​Kauder warnt vor Antisemitismus und "Zuschauermentalität"

"Verrohung der Gesellschaft ist beängstigend"

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) warnt vor einer zunehmenden Verrohung und wachsender Judenfeindlichkeit in der Gesellschaft. "Die Entwicklung in unserem Land beunruhigt mich zutiefst", sagte Kauder im Interview der "Schwäbischen Zeitung".

Kauder fordert Maßnahmen gegen Antisemitismus / © Maja Hitij (dpa)
Kauder fordert Maßnahmen gegen Antisemitismus / © Maja Hitij ( dpa )

"Die Verrohung unserer Gesellschaft hat insgesamt ein Ausmaß angenommen, das beängstigend ist." Besonders schlimm sei die "Zuschauermentalität», so Kauder weiter: "Als der 15-jährige Passauer in der Unterführung erschlagen wurde, haben manche zugeschaut. Wir müssen wieder klare Grenzen setzen, auch der jungen Generation." Die Gewalt müsse auch im Netz gestoppt werden: "Wenn man bei Facebook anonym rumpöbeln kann, muss man sich nicht wundern, dass die Gesellschaft verroht."

Auch die immer länger werdende Reihe der "schändlichen antisemitischen Vorfälle" müsse mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gestoppt werden, forderte der Unionspolitiker: "Schon die Echo-Preisverleihung an diese Rapper war eine unfassbare Fehlentscheidung, die jede historische Sensibilität vermissen ließ."

"Man sollte den Echo abschaffen"

Angesichts eines wachsenden Antisemitismus hätte der Preis "nie an Künstler gehen dürfen, die mit dem Holocaust in ihren Texten spielen und offensichtlich auch völlig uneinsichtig sind", ergänzte Kauder: "Man sollte diesen Preis abschaffen. Denn wer ein antisemitisches Klima hinnimmt oder gar fördert, muss sich auch nicht wundern, wenn jüdische Schüler gemobbt werden, wenn jüdische Mitbürger auf unseren Straßen angegriffen werden."

Der Staat müsse alles tun, damit diese Entwicklung so nicht weitergeht, forderte der Politiker: "An den Schulen muss künftig jeder Übergriff konsequent gemeldet werden, damit man einen Überblick über die Dimension des Problems bekommt." Schüler, die andere wegen ihrer Religion mobben, «und zu den Opfern zählen auch Christen und Muslime», müssten mit den Mittel der Schulordnung diszipliniert werden.

Konsequente Ahndung

Darüber hinaus müsse der Staat auch konsequent gegen Angriffe gegen jüdische Bürger auf deutschen Straßen vorgehen, betonte Kauder: "Die Täter müssen hier die ganze Härte des Rechts spüren. Sie greifen nicht nur einen Menschen an, sie greifen auch einen Kern unserer Gesellschaft an, unserer gewachsenen Identität nach dem 2. Weltkrieg." Dabei sei es ihm gleich, ob es sich "um einen eingewanderten Antisemitismus handelt oder um einen, der hier entstanden ist".

Volker Kauder / © Stephanie Pilick (dpa)
Volker Kauder / © Stephanie Pilick ( dpa )
Quelle:
KNA