Kontrollzentrum für mehr Sicherheit jüdischer Einrichtungen geplant

"Perspektivisch" rund um die Uhr

Kommt eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung? Der Zentralrat der Juden hat Pläne, um die Sicherheit jüdischer Einrichtungen zu verstärken. Wie es Sicherheitskräften von Synagogen und Co. eigentlich geht, zeigt eine Umfrage.

Ein Polizeiauto steht neben der Synagoge in Bonn / © Julia Steinbrecht (KNA)
Ein Polizeiauto steht neben der Synagoge in Bonn / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Für die Sicherheit jüdischer Einrichtungen plant der Zentralrat der Juden in Deutschland ein spezielles Zentrum. 

In einem Kontrollraum sollen angeschlossene Einrichtungen "perspektivisch" rund um die Uhr überwacht werden, wie der Zentralrat in seinem kürzlich veröffentlichten Tätigkeitsbericht 2025 ankündigt. Zudem würden vorbeugende Arbeit geleistet und Ausbildungsangebote für Sicherheitsmitarbeitende von jüdischen Gemeinden ausgeweitet.

"Dieses Sicherheitszentrum soll damit zum nächsten Meilenstein der Gemeindesicherheit werden“, erklärte der Zentralrat. Es soll in diesem Jahr als „eigenständige Organisation innerhalb der Zentralratsinfrastruktur" aufgebaut werden.

"Dynamische Sicherheitslage"

Zum Zentralrat gehören 23 Landesverbände und darin organisierte mehr als 100 jüdische Gemeinden. Die Sicherheit ihrer Einrichtungen wird den Angaben zufolge wegen der "dynamischen Sicherheitslage" in Deutschland regelmäßig überprüft und angepasst.

Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019 hatten Bund und Länder Gelder in Millionenhöhe zugesagt, um den Schutz von Synagogen und anderen jüdischen Einrichtungen zu verstärken. Auf Seiten des Bundes waren es seinerzeit 22 Millionen Euro. Allerdings kritisieren jüdische Gemeinden immer wieder, dass sie für Schutzmaßnahmen oft selbst Geld in die Hand nehmen müssten. Das kann vor allem kleinere Gemeinden mit einem geringeren Budget vor große Probleme stellen.

Befragung von Sicherheitskräften

Im Februar vergangenen Jahres befragte der Zentralrat insgesamt 175 Sicherheitskräfte in jüdischen Gemeinden und Landesverbänden zu ihrer Arbeit und ihren beruflichen Herausforderungen. "Die Ergebnisse zeigen eine hohe Einsatzbereitschaft – trotz emotionaler und
physischer Belastung sowie teilweise unzureichender Ausstattung", heißt es dazu im Tätigkeitsbericht.

Demnach gaben 68 Prozent der Befragten mit Leitungsfunktion an, infolge des Hamas-Terrorangriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 psychisch sehr oder stark belastet gewesen zu sein. Bei den Mitarbeitenden waren es 50 Prozent. Auf die allgemeine Frage, ob die Arbeit die Sicherheitskräfte in emotional belastende Situationen bringe, antwortete die Mehrheit der Leitenden (58 Prozent) mit "manchmal", bei den Mitarbeitenden sagten die meisten (31 Prozent) "selten".

Antisemitismus in Deutschland

Antisemitische und antiisraelische Straftaten nehmen in Deutschland wieder zu. Den Angaben der Bundesregierung zufolge wurden unter anderem 434 Fälle von Volksverhetzung, 15 Gewaltdelikte sowie 70 Fälle, die Sachbeschädigung betreffen, gezählt. Weitere Delikte betreffen etwa die Störung der Totenruhe oder Nötigung. Mehr als 90 Prozent der Straftaten wurden von deutschen Staatsangehörigen verübt. Von einer deutlich höheren Dunkelziffer ist auszugehen. 312 von 339 Tatverdächtigen waren Deutsche.

Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin / © Markus Nowak (KNA)
Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin / © Markus Nowak ( KNA )
Quelle:
KNA