Kölner Veranstaltungsreihe befasst sich mit Machtmissbrauch

"Die Anleitung wird nicht direkt mitgeliefert"

Auch in der Bibel gibt es Menschen, die mit ihrer Macht falsch umgehen. Eine aktuelle Vortragsreihe im Kölner Domforum geht diesen Spuren nach und sucht nach Anhaltspunkten dafür, wie der biblische Gott mit seiner Macht umgeht.

Symbolbild: Vortrag, Redner, Konferenz, Symposium, Debatte, Diskussion, Veranstaltung. / © Matej Kastelic (shutterstock)
Symbolbild: Vortrag, Redner, Konferenz, Symposium, Debatte, Diskussion, Veranstaltung. / © Matej Kastelic ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Sie befassen sich im Kölner Domforum mit dem Thema "MACHTverzicht – MACHTkritik". Das kann man auf zwei verschiedene Art und Weisen betonen.

Stephanie Feder (Projektleiterin beim Hildegardisverein und Expertin für afrikanische Exegese): Das ist eine Reihe von insgesamt vier Terminen, für die wir uns dieses Überthema gesucht haben und schauen, wie in der Bibel mit dem Thema Macht umgegangen wird. Wenn man normalerweise an Macht denkt, denkt man automatisch als Gegenteil an Ohnmacht. 

Wenn wir aber zum Beispiel an Gott denken, lautet die Frage eher, ob er nicht freiwillig auf Macht verzichtet. Deswegen sind wir eher in diesen Bereich gewandert und haben uns diesen Titel gegeben, um noch mal zu schauen, welche Vielfalt es denn im Umgang mit Macht gibt, vor allen Dingen im Hinblick auf die biblischen Texte.

DOMRADIO.DE: Wo fängt man denn da an und hört auf? Da wimmelt es doch von patriarchalischen Geschichten, auch wenn es vielleicht gar nicht so sehr nur um Frauen geht. 

Stephanie Feder

"Wir machen das eben nur an vier Themen und man könnte ganze Vorlesungen damit füllen."

Feder: Definitiv. Es gibt eine Menge Geschichten. Gerade das Patriarchat, das Sie ansprechen, nimmt einen großen Teil ein. Aber es gibt auch viele andere Gruppen, die durch Machtstrukturen marginalisiert werden. Das fängt bei Kindern an, es gibt Fremde, die beispielsweise ausgegrenzt werden. Also da gibt es eine Menge Aspekte, auf die man schauen kann. 

Dann gibt es natürlich das Handeln Gottes selbst. Wie machtvoll ist das Handeln? Da kann man an ganz vielen Stellen arbeiten. Wir machen das nur an vier Themen. Aber man könnte ganze Vorlesungen damit füllen. 

DOMRADIO.DE: Der Untertitel dieser Veranstaltungsankündigung lautet "Befreiung aus der Sklaverei. Machtmissbrauch einer biblischen Geschichte". Was ist damit gemeint? 

Feder: Damit ist gemeint, dass eine biblische Geschichte für unterschiedliche Zwecke unterschiedlich benutzt wird, um Macht zu legitimieren. Ich werde das an dem Beispiel der südafrikanischen Geschichte aufzeigen. Ich bin Spezialistin für afrikanische Exegese. Da ist es zum Beispiel so, dass die Geschichte des Exodus, also die Befreiung von der Unterdrückung, zur gleichen Zeit sowohl von den Buren verwendet wird, um sich gegen die britische Besatzung zur Wehr zu setzen wie auch die indigene Bevölkerung diese Geschichte verwendet, um sich von den Buren zu befreien. 

Man sieht das auf unterschiedlichen Ebenen. Es ist natürlich unglaublich interessant zu sehen, dass immer wieder die gleiche Geschichte dazu genutzt wird, um eine Befreiung zu legitimieren und wie der biblische Text dort verwendet wird. 

DOMRADIO.DE: Also nimmt sich jeder, was ihm gerade in seinen Kram passt? 

Feder: Leider ist das so, weil die Anleitung in den biblischen Texten, wie man sie zu interpretieren hat, nicht direkt mitgeliefert ist. Das ist die Gefahr dabei. 

DOMRADIO.DE: Gibt es in der Bibel auch Geschichten, in denen Frauen Macht missbrauchen oder jedenfalls kritikwürdig damit umgehen?

Feder: Auf jeden Fall. Wir hatten auch schon ein Treffen, wo es um das Thema von mächtigen und ohnmächtigen Frauen ging. Es ist nicht so, dass Frauen, weil sie bis heute vielleicht mit weniger Macht ausgestattet sind, nicht in der Gefahr sind, Macht zu missbrauchen. 

Ein Beispiel ist zum Beispiel Sarah, die Hagar benutzt, damit die Nachkommenschaft gesichert ist und sie dann in die Wüste schickt. Oder auch Isabell, die eine Königin ist, die mit Ahab, dem König von Israel quasi verbandelt ist, die dann, weil es um ein Stück Land geht, den Besitzer des Landes töten lässt und sehr intrigant vorhergeht. 

Daran sieht man schon, wie Frauen mit Macht auch umgehen. Es lohnt sich, sich damit noch mal genauer zu beschäftigen. 

Stephanie Feder

"Gerade in Präventionsschulungen sollten wir uns viel stärker auch mit unseren biblischen Bezügen beschäftigen."

DOMRADIO.DE: Findet man einen Bezug in Sachen Machtmissbrauch oder Machtstrukturen zur heutigen Missbrauchskatastrophe in der Kirche? 

Feder: Nicht direkt. Da müssen wir auch vorsichtig sein. Macht hat auch häufig etwas mit Strukturen zu tun. Das ist ein Thema, was wir innerhalb dieser vier Termine nicht so stark ausbreiten.

Es gibt allerdings auch biblische Geschichten, die uns sehr gut dran erinnern können. Zum Beispiel die Geschichte von Tamar. Das ist eine Vergewaltigungsgeschichte in 2 Samuel 13. Da sieht man, wie Macht eben auch strukturell genutzt wird und welche Gefahren mit dabei sind.

Gerade in Präventionsschulungen sollten wir uns viel stärker auch mit unseren biblischen Bezügen beschäftigen 

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Quelle:
DR