Manuela Schwesig zur Ministerpräsidentin wiedergewählt

"Kraft auch durch Gottvertrauen"

In ihrer ersten Amtszeit überstand sie eine Krebserkrankung. Bei der Landtagswahl stand SPD-Politikerin Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze - und wurde jetzt zum zweiten Mal zur Landeschefin gewählt.

Manuela Schwesig / © Jens Büttner (dpa)
Manuela Schwesig / © Jens Büttner ( dpa )

Nach fast vier Jahren im Bundeskabinett ging es für Manuela Schwesig (SPD) 2017 zurück in die Landespolitik: Sie trat Nachfolge von Erwin Sellering (SPD) an, der wegen einer Krebserkrankung seinen Rücktritt erklärt hatte. Die Sozialdemokratin wurde damit Deutschlands jüngste Ministerpräsidentin. Und erkrankte wenig später selbst an Krebs. Das sei der schwerste Kampf ihres Lebens gewesen, sagte sie rückblickend.

Am Montag wurde sie in ihrem Amt bestätigt und zum zweiten Mal zur Landeschefin gewählt. Statt mit der CDU - wie in ihrer ersten Amtszeit - wird sie in einer Koalition mit den Linken regieren. Für Schwesig votierten 41 der 79 Abgeordneten des neuen Landtags im Schweriner Schloss.

Rückkehr nach Mecklenburg-Vorpommern ein Heimspiel

Für Schwesig war die Rückkehr in das nordöstliche Bundesland vor vier Jahren ein Heimspiel: Von 2008 bis 2013 war sie dort Sozialministerin. Dabei machte sie sich auch bundespolitisch schnell einen Namen: In der Familienministerkonferenz trat sie unter anderem dafür ein, dass auch die Bundesländer in einen Fonds für Missbrauchsopfer einzahlen. Lange war Mecklenburg-Vorpommern das einzige Bundesland, das diesen Schritt selbst vollzog.

Ab 2013 agierte Schwesig als Familienministerin hartnäckig und konsequent: Die gebürtige Brandenburgerin, die unter anderem vom heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier auf die politische Bühne geholt wurde, trat geradezu mantrahaft für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Mehrmals scheute sie da auch die Konfrontation mit dem damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nicht.

Gesetzentwürfe fast im Monatstakt

Fast im Monatstakt präsentierte ihr Ministerium anschließend Gesetzentwürfe: Reformen, die für mehr Flexibilität in der Elternzeit und für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern sorgen sollen. Sie stellte Bundesmittel für den Kita-Ausbau bereit und versuchte, durch Präventionsmaßnahmen gegen Rechtsextremismus vorzugehen. Die Bundesländer brachte sie dazu, sich zumindest auf bestimmte Standards in Kitas zu verständigen. Ihre Nachfolgerin Franziska Giffey (SPD) setzte dann das sogenannte Gute-Kita-Gesetz durch.

Neben viel Lob - vor allem von Frauen- und Familienverbänden - musste Schwesig auch viel Kritik einstecken: Gesetzentwürfe seien mit "heißer Nadel" gestrickt, und sie schaffe Bürokratiemonster, waren nur zwei der Vorwürfe. Dazu wurden viele ihrer Auftritte moniert: Ihre Reden wirkten gestanzt, "unauthentisch", so die politischen Gegner. Schwesig ließ sich davon wenig beeindrucken. Als in ihrer Amtszeit die Geburtenrate erstmals seit der Wiedervereinigung wieder anstieg, sprach sie von einem "schönen Signal". Es sei für sie die größte Motivation, mehr für Kinder und Familien zu erreichen.

Auch sie selbst wurde während ihrer Amtszeit als Familienministerin zum zweiten Mal Mutter. Sie tanke Kraft bei ihrer Familie, betont sie immer wieder. Kraft gebe ihr aber auch das Gottvertrauen, so bekannte Schwesig. Bei ihrer Vereidigung zur Ministerpräsidentin am Montag schloss sie entsprechend die freiwillige Formel "So wahr mir Gott helfe" an.

Erst mit Mitte 30 evanglisch getauft

Sie wurde in Frankfurt an der Oder geboren und wuchs in der DDR auf. Erst mit Mitte Dreißig ließ sie sich in der evangelischen Kirche taufen. Das sei für sie der Abschluss eines längeren Weges zum Glauben und zugleich der Beginn eines neuen Weges gewesen, sagte sie in einem Interview. Ein Anlass sei die Geburt ihres Sohnes gewesen. So zitierte sie nach überstandener Krebserkrankung in einem Tweet den Beginn des Gedichts "Von guten Mächten wunderbar geborgen" des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), zusammen mit dem Symbol der betenden Hände.

In ihrem Bundesland fuhr Schwesig in der Corona-Pandemie einen harten Kurs. Die niedrigen Inzidenzzahlen in dem Flächenland gaben ihr Recht. Kritik handelte sie sich ein, als sie der Fertigstellung der Pipeline Nord Stream II zustimmte. Ihrer Beliebtheit vor Ort tat das keinen Abbruch: Sie zeigte sich volksnah und sprach über Social Media auch die jüngere Generation an. Nicht selten postet sie auf Instagram ein Selfie, das sie beim Joggen zeigt - und nicht selten ist dann auch das Schweriner Schloss, der Sitz des Landtags, im Hintergrund zu sehen.

Die wiedergewählte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig / © Jens Büttner (dpa)
Die wiedergewählte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig / © Jens Büttner ( dpa )
Manuela Schwesig und Erwin Sellering (beide SPD) / © Jens Büttner (dpa)
Manuela Schwesig und Erwin Sellering (beide SPD) / © Jens Büttner ( dpa )
Bundesfamilienministerin Schwesig mit Bundestagspräsident Lammert auf dem Kirchentag / © Soeren Stache (dpa)
Bundesfamilienministerin Schwesig mit Bundestagspräsident Lammert auf dem Kirchentag / © Soeren Stache ( dpa )
Autor/in:
Birgit Wilke
Quelle:
KNA
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