Kriminalität im Vatikan

Neue Statistik zu Geldwäsche und Diebstählen

Wegen des Verdachts auf Geldwäsche hat die Justiz im Vatikan 2016 mehr als zwei Millionen Euro beschlagnahmt. Das geht aus einem Bericht der vatikanischen Staatsanwaltschaft hervor. Zudem sei die Zahl der Diebstähle gestiegen.

Beginn des Gerichtsjahres im Vatikan / © Cristian Gennari (KNA)
Beginn des Gerichtsjahres im Vatikan / © Cristian Gennari ( KNA )

Laut dem vatikanischen Staatsanwalt Gian Piero Milano ermittelt die Behörde in 17 Fällen wegen einer möglichen Verletzung der Anti-Geldwäsche-Vorschriften. Seit 2013 seien insgesamt mehr als zwölf Millionen Euro eingefroren worden. Der Staatsanwalt teilte außerdem mit, dass im Vatikan eine eigene Ermittlungseinheit für solche Fälle geschaffen worden sei.

Der Vatikan hatte seine Vorkehrungen gegen Geldwäsche in den vergangenen Jahren internationalen Standards angepasst. Unabhängige Fachleute des Europaratskomitees Moneyval bescheinigten ihm 2015 beachtliche Fortschritte auf diesem Gebiet, beanstandeten unter anderem aber weiterhin Defizite in der Strafverfolgung.

Aufsichtsbehörde kontrolliert seit 2010

Benedikt XVI. hatte Ende 2010 die vatikanische Finanzaufsichtsbehörde "Autorita di informazione finanziaria" (AIF) gegründet, die verdächtige Geldflüsse an die vatikanische Justiz weiterleitet. Chef der AIF ist der Schweizer Rene Brülhart, der zuvor die Anti-Geldwäsche-Behörde von Liechtenstein leitete.

Mehr Diebstähle

Eine weitere Statistik aus dem aktuellen Bericht: Im Vatikan wird mehr geklaut. Im kleinsten Staat der Welt wurden vom 1. Oktober 2015 bis zum 30. September 2016 insgesamt 78 Diebstähle angezeigt. In den zwölf Monaten zuvor waren es 58, wie aus dem Bericht Milanos hervorgeht.

Bestohlen wurden demnach vor allem Pilger und Touristen in den Vatikanischen Museen und im Petersdom, die jährlich mehr als fünf Millionen Besucher anziehen. Die vatikanische Gendarmerie nahm insgesamt vier mutmaßliche Taschendiebe fest.

Der rund 450 Einwohner zählende Vatikanstaat verfügt über eine eigene weltliche Gerichtsbarkeit und eine eigene Polizei, die vatikanische Gendarmerie. Die vatikanische Kriminalitätsstatistik weist für das zurückliegende Gerichtsjahr insgesamt 33 Festnahmen aus; davon überstellte die Gendarmerie 17 Personen an die italienische Polizei.

Versuchter Betrug in 28 Fällen

Zudem wurden der Justiz des päpstlichen Staates 28 Fälle von versuchtem Betrug gemeldet. Auch die unbefugte Weitergabe vertraulicher Dokumente des Vatikan geht offenbar weiter. Die vatikanische Finanzaufsichtsbehörde AIF brachte zwei Fälle zur Anzeige.

Im Juli hatte das vatikanische Gericht einen spanischen Geistlichen, der zwei Journalisten interne vatikanische Unterlagen geben hatte, zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt. Eine italienische PR-Beraterin wurde in diesem sogenannten Vatileaks-2-Prozess zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Quelle:
KNA