Katholischer Aufruf zur Teilnahme an Seenotretter-Demo

Eine Gegenbewegung der Solidarität

In Aachen hat sich ein breites Bündnis zusammengefunden, um am Samstag für die Seenotrettung von Flüchtlingen zu demonstrieren. Mit dabei ist auch die Katholische Hochschule in Aachen. Tim Ernst vom dortigen AStA berichtet über die Beweggründe.

Ein aus Seenot geretteter Migrant geht von Bord eines Schiffs vom spanischen Seerettungsdienst / © Marcos Moreno (dpa)
Ein aus Seenot geretteter Migrant geht von Bord eines Schiffs vom spanischen Seerettungsdienst / © Marcos Moreno ( dpa )

DOMRADIO.DE: Sie haben an die Studierenden und Lehrenden der Katholischen Hochschule appelliert, bei dieser Großdemonstration heute Nachmittag mitzumachen. Warum?

Tim Ernst (Allgemeiner Studierendenausschuss der Katholischen Hochschule Aachen): Das Thema Seenotrettung liegt uns als Studierendenvertretung schon relativ lange am Herzen. Wir haben auf unseren Veranstaltungen im letzten Jahr mehrfach für NGOs, die Seenotrettung betreiben, Spendengelder gesammelt. Und da war es für uns ganz klar, als wir auf die Veranstaltung gestoßen sind, alle Hochschulangehörigen dazu aufzurufen, heute an der Demonstration teilzunehmen.

DOMRADIO.DE: Sie selbst werden auch hingehen. Was wissen Sie darüber, wie diese Demonstration ablaufen wird?

Ernst: Das Ganze beginnt heute um 15 Uhr auf dem Marktplatz in Aachen mit einer Kundgebung und danach wird dann der Demonstrationszug durch die Innenstadt gehen. Das Ganze wird getragen von einem breiten Parteien- und Aktionsbündnis. Und das wird mit Sicherheit sehr spannend.

DOMRADIO.DE: Was genau sind die Forderungen, mit denen sie als Demonstranten an die Öffentlichkeit gehen wollen?

Ernst: Wir wollen eine ganz klare ethische Einstellung unsererseits zeigen, indem wir sagen, dass es unter keinen Umständen zu dulden ist, dass vor unseren Außengrenzen Menschen ertrinken und die Politik das fördert, indem sie die Arbeit der Seenotrettungsgesellschaften aktiv behindert. Gleichzeitig wollen wir uns auch solidarisch zeigen mit den sehr engagierten und tollen Menschen, die im Mittelmeer Seenotrettung betreiben. Wir wollen also ein Zeichen setzen und zeigen, dass es nicht sein kann, dass die Arbeit in den letzten Wochen immer wieder kriminalisiert und teils auch von Rechtspopulisten in den Dreck gezogen wird.

DOMRADIO.DE: Sie haben es gerade selbst gesagt: Sie wollen ein ganz klares Zeichen setzen. Warum ist das gerade heute so wichtig geworden?

Ernst: Ich denke, dass in den letzten Wochen, Monaten und sogar Jahren eine gewisse Verrohung in der Gesellschaft stattgefunden hat. Das kann man an der Sprache beobachten, aber auch an der fehlenden Solidarität. Und ich finde es extrem wichtig und beeindruckend, dass in ganz vielen Städten und nicht nur in Aachen eine Gegenbewegung stattfindet, wo Leute auf die Straße gehen und zeigen, dass es ihnen nicht egal, was dort passiert. Sie wollen aktiv werden und helfen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Quelle:
DR