Kirche in Österreich stellt sich gegen neues Amazon-Zentrum

"Nicht den roten Teppich ausrollen"

Im österreichischen Sankt Valentin will Amazon ein neues Verteilzentrum bauen. Der Bischof von Sankt Pölten, Alois Schwarz, und Teile der örtlichen Kirchengemeinde sind dagegen. Kann die Kirche tatsächlich das Projekt verhindern?

Amazon-Paket vor einer Haustür / © Jeramey Lende (shutterstock)
Amazon-Paket vor einer Haustür / © Jeramey Lende ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Es geht um ein Stück Land in Sankt Valentin im Bezirk Amstetten, auf das Amazon ein 50.000 Quadratmeter großes Gebäude setzen will. Was hat die katholische Kirche damit zu tun?

Klaus Prömpers (Journalist und Experte für die österreichische Kirche): Naturgemäß gehören zu dem ganzen Deal von 50.000 Quadratmetern Gelände, worauf sie bauen wollen, mehrere Eigentümer, die verkaufen müssen. Einer davon ist die örtliche Gemeinde Sankt Valentin. Da ist jetzt genutztes Ackerland drauf, das der Bischof nicht so ohne Weiteres zubetonieren lassen will.

Er steht nicht alleine da. Auch der stellvertretende Landeshauptmann, also der stellvertretende Ministerpräsident, der für die Flächennutzung zuständig ist, sagt: Wir werden Amazon nicht den roten Teppich ausrollen.

Klaus Prömpers (privat)
Klaus Prömpers / ( privat )

DOMRADIO.DE: Warum will aber jetzt speziell Bischof Alois Schwarz Amazon das Land nicht geben?

Prömpers: Er erläuterte es gegenüber einer Boulevardzeitung vor einigen Tagen und sagte wörtlich: "Für Teile der geplanten Ansiedlung sind Grundflächen im Eigentum der Kirche im Gespräch. Bisher ist aber weder Amazon-Boss Bezos noch sonst ein Manager an mich herangetreten. Und ich hätte größte Bedenken, wertvolle Ackerböden für so ein Projekt aufzugeben."

Bischof Alois Schwarz (r.) / © Georg Pulling (KNA)
Bischof Alois Schwarz (r.) / © Georg Pulling ( KNA )

DOMRADIO.DE: Steckt hinter seiner Weigerung vielleicht auch ein Stück Kapitalismuskritik?

Prömpers: Das glaube ich weniger. Aber dahinter steckt möglicherweise ein Lesen der Enzyklika von Papst Franziskus, Laudato si. Der Umweltgedanke, der da geäußert wird, ist ja nicht unbedingt im Sinne der großen industriellen Konzerne.

DOMRADIO.DE: Wie steht die Gemeinde zum Vorhaben des Konzerns, sein Zentrum auf der grünen Wiese zu bauen?

Prömpers: Im Grunde ist die gespalten. Denn der Gemeinderat hat dem Vorhaben im Spetember grundsätzlich mit einer Mehrheit zugestimmt. Die Gemeinde erhofft sich davon mehr Steuereinnahmen bei circa 100 Arbeitsplätzen, von denen Amazon angeblich spricht. Aber es bedeutet natürlich auch viel mehr Schwerlastverkehr. Die Umgebung würde belastet. Von 200 bis 400 Ausfahrten pro Tag ist die Rede.

Es gab letzten Donnerstag eine lange Diskussion im Gemeinderat in der Fragestunde der Bürgermeisterin. 75 Minuten statt 15 wie geplant haben die Bürger die Bürgermeisterin Kerstin Mayer von den Sozialdemokraten mit Fragen gelöchert. Fortschritt oder gar Annäherung war nicht erkennbar.

DOMRADIO.DE: Wie ist denn bei den Bürgern die Stimmung? Wollen die Amazon da haben oder eher nicht?

Prömpers: Teils, teils. Es gibt bereits eine Bürgerinitiative dagegen, die lehnt das Projekt strikt ab. Sie sammelt über eine offene Plattform Unterstützer, Unterschriften. Heute morgen waren da 511 Unterschriften drauf, die das Projekt ablehnen. 255 unmittelbar aus der engeren Gemeinde, die anderen aus der unmittelbaren Umgebung. Die Gemeinde Sankt Valentin, um eine Vorstellung von der Größe zu haben, hat ungefähr 9.000 Einwohner, alte wie junge.

Natürlich sind die wenigen Grundstücksbesitzer, die verkaufen wollen, anderer Meinung und würden sich auch über die zusätzlichen Arbeitsplätze freuen. Aber sie übersehen möglicherweise, dass Amazon als Arbeitgeber nicht den besten Ruf hat.

DOMRADIO.DE: Könnte die Kirche das Projekt am Ende ausbremsen oder fehlt ihr dazu die Handhabe?

Prömpers: Das kommt jetzt darauf an, wie genau die 50.000 Quadratmeter am Schluss geschnitten sein werden und ob das Grundstück der Kirche zwingend dazu nötig ist. Denn das Grundstück soll sehr nah an der Autobahn liegen, damit der Schwerlastverkehr auch ohne große Probleme da reinfahren kann. Es kann sein, dass Amazon irgendwann verliert. Im Moment scheint das noch nicht so zu sein.

Aber man muss natürlich auch sagen, dass es schon in der Vorphase zu diesem Projekt eine ähnliche Geschichte gab, wo die Kirche zumindest in kleinem Umfang etwas verhindert hat. Die Diözese Eisenstadt hat im Jahr 2016 ein Grundstück nicht an die Republik Österreich verkauft. Dort sollte ein Zaun zu Ungarn gebaut werden, um die Asylbewerberzahlen zu drücken, um also niemanden reinzulassen. Der Bischof hat sich dadurch geweigert, diesen Zaun bauen zu lassen, indem er das Grundstück nicht verkauft hat. Man hat da also als Kirche und Grundstücksbesitzer eine Chance.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Katholische Kirche in Österreich

Mit knapp fünf Millionen Mitgliedern ist die Katholische Kirche die größte gesetzlich anerkannte Glaubensgemeinschaft in Österreich. Das seelsorgerische Netz umfasst mehr als 3.000 Pfarren und rund 8.000 Kirchen und Kapellen.
 

Die Flagge Österreichs / © Black Pearl Footage (shutterstock)
Die Flagge Österreichs / © Black Pearl Footage ( shutterstock )
Quelle:
DR