Frühere BDKJ-Chefin nun Direktorin der Gleichstellungs-Stiftung

"Kirche hat bei dem Thema großen Nachholbedarf"

Seit Anfang November ist die frühere Vorsitzende des Bundes der Katholischen Jugend, Lisi Maier, eine der beiden Direktoren der im April vom Bundestag beschlossenen Stiftung für Gleichstellung. Welche Aufgaben kommen dort auf sie zu?

Frauen fordern Gleichberechtigung / © nito (shutterstock)
Frauen fordern Gleichberechtigung / © nito ( shutterstock )

KNA: Sie bilden zusammen mit dem Gender-Mainstreaming- und Antidiskriminierungsexperten Arn Sauer das Direktorat der vom Bund eingerichteten Stiftung für Gleichstellung. Was ist deren Zweck?

Lisi Maier (Direktorin der Stiftung für Gleichstellung): Das ist ganz einfach: Die Stiftung soll laut Gesetz auf mehreren Ebenen die Gleichstellung von Frauen und Männern zusammen mit vielen Akteuren und Akteurinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft vorantreiben. Dazu verpflichtet nicht zuletzt das Grundgesetz den Staat. Mein Kollege und ich führen die Geschäfte der Stiftung und sind dabei dem Stiftungsrat unterstellt, der aus Bundestagsabgeordneten und dem zuständigen Bundesfamilienminister oder der Bundesfamilienministerin besteht.

KNA: Wie wollen Sie mehr Gleichstellung erreichen?

Maier: Die Stiftung hat mehrere Aufgaben: Zum einen soll sie mehr Wissen zum Thema Gleichstellung liefern sowie Daten und Fakten verfügbar machen. Sie soll natürlich auch die praktische Gleichstellungsarbeit stärken und Engagierte vernetzen. Die Stiftung soll weiter innovative Projekte anstoßen. Und es gibt noch einen ganz praktischen Punkt ...

KNA: Der wäre?

Maier: Derzeit sind wir nur übergangsweise in einem Gebäude einer Bundesbehörde außerhalb des Berliner Zentrums. Wir suchen also eine Immobilie, in der wir dann auch unser Team aufbauen können. Derzeit sind wir nur zu zweit. Perspektivisch sollen es aber 35 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden.

KNA: Soll die neue Immobilie auch Möglichkeiten der Begegnung bieten?

Maier: Ja, wir stellen uns ein offenes Haus vor, in dem sich Menschen treffen können, die die Gleichstellung vorantreiben wollen. Wir wollen Raum geben für Vorträge, Wissensaustausch, aber auch für Vernetzungen von Initiativen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und der Zivilgesellschaft.

KNA: Und Sie unterstützen dann diese Gruppen und formulieren entsprechende Forderungen für die Politik?

Maier: Wir wollen Ansprechpartnerin und Beraterin für sie sein. Die Stiftung soll auch zusätzlicher Motor sein, Wissen zu generieren und zusammenzubinden, auf das alle zugreifen können. Wir selbst sehen uns jedoch nicht als diejenigen, die Forderungen stellen oder weiterleiten, dieses Mandat hat die organisierte Zivilgesellschaft.

Die Stiftung wird ergänzend zu den bestehenden Strukturen einen Beitrag leisten, die Gleichstellung in Deutschland zu fördern und mithelfen zu erreichen, dass beispielsweise die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen kleiner wird oder mehr Frauen an die Spitze von Unternehmen, aber auch von Nichtregierungsorganisationen kommen.

KNA: Sie waren lange Jahre kirchlich engagiert, sind immer noch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Wie sehen Sie die Verbändelandschaft dort mit Blick auf die Gleichstellung?

Maier: Kirche allgemein hat einen hohen Nachholbedarf. Neben der Amtskirche werden auch viele katholische Verbände und Hilfswerke von mehr Männern als Frauen geleitet. Auch dort unterstützen wir gerne Akteurinnen und Akteure. Genauso wollen wir aber auch beispielsweise für Migrantinnen-Selbstorganisationen oder die Fachverbände für Menschen mit Behinderung da sein. Diese werden von Frauen organisiert, die wegen ihrer Herkunft oder Behinderung häufig eine doppelte Benachteiligung in unserer Gesellschaft erfahren.

Das Interview führte Birgit Wilke.

Lisi Maier (BDKJ)
Lisi Maier / ( BDKJ )
Quelle:
KNA
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