Kirchen reagieren auf die militärische Eskalation im Nahen Osten

Warnung vor "Spirale der Gewalt"

Angesichts der militärischen Eskalation im Nahen Osten melden sich die Kirchen zu Wort. Der neue DBK-Vorsitzende Bischof Heiner Wilmer, betet für ein Ende der Gewalt. Der Ökumenische Rat der Kirchen ruft zu einem sofortigen Ende auf.

Israelis sitzen in einem Schutzraum, während die Sirenen vor dem Beschuss warnen / © Baz Ratner (dpa)
Israelis sitzen in einem Schutzraum, während die Sirenen vor dem Beschuss warnen / © Baz Ratner ( dpa )

Infolge der militärischen Eskalation in Nahost zwischen Israel, dem Iran und den USA sorgt sich der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, um die Bevölkerung der betroffenen Länder. Die neuerlichen Kampfhandlungen erfüllten ihn mit tiefer Sorge, erklärte der Hildesheimer Bischof am Samstag in Bonn. 

Bischof Heiner Wilmer / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Heiner Wilmer / © Harald Oppitz ( KNA )

Israels Sicherheit sei für ihn von herausragender Bedeutung, betonte er. Zu der Lage im Iran sagte Wilmer: "Jeder, der Freiheit liebt, sehnt sich nach dem Moment, an dem die iranische Bevölkerung das Joch einer brutalen Herrschaft abschütteln kann."

Er bezweifelte jedoch, dass die militärischen Auseinandersetzungen dem Mittleren Osten mehr Frieden und Freiheit bringen. "Ich bete in dieser Stunde für die Menschen in Iran und Israel, die einmal mehr Opfer der Gewalt werden. Und ich bete für die Region, dass sie sich endlich zu einer Stätte echten Friedens statt immer wiederkehrenden Blutvergießens wandeln möge", fügte Wilmer hinzu. 

Juden, Muslime und Christen seien an den Kämpfen dieser Tage beteiligt und von ihnen betroffen. Er lade die Gläubigen der abrahamitischen Religionen ein, sich dem Gebet anzuschließen. 

Jerusalemer Abt berichtet aus einem Luftschutzbunker

Nikodemus Schnabel, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem, saß am Samstag nach dem Angriff Israels auf den Iran zusammen mit 60 Menschen im Luftschutzbunker in Tabgha. "Wir waren hier, haben gesungen und in verschiedenen Sprachen gebetet. An was denkt man da? Ich habe gespürt: Keiner hat gedacht 'Oh, ich habe Angst um mein Leben', sondern das war der Gedanke an die anderen", berichtet er in einem Video. 

"Wir haben gebetet für all diese Menschen. Es hat gut getan. Nicht wir standen im Zentrum unserer Gebete, sondern die Menschen um uns herum, um die wir in Sorge waren. Wir wurden so wie zu einer Hoffnungsinsel in einem Ozean von Leid."

Bischöfin Fehrs: Gewaltspirale stiftet keinen Frieden

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat infolge der militärischen Angriffe von Israel, dem Iran und den USA zu einer Deeskalation der Gewalt aufgerufen. Sie blicke mit großer Sorge auf die jüngste militärische Eskalation im Nahen Osten, erklärte Fehrs am Samstag in Hannover. "Als Kirche rufen wir zur Deeskalation auf, zum Schutz der Zivilbevölkerung und zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch."

Kirsten Fehrs, amtierende Vorsitzende des Rates der EKD, spricht bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung einer Studie zum Missbrauch in der evangelischen Kirche / © Julian Stratenschulte (dpa)
Kirsten Fehrs, amtierende Vorsitzende des Rates der EKD, spricht bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung einer Studie zum Missbrauch in der evangelischen Kirche / © Julian Stratenschulte ( dpa )

Die Hamburger Bischöfin sagte weiter: "Die Gewaltspirale aus Angriff und Vergeltung stiftet keinen Frieden; sie bringt stattdessen neues, unsägliches Leid über unzählige Menschen." Vor allem gälten ihre Gedanken und Gebete den leidgeprüften Menschen im Iran, die seit so vielen Jahren unter einem brutalen Regime litten und nun den Schrecken des Krieges ausgesetzt seien.

Weltkirchenrat warnt vor "Spirale der Gewalt"

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat angesichts der militärischen Eskalation im Nahen Osten vor einer Ausweitung der Gewalt gewarnt. "Diese gefährliche Spirale der Gewalt bringt Millionen von Zivilisten unmittelbar in Gefahr, untergräbt die regionale und internationale Sicherheit und bedroht die ohnehin fragile wirtschaftliche und soziale Stabilität im gesamten Nahen Osten", erklärte der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Jerry Pillay, am Samstag in Genf. 

Die sich ausweitenden Feindseligkeiten gefährdeten Menschenleben, beeinträchtigten lebenswichtige Infrastruktur und vertieften Angst und Unsicherheit unter Bevölkerungen, "die bereits langanhaltende Instabilität und Konflikte erdulden mussten", sagte Pillay weiter.

Streitigkeiten müssen mit Völkerrecht gelöst werden

Er bekräftigte, dass Streitigkeiten zwischen Staaten durch Dialog, Konsultation und die Einhaltung des Völkerrechts gelöst werden müssten. "Militärische Konfrontation und eskalierende Vergeltungsmaßnahmen können keine nachhaltige Sicherheit oder keinen Frieden bringen", sagte der Südafrikaner. "Stattdessen vervielfachen sie das Leid und erhöhen das Risiko eines umfassenderen regionalen Flächenbrands mit unvorhersehbaren globalen Folgen." 

Jerry Pillay / © Anne Ackermann (KNA)
Jerry Pillay / © Anne Ackermann ( KNA )

Der ÖRK rief zu einer sofortigen Einstellung aller militärischen Handlungen auf. Zugleich forderte er den Schutz der Zivilbevölkerung und kritischer Infrastruktur im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht, die umgehende Wiederaufnahme diplomatischer Bemühungen sowie koordinierte internationale Anstrengungen, um eine weitere Eskalation zu verhindern und die Stabilität wiederherzustellen.

Pillay fordert Deeskalation

Der Weg nach vorn müsse einer der Deeskalation, des Dialogs und des Respekts vor der Menschenwürde sein, betonte er. "Gewalt wird die Zukunft der Region nicht sichern; nur Gerechtigkeit, Rechenschaftspflicht und ein nachhaltiges diplomatisches Engagement können die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden legen." 

Quelle:
epd , KNA