Kölner Stadtdechant unterstützt Olympia-Bewerbung von KölnRheinRuhr

Chance für Land, Stadt und Kirche?

In vier Städten in Nordrhein-Westfalen ist die Kampagne KölnRheinRuhr zur Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele gestartet. Die Hoffnungen sind groß, auch bei Vertretern der Kirche. Gibt die Bevölkerung ihr "Ja"?

Autor/in:
Alexander Foxius
Köln: Ein Plakat mit dem Schriftzug "Ja" hängt beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele an der Lanxess-Arena / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Köln: Ein Plakat mit dem Schriftzug "Ja" hängt beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele an der Lanxess-Arena / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Als NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) zum Start der Kampagne KölnRheinRuhr in der Kölner Lanxess-Arena an das Mikrophon tritt, möchte er sichtlich um Optimismus, Zusammenhalt und Zuversicht werben, wenngleich "unsere freiheitlichen Gesellschaften unter Druck stehen", so Wüst. Im Sport und in der Bewerbung erhofft sich Wüst "einen Beitrag für ein neues Miteinander in unserem Land". 

Auch der Kölner Dom- und Stadtdechant Robert Kleine ist als Vertreter der Katholischen Kirche in der Arena. Er sieht eine Chance in der Bewerbung. Köln und NRW als Gastgeber könne er sich gut vorstellen und blickt dabei auf den Weltjugendtag 2005 zurück: "Wenn wieder Menschen friedlich zusammenkommen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen, dann ist das ein Zeichen." Sport könne Menschen verbinden – auch in einer Welt, in der es aktuell so viele Kriege und Auseinandersetzungen gebe, so Kleine. 

Über tausend Kinder und ihre Eltern haben mit Domdechant Msgr. Robert Kleine am Vorabend zu St. Martin einen Familiengottesdienst im Kölner Dom gefeiert / © Beatrice Tomasetti (DR)
Über tausend Kinder und ihre Eltern haben mit Domdechant Msgr. Robert Kleine am Vorabend zu St. Martin einen Familiengottesdienst im Kölner Dom gefeiert / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Kölner Dom- und Stadtdechant Robert Kleine

Ähnlich wie beim Weltjugendtag würden bei der Olympiabewerbung Bistums- und Dekanatsgrenzen überschritten. Er blickt heute schon freudig auf die mögliche Zusammenarbeit rund um eine Olympiapastoral, bei der die Kirche "viel reißen" könnte: Sport bringe die Menschen zusammen, so wie Jesus Christus auch seine Jüngerschaft zusammengerufen habe.

Motor für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Olympische Spiele in Deutschland könnten wie in Paris 2024 Impulse für einen gesellschaftlichen Zusammenhalt bieten. "Dann ist Olympia kein Selbstzweck mehr, sondern wirklich ein Impuls für unser ganzes Land", findet auch Michael Leyendecker, Präsident des katholischen Sportverbandes DJK. 

Rund 150 Personen aus Wirtschaft, Sport, Kultur, Politik und der Kölner Stadtgesellschaft sind mit Ministerpräsident Wüst in die Event- und Sporthalle eingezogen. Gemeinsam mit einem Kompetenzteam wollen sie ihr kollektives "Ja" zur nordrhein-westfälischen Bewerbung für die Olympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 und 2044 betonen. 

Köln: Hendrik Wüst (CDU, l-r), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Britta Heidemann, ehemalige Fechterin, und Isabell Werth, Dressurreiterin, stehen beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele an der Lanxess-Arena / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Köln: Hendrik Wüst (CDU, l-r), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Britta Heidemann, ehemalige Fechterin, und Isabell Werth, Dressurreiterin, stehen beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele an der Lanxess-Arena / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Wüst wirbt um die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger in den Kommunen. Sie werden am 19. April 2026 in Bürgerentscheiden abstimmen, ob Köln und die Metropolregion Rhein-Ruhr neben Berlin, Hamburg und München in das Rennen einsteigt – für die dritten Olympischen Sommerspiele in Deutschland nach Berlin 1936 und München 1972. Unter dem Motto "Unsere Städte. Unsere Spiele." versprechen die Organisatoren "die kompaktesten, nachhaltigsten und spektakulärsten Spiele". Spiele für alle. 

