer älterne Ausgabe des Dudens (ohne besonderen Hinweis) zu sehen / © Sven Hoppe ( dpa )

Darin heißt es: "Gelegentlich wird die Bezeichnung Jude, Jüdin wegen der Erinnerung an den nationalsozialistischen Sprachgebrauch als diskriminierend empfunden. In diesen Fällen werden dann meist Formulierungen wie jüdische Menschen, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger oder Menschen jüdischen Glaubens gewählt."

Formulierung "unglücklich" gewählt

Neymeyr sagte katholisch.de, die Formulierung im Duden sei "unglücklich" gewählt. "Es müsste eher heißen: 'Das Wort 'Jude' wird im Straßen- und Schulhof-Jargon als Schimpfwort missbraucht.' Leider, muss man ergänzen." Pädagogen kämpften in den Schulen zurecht dagegen an. Die vom Duden vorgeschlagene Bezeichnung "Menschen jüdischen Glaubens" sei keine Alternative zum Wort "Jude", betonte der Bischof.

Diese Bezeichnung nehme Menschen nicht zur Kenntnis, die zum Judentum gehörten, ohne im strengen Sinne gläubig zu sein.

Aus der jüdischen Gemeinschaft kam Kritik

Kritik war in den vergangenen Tagen auch aus der jüdischen Gemeinschaft gekommen, darunter vom Zentralrat der Juden in Deutschland. Geschäftsführer Daniel Botmann etwa schrieb auf Twitter: "Darf man Jude sagen? Ja! Bitte keine 'jüdischen Mitbürger' oder 'Menschen jüdischen Glaubens'. Einfach nur JUDEN. Danke!".

Auch über den Duden-Hinweis hinaus verwahren sich seit Jahren zahlreiche Juden dagegen, als "jüdische Mitbürger" bezeichnet zu werden und werben für den Begriff "Jude". Medienberichten zufolge erwägt die Duden-Redaktion eine Überarbeitung des Eintrags.

Zentralrat der Juden

Der Zentralrat der Juden ist die Spitzenorganisation der jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik. Unter seinem Dach sind 23 Landesverbände mit 108 Gemeinden und ihren rund 101.000 Mitgliedern organisiert. Der Rat wurde 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Damals lebten noch etwa 15.000 Juden in Deutschland. Vor dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust waren es bis zu 600.000.

Zentralrat der Juden in Deutschland vergibt Leo-Baeck-Preis / © Christian Ditsch (epd)
Zentralrat der Juden in Deutschland vergibt Leo-Baeck-Preis / © Christian Ditsch ( epd )
Quelle:
KNA