Katholischer Buchmarkt spürt Weltbild-Verkauf

Geschrumpfte Auflagen

Der Ausstieg der Kirche aus Weltbild macht den katholischen Verlage in Deutschland zu schaffen. Ein wichtiger Vertriebskanal sei weggebrochen, sagte der Geschäftsführer des Katholischen Medienverbandes, Konrad Höß zu Beginn der Frankfurter Buchmesse.

Frankfurter Buchmesse (KNA)
Frankfurter Buchmesse / ( KNA )

KNA: Herr Höß, der "deutsche Papst" Benedikt XVI. hatte gerade katholischen Verlagen Zugewinne beschert. Wie sieht es unter dem argentinischen Nachfolger Franziskus aus?

Konrad Höß (Geschäftsführer des Katholischen Medienverbandes): In der Anlaufphase, als Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde, hat das hierzulande den Buchverkauf ganz klar angekurbelt. Vor allem, was seine bis dahin erschienenen Publikationen anbelangte - und dann auch die ersten Bücher, die er als Papst Benedikt verfasste. Insgesamt war die Nachfrage sehr groß. Das hat sich jetzt ein bisschen geändert.

KNA: Aber Franziskus gilt als sehr populär. Taugt er trotzdem nicht so sehr als Zugpferd auf dem deutschen Büchermarkt?

Höß: Papst Franziskus ist ein sehr charismatischer Mann, der viele Hoffnungen weckt und insofern natürlich auf ein gewisses Interesse stößt. Das zeigt sich auch daran, dass die Bücher von ihm und über ihn gut nachgefragt werden. Es ist aber nicht so ein deutlicher Anstieg wie damals zu Beginn der Amtszeit von Benedikt.

KNA: Mit dem in die Insolvenz gegangenen Augsburger Konzern Weltbild hat sich ein wichtiger Player auf dem deutschen Medienmarkt zumindest vorerst verabschiedet. Was bedeutet der Abgang des früher von der Kirche getragenen Unternehmens für die katholischen Verlage?

Höß: Es ist schon so, dass katholische Verlage deutlich spüren, dass da ein Vertriebsweg wegbricht. Einige Verlage haben Bücher im Sortiment, die normalerweise in einer Auflage von circa 3.000 Stück produziert werden. Wenn Weltbild dann Interesse hatte, und Weltbild war ja auch trotz allem ein Unternehmen, das religiös motiviert war, dann konnten diese Bücher durchaus eine Auflage von bis zu 20.000 Exemplaren haben - die sich in diesen Größenordnungen auch absetzen ließen über Weltbild.

KNA: Geht es in diesem Zusammenhang allein um das Thema Vertrieb?

Höß: Weltbild war trotz der eher nicht-konfessionellen Ausrichtung doch schon eine wichtige Möglichkeit, christliche Publizistik in breitere Gesellschaftskreise hineinzutragen. Diese Möglichkeit gibt es in dieser Form jetzt nicht mehr.

KNA: Welche Alternativen stehen den Verlagen offen?

Höß: Manche nutzen verstärkt den Direktvertrieb, manche setzen auf den digitalen Wandel mit E-publishing und Vertrieb über die eigene Homepage. Dann versucht man natürlich, die eigenen Buchhandlungen oder Buchhandlungen, die noch im weitesten Sinne ein religiöses Sortiment haben, zu päppeln. Mittelfristig wird sich ein Ersatz finden. Aber trotzdem ist es einfach schwieriger, weil es aufwendiger ist, diese einzelnen Vertriebskanäle zu füttern, als wenn man einen Ansprechpartner hat, der Weltbild heißt.

KNA: Stichwort "digitaler Wandel" - wie gehen die katholischen Verlage damit um?

Höß: Das ist sehr unterschiedlich und kommt auf die Ausrichtung des Verlags an. Wenn es ein eher konservatives Haus ist, dann ist das traditionelle gedruckte Buch sehr deutlich noch das Mittel der Wahl.

Aber es gibt ja auch durchaus katholische Verlage, die jüngere Zielgruppen der Generation 30plus ansprechen. Da ist das E-book vielleicht noch nicht der Umsatzbringer, aber man ist sich dieser Publikationsform deutlich bewusst. Das gilt ebenso für die Tatsache, dass gerade kleinere Verlage hier nachrüsten müssen.

KNA: Drohen diese Verlage, den Anschluss zu verlieren?

Höß: Sie müssen zumindest aufpassen. Ein Blick in die USA zeigt, dass dieses Segment weiter wachsen wird. Auch wenn die Zahlen dort derzeit stagnieren, muss man ein gutes Auge darauf haben.

Das Interview führte Joachim Heinz

Quelle:
KNA