Kompakt, nachhaltig und spektakulär 

Für die Initiatoren spricht viel für Olympia in NRW. Die Region habe den großen Vorteil, dass das bevölkerungsreichste Bundesland über viele Sportstätten auf olympischem Niveau verfügt. Neben den vielen Fußballstadien gibt es auch im Breitensport viele Wettkampfstätten, die mit verhältnismäßig wenig Umbaumaßnahmen für Olympische Spiele geeignet wären: Reitsport in Aachen, Rudern und Kanu in Duisburg, Schwimmen auf Schalke und Hockey in Mönchengladbach.  

Wo sonst zwischen einzelnen Städten und Regionen, zwischen Rheinländern und Westfalen und zwischen Sportvereinen teilweise Rivalitäten existieren, sieht man sich bei Olympia jetzt in einem Boot. In den Farben sei man zwar getrennt, aber in der Sache vereint, betont Jörn Stobbe, Präsident des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln. Man sei schon jetzt bei Olympia im Austausch mit den anderen Vereinen: "Das ist so ein großartiges Ziel, das uns zusätzlich verbindet", sagt Stobbe. 

Der Dom im Mittelpunkt 

Mit Licht-Installationen in Düsseldorf, Dortmund, Essen und Köln als "Leading City" hatte die Kampagne begonnen, bei der auch der Kölner Dom im Mittelpunkt steht. In den Filmen zur Bewerbung blitzt das Weltkulturerbe immer wieder auf. 

Köln: Eine Projektion auf dem Römisch-Germanischen Museum neben dem Dom am Roncalliplatz wirbt für die Kampagne für die Bewerbung KölnRheinRuhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Köln: Eine Projektion auf dem Römisch-Germanischen Museum neben dem Dom am Roncalliplatz wirbt für die Kampagne für die Bewerbung KölnRheinRuhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Die Fechtolympiasiegerin von 2008 und gebürtige Kölnerin, Britta Heidemann, würde sich sehr über die Spiele in ihrer Heimatstadt freuen. Den Kölner Dom als Wahrzeichen von Olympischen Spielen kann sie sich sehr gut vorstellen: "Da können wir locker mit London und Paris mithalten". Schließlich könne der Kölner Dom einiges und ist weltweit bekannt. 

Chance für Stadt und Kirche? 

Kann Köln Olympia? Diese Frage wabert beim Medientermin durch die Kölner Sportarena. Der neue Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) zeigt sich trotz einer durchaus unglücklichen Bilanz bei größeren Bau- und Infrastrukturprojekten der letzten Jahre und Jahrzehnte optimistisch. Dafür blickt er fast hundert Jahre in die Zeit seines Vorgängers Konrad Adenauer zurück. Die Mülheimer Brücke, die Kölner Messe und das Müngersdorfer Stadion – sie alle wurden in der Weimarer Republik in den 1920er in wenigen Jahren erbaut und in Betrieb genommen: "Ja, Köln kann auch bauen" gibt sich Burmester optimistisch. 

Köln: Das Logo ist beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele in der Lanxess-Arena zu sehen / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Köln: Das Logo ist beim Start der Kampagne für die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr, mit Köln als "Leading City", um Olympische und Paralympische Spiele in der Lanxess-Arena zu sehen / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Auch das Olympiastadion und das Olympische Dorf, in dem zehntausende Athletinnen und Athleten aus aller Welt während der Spiele untergebracht werden müssen, sollen in Köln entstehen. Im Stadtbezirk Chorweiler im Kölner Norden ist seit Jahren der neue Stadtteil "Kreuzfeld" in Planung. Das aktuelle Konzept der Olympiabewerbung sieht nun vor, dass dort ein temporäres Leichtathletik-Stadion entstehen soll; daneben Wohnungen für die Sportlerinnen und Sportler. Nach den Spielen würde dann alles in Wohnraum für die Menschen in Köln umgewandelt – auch das Stadion. Nachhaltig soll es sein.

Für Stadtdechant Robert Kleine ist dies auch eine spannende pastorale Perspektive für die Katholische Kirche im Kölner Norden. Sein Blick fällt dabei auf die 2003 geweihte jüngste Kirche in Köln: St. Katharina von Siena liegt im benachbarten Stadtteil Blumenberg. Sie ist bereits in ihrer Größe auch auf den neuen Stadtteil Kreuzfeld mit ausgerichtet. 

"Pastoral wird das natürlich eine Herausforderung sein. Zunächst müssen wir die Olympischen Spiele begleiten. Anschließend müssen wir auch alle willkommen heißen und begleiten, die dann dort einziehen werden", freut sich Kleine über die Möglichkeiten, Dynamiken und Perspektiven, die die Bewerbung von KölnRheinRuhr mit sich bringen kann.

Quelle:
DR

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