Kirchliche Hilfswerke kritisieren neue Afrika-Strategie

Es bleiben Fragen offen

Laut kirchlichen Hilfswerken fehlt der am Dienstag vorgestellten Afrika-Strategie des Bundesentwicklungsministeriums eine "klare strategische Ausrichtung". Lobenswert sei die Neuausrichtung angesichts neuer globaler Herausforderungen.

Getreidefeld in Afrika / © Moma_Production (shutterstock)
Getreidefeld in Afrika / © Moma_Production ( shutterstock )
Dagmar Pruin / © Hermann Bredehorst/Brot fuer die (epd)
Dagmar Pruin / © Hermann Bredehorst/Brot fuer die ( epd )

Grundsätzlich sei zu begrüßen, dass die Prioritären in der Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern angesichts der gewachsenen globalen Herausforderungen noch einmal neu definiert würden, erklärten "Brot für die Welt" und Misereor in Berlin. Es blieben jedoch viele Fragen offen.

Die Präsidentin von "Brot für die Welt", Dagmar Pruin, kritisierte, es sei etwa nicht klar, wie die lokale Bevölkerung von angestrebten Wasserstoffinitiativen profitieren solle.

Pirmin Spiegel / © Julia Steinbrecht (KNA)
Pirmin Spiegel / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Fehlende Versorgungsstrategien

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, ergänzte, es sei zu befürchten, dass "der Aufbau solcher alternativer Energieerzeuger in Afrika zu stark auf Export ausgerichtet ist, nicht auf die Versorgung Afrikas".

Das sei gravierend, weil etwa die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung keinen Zugang zu Strom habe.

Klima- und Umweltschutz stärken

Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) hatte am Dienstag in Berlin die neue Afrika-Strategie ihres Ministeriums vorgestellt.

Demnach will Deutschland den klima- und umweltfreundlichen Umbau der afrikanischen Wirtschaft stärker fördern. Im Mittelpunkt stehen Partnerschaften mit ausgewählten Entwicklungs- und Schwellenländern, um ihnen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu helfen.

Abwesendes Verantwortungsbewusstsein

Hungersnot in Ostafrika wird schlimmer / © ymphotos (shutterstock)
Hungersnot in Ostafrika wird schlimmer / © ymphotos ( shutterstock )

Misereor-Geschäftsführer Spiegel kritisierte, dass bei der Hungerbekämpfung Aussagen fehlten, mit denen Deutschland und die EU in die Verantwortung genommen würden. Erfreut zeigten sich Misereor und das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" über das Kapitel zur feministischen Entwicklungspolitik.

Die "klare Benennung struktureller Ungerechtigkeiten und die kritische Thematisierung von Machtstrukturen" seien ein wichtiges Signal.

Oxfam: Hunger in Ostafrika ist Folge politischen Versagens

Die Hilfsorganisation Oxfam gibt der internationalen Politik Mitschuld an der Ernährungskrise in Ostafrika. "Die Menschen in Ostafrika hungern nicht, weil es der Welt an Nahrung oder Geld mangelt, sondern weil es an politischem Mut fehlt", sagte die Geschäftsführerin von Oxfam International, Gabriela Bucher, am Mittwoch in Berlin. In Kenia, Äthiopien und Somalia seien aktuell über 23 Millionen Menschen von extremem Hunger betroffen. Diese Zahl habe sich seit vergangenem Jahr mehr als verdoppelt. Die bisher zugesagten Gelder reichten nicht, so Oxfam.

Symbolbild Hunger / © MIA Studio (shutterstock)
Quelle:
epd