Konflikte zwischen Salafisten und Kurden

Islamforscher: Auseinandersetzung ist Jugendphänomen

Bei einer Straßenschlacht zwischen Kurden und radikalen Muslimen in Hamburg wurden 14 Menschen verletzt, vier von davon schwer. Für den Islamwissenschaftler Jörn Thielmann nicht nur etwas mit religiösen Auffassungen zu tun - vielmehr sei es Teil von Jugendgewalt.

Ausschreitungen in Hamburg (dpa)
Ausschreitungen in Hamburg / ( dpa )

Der Islamwissenschaftler Jörn Thielmann hält die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen radikalen Islamisten und protestierenden Kurden in Deutschland nicht für einen religiösen Stellvertreterkrieg. Es könne bei Demonstrationen zu Auseinandersetzungen kommen, sie seien aber eher ein Phänomen von Jugendgewalt als ein Religionskonflikt oder ein ethnischer Konflikt, sagte Thielmann am Samstag im Deutschlandradio Kultur. In Düsseldorf wurden am gleichen Tag rund 12.000 Kurden erwartet, die für mehr Unterstützung im Kampf gegen den IS-Terror demonstrieren wollen.

Bilder der jüngsten Zusammenstöße bei Demonstrationen von mutmaßlich salafistischen IS-Anhängern etwa in Hamburg zeigten gewaltbereite junge Leute, "mit Sportklamotten und Stiefeln eher gewappnet für Randale", sagte der Geschäftsführer des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa, einer zentralen Einrichtung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Mehrheit der Salafisten in Europa sei "in weiten Teilen friedlich."

Schwarz-Weiß-Sicht attraktiv

Den Zulauf Jugendlicher in Deutschland zu radikaler Islamisten erkläre sich mit der "Schwarz-Weiß-Weltsicht" des Salafismus, sagte der Islamwissenschaftler. Die Faszination von Salafisten für in Deutschland aufgewachsene junge Muslime erkläre sich auch durch die "theologischen Spracharmut" der muslimischen Gemeinden. Salafistische Prediger sprächen "lässig deutsch", thematisierten Sex oder Drogen klar in der Sprache der Jugend. Auch die salafistische "Theologie der Ermächtigung - Du hast einen Wert, weil du Muslim bist" mache diese attraktiv. Dagegen könnten die muslimischen Gemeinden mit "importierten Predigern", die kein Deutsch sprechen, hier aufgewachsene Jugendliche nicht erreichten.


Quelle:
epd