Kirchliche Seelsorge begleitet Athleten bei den Paralympics

Goldener Schutzengel im Gepäck

Die Olympischen Winterspiele in Italien sind zwar vorbei, doch die Paralympics stehen noch bevor. Seit 1972 entsenden katholische und evangelische Kirche Seelsorger zu beiden Sportereignissen. Christian Bode ist zum neunten Mal dabei.

Autor/in:
Martina Schwager
Menschen machen Fotos vor den Ringen der Olympischen Winterspiele und Paralympics in Cortina D'Ampezzo / © Andrew Medichini/AP (dpa)
Menschen machen Fotos vor den Ringen der Olympischen Winterspiele und Paralympics in Cortina D'Ampezzo / © Andrew Medichini/AP ( dpa )

Der evangelische Paralympics-Pastor Christian Bode erhofft sich von den Winter-Paralympics vom 6. bis 15. März in Mailand und Cortina ein positives Signal in die Gesellschaft. 

Pastor Christian Bode aus Osnabrück präsentiert sein nagelneues cremefarbenes Trikot mit dem paralympischen Symbol auf der Brust / © Detlef Heese (epd)
Pastor Christian Bode aus Osnabrück präsentiert sein nagelneues cremefarbenes Trikot mit dem paralympischen Symbol auf der Brust / © Detlef Heese ( epd )

Menschen mit körperlichen Handicaps, die sich noch nicht trauten, Sport zu treiben, könnten durch die Weltspiele für Menschen mit Behinderung Mut schöpfen und neue Perspektiven für sich entdecken, sagte Bode. Zudem sollten sich mehr Sportvereine als bisher für Menschen mit Behinderung öffnen. 

"Ich wünsche mir, dass mehr Vereine den Mut haben, das scheinbar Unmögliche wenigstens einmal auszuprobieren."

Als Beispiel nannte Bode, der bereits zum neunten Mal die Paralympics im Sommer wie im Winter begleitet, einen Zehn-Kilometer-Volkslauf in Osnabrück mit steilen Abschnitten und Treppenstufen. Im vergangenen Jahr hätten daran erstmals auch Sportler mit Einschränkungen in Form einer Staffel teilgenommen. 

Insgesamt erlebe er, dass die Gesellschaft zunehmend offener für das Thema Inklusion werde. Das habe auch mit der medialen Berichterstattung über den zunehmend professioneller werdenden Para-Leistungssport zu tun.

"Blindes Vertrauen" sehbehinderter Alpin-Skifahrer

Den evangelischen Theologen fasziniert vor allem der alpine Skisport von Menschen mit Sehbehinderung. "Wenn die hinter ihrem Guide eine schwarze Piste runterfahren, stockt mir der Atem. Da bekommt der Begriff 'blindes Vertrauen' eine besondere Bedeutung", sagte Bode, der hauptberuflich die Evangelische Erwachsenenbildung in Osnabrück leitet.

Die Begleitung der Spiele durch ihn und seine katholische Kollegin Elisabeth Keilmann hält Bode trotz des Bedeutungsverlusts der Kirchen für sinnvoll. Seelsorge sei als Teil des sogenannten Well-being-Teams gefragt. Zu diesem gehörten auch Psychologen und Therapeutinnen. In Gesprächen gehe es etwa um den Umgang mit Sieg und Niederlage oder persönliche Schicksalsschläge.

Geistliche Impulse in der Team-App

Die größte Herausforderung stellten dieses Mal die drei weit auseinanderliegenden Standorte dar, sagte der Pastor. Dennoch plane er, in allen drei paralympischen Dörfern in Mailand, Cortina und Predazzo präsent zu sein. Er werde Wettbewerbe im Alpinski, im Biathlon und im Eishockey besuchen. 

In die Team-App sende er täglich geistliche Impulse und sei für Sportlerinnen und Begleiter rund um die Uhr erreichbar.

Aus seiner langjährigen Erfahrung kennt Bode bereits viele Sportlerinnen und Sportler. Eine besondere Geschichte verbindet ihn mit der alpinen Skifahrerin Andrea Rothfuß. Ihr und allen anderen Athleten hatte der Pastor vor den Wettkämpfen bei den Spielen in Pyeongchang 2018 einen silbernen Schutzengel überreicht. 

Sie fuhr fünf Silbermedaillen ein und mahnte nachher für die nächsten Spiele augenzwinkernd einen goldenen Schutzengel an. "Den habe ich jetzt natürlich im Gepäck."

Sport- und Olympiaseelsorge

Die deutsche Olympiamannschaft wird seit mehr als 50 Jahren bei Sommer- und Winterspielen von einem ökumenischen Seelsorgerteam begleitet. Ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher bieten den Athleten, Trainern und Betreuern Gesprächsmöglichkeiten und Gottesdienstbesuche an. Auch bei den Paralympischen Spielen stellen die beiden großen Kirchen ein Seelsorgerteam, das den Sportlern mit Behinderung zur Seite steht. Bei den Universiaden, den Weltsportspielen der Studenten, reisen meist ebenfalls Seelsorger mit.

Zuschauerin bei den olympischen Spielen / © Hendrik Schmidt (dpa)
Zuschauerin bei den olympischen Spielen / © Hendrik Schmidt ( dpa )
Quelle:
epd