Kölner Caritas bietet Schulungen für Demenz-Begleiter an

"Schöne Stunden, die man sich schenkt"

Um Angehörige von Demenzpatienten zu entlasten, bietet die Kölner Caritas Schulungen für freiwillige Demenz-Begleiter an. Dabei geht es nicht darum, bei der Pflege zu helfen, sondern zu singen und über alte Erinnerungen zu sprechen.

Lieder aus der Kindheit könnten bei vielen Demenzpatienten abgerufen werden, sagt Stefanie Kolbe / © Sina Schuldt (DR)
Lieder aus der Kindheit könnten bei vielen Demenzpatienten abgerufen werden, sagt Stefanie Kolbe / © Sina Schuldt ( DR )

DOMRADIO.DE: Wenn im Alltag mal eine Gedächtnislücke auftritt, muss man nicht gleich in Panik verfallen, oder? 

Stefanie Kolbe (Kurskoordinatorin CarUSO Demenzschulung der Caritas Köln): Nein, das sollte man nicht. Es geht mir auch so, dass ich mal was vergesse, wenn ich vor der Kellertreppe stehe. Wenn man ein bisschen älter ist, ist die Gefahr natürlich größer, an einer Demenz zu erkranken. Abklärung mit dem Hausarzt würde ich empfehlen, gegebenenfalls auch mit dem Neurologen. Es kann alles andere möglich auch sein: eine Wasserablagerungen, eine Bluteinlagerung im Gehirn. Bitte erst mal abklären, keine Panik bekommen. 

Stefanie Kolbe

"Es geht darum, die Angehörigen stundenweise zu entlasten bei deren Pflegealltag zu Hause."

DOMRADIO.DE: Eine Demenz kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Was lerne ich bei Ihnen im Kurs? Den Umgang mit den harten Pflegefällen? Oder geht es eher um Unterstützung bei einsetzender Demenz? 

Kolbe: Unsere freiwillige Helfer begleiten stundenweise nicht die harten Fälle, es wird bei uns nicht gepflegt. Es geht darum, die Angehörigen stundenweise zu entlasten bei deren Pflegealltag zu Hause. Es ist eine Begleitung, schöne Stunden, die man sich schenkt miteinander. 

DOMRADIO.DE: Können Gottesdienstbesucher eine Rolle spielen bei der Therapie, bei der Begleitung demenziell Erkrankter? 

Kolbe: Ja, natürlich. Gerade das, was man früher erlebt hat, den regelmäßigen Gottesdienst, ist ein wichtiger Halt im Leben, eine Wertevorstellung. Diese Wertvorstellungen und diese Bedürfnisse und Interessen der Demenzkranken möchten wir gerne unterstützen. Auch mit der Begleitung zum Gottesdienst beispielsweise. 

Stefanie Kolbe

"Kirchenlieder werden nicht vergessen und die können abgerufen werden."

DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielen Kirchenlieder oder auch andere Lieder? 

Kolbe: Eine sehr große Rolle. Gerade Volkslieder, Schlager, Kirchenlieder werden gerne gesungen, können abgerufen werden. Man muss sich vorstellen: Alles das, was man die letzten Wochen und Monate irgendwie im Kopf noch gespeichert hat, löscht sich nach und nach bei Demenzpatienten. Aber das, was man im Jugend- oder Kindheitsalter gelernt hat, etwa die Kirchenlieder, die werden nicht vergessen und die können abgerufen werden. Umso wichtiger sind diese alten Erinnerungen. 

DOMRADIO.DE: Ihr Kurs beinhaltet Präsenztermine, aber nicht nur... 

Kolbe: Es finden drei Präsenztage statt, aber währenddessen hat man eine digitale Lerneinheit, die man zu Hause ganz in Ruhe, wann immer man Zeit hat, absolvieren kann. 

Demenz

Medizinisch bedeutet Demenz eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Gedächtnis, räumliches Orientierungsvermögen und das Sprachvermögen zunehmend beeinflusst werden. Die wörtliche Übersetzung aus dem Lateinischen lautet "ohne Verstand sein". Der Betroffene verliert die Kontrolle über sein Denken und damit über sich selbst.

Hilfestellung bei Demenz / © Jens Kalaene (dpa)
Hilfestellung bei Demenz / © Jens Kalaene ( dpa )

Das Interview führte Tobias Fricke.

Weitere Infos zum Kurs gibt es hier.

Quelle:
DR