Misereor mahnt mehr Engagement gegen Klimawandel an

Klare Forderungen

Vor dem von US-Präsident Joe Biden initiierten Klimagipfel mahnt das katholische Hilfswerk Misereor mehr Engagement im Kampf gegen den Klimawandel an. Das für Donnerstag und Freitag geplante Treffen wird digital stattfinden.

Symbolbild: Globaler Umweltschutz / © S. Sokolov (shutterstock)
Symbolbild: Globaler Umweltschutz / © S. Sokolov ( shutterstock )

"Es ist gut, dass Präsident Biden mit diesem Gipfel zeigt, dass die USA wieder an Bord sind beim weltweiten Klimaschutz", sagte Misereor-Klimaexpertin Kathrin Schroeder am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Aachen.

Die von Biden für die USA in Aussicht gestellte Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 komme allerdings zu spät und sei zu wenig, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, so Schroeder. Die 2015 geschlossene Vereinbarung sieht vor, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst sogar 1,5 Grad zu begrenzen. Unter Vorgänger Donald Trump waren die USA aus dem Abkommen ausgetreten; Biden machte diesen Schritt rückgängig.

EU-Institutionen verständigen sich auf Europäisches Klimagesetz

Am Donnerstag und Freitag will der US-Präsident mit führenden Politikern aus aller Welt über weitere Schritte im Kampf gegen den Klimawandel beraten und das Klimaziel der USA für 2030 offiziell bekanntgeben. Das Treffen findet virtuell statt.

Eingeladen sind unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premier Boris Johnson, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommisionspräsidentin Ursula von der Leyen. Erwartet werden auch die Präsidenten Chinas, Russlands und Brasiliens, Xi Jinping, Wladimir Putin und Jair Bolsonaro.

In der Nacht zum Mittwoch hatten sich die EU-Institutionen - Kommission, Parlament und Rat - nach langen Verhandlungen auf ein Europäisches Klimagesetz verständigt. Ziel ist, Europa bis 2050 treibhausgasneutral zu machen. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen EU-weit um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 sinken. Ursprünglich hatte die EU eine Reduktion von 40 Prozent angepeilt.

Senkungen der Emissionen nötig

Misereor-Expertin Schroeder kritisierte, dass die Einsparungen bei den CO2-Emissionen mit wieder aufgeforsteten Wäldern oder renaturierten Mooren als natürlichen Kohlenstoffspeichern verrechnet werden können. Dadurch werde der tatsächliche Rückgang aller Wahrscheinlichkeit nach geringer ausfallen.

Notwendig seien "echte Senkungen der Emissionen" in den Bereichen Energie, Verkehr, Gebäude und Industrie. "Wir fordern, bis 2030 auf 60 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen europaweit zu kommen", so Schroeder.

Deutschland habe der Überprüfung seiner Minderungsanstrengungen nur wegen des Corona-Effekts standgehalten, fügte Schroeder hinzu. "Gegenüber den Auswirkungen, die sich schon heute in den Ländern unserer Partner zeigen, reicht das einfach nicht."

Quelle:
KNA