Katholische Kirche kritisiert Stadtlogo ohne Domspitzen

“Was daran innovativ ist, weiß ich nicht”

Der Kölner Dom ist Weltkulturerbe und Wahrzeichen. Allerdings bald nicht mehr im Logo der Stadt. Altbacken, sperrig und emotionslos sei das bisherige Logo mit den Domspitzen, heißt es. Der Kölner Domdechant sieht das ganz anders.

Spitzen des Kölner Doms / © high fliers (shutterstock)
Spitzen des Kölner Doms / © high fliers ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Sperrig, emotionslos - sind das Attribute, die Sie mit dem Kölner Dom verbinden?

 (Stadt Köln)

Msgr. Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant): Nein, natürlich nicht. Damit war sicherlich auch das gesamte bisherige Stadtlogo gemeint, das zwei stilisierte Domspitzen mit dem Schriftzug "Stadt Köln" auf rotem Grund zeigt.

Msgr. Robert Kleine / © Nicolas Ottersbach (DR)
Msgr. Robert Kleine / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Beim neuen Logo fällt dieser rote Grund weg und so fällt auch der Dom weg. Da steht nur noch Stadt Köln. Nun allerdings in roter statt weißer Schrift. Was daran innovativ ist, weiß ich nicht so genau. Sogar das Wappen, der Reichsadler ist modernisiert worden und zusammengeschrumpft. Innovation sieht in meinen Augen anders aus.

Das bisherige Logo hat Köln von anderen Städten unterschieden. Viele Stadtlogos bestehen nur aus dem Wappen und einem Schriftzug. Köln hat aber doch den Dom! Jeder verbindet den Dom mit Köln und das war schon etwas Besonderes am Logo. Die Stadt ist da wohl anderer Meinung.

Es gibt zum neuen Logo auch einen neuen Spruch, ein Leitmotiv: "Köln: gemeinsam Zukunft gestalten". Das Motto kann es genauso in jeder anderen Stadt oder auch bei Projekten wie dem Pastoralen Zukunftsweg im Erzbistum geben. Das neue Logo und der Spruch sind beliebig. Dabei stand es uns in Köln gut, zu zeigen: Wir sind die, die den Dom haben.

Msgr. Robert Kleine, Kölner Stadt- und Domdechant

"Das neue Logo und der Spruch sind beliebig. Dabei stand es uns in Köln gut, zu zeigen: Wir sind die, die den Dom haben."

DOMRADIO.DE: Wird mit dem neuen Logo ohne Dom ein Stück Einzigartigkeit genommen? Gibt die Stadt Köln etwas von ihrer Eigenheit auf?

Kleine: Ja. Ich weiß nicht, wer die Stadt beraten hat, aber ich würde neben dem Namen darauf schauen, welche Besonderheiten man noch zu bieten hat. Es gibt viele Kirchen und Kathedralen mit zwei Türmen, aber die zwei Spitzen im alten Logo waren sehr dezent und trotzdem wusste jeder: "Ah, das ist Köln. Das ist der Kölner Dom."

Wir hatten eine ähnliche Debatte vor einigen Jahren, als die Köln Messe den Dom aus ihrem Logo entfernt hat. Ich frage mich, ob es so gut ist, den Dom verschwinden zu lassen. Immerhin wird der Dom auch die nächsten zehn Stadt-Logos überstehen. Da bin ich zuversichtlich. Das bisherige Logo wurde jetzt rund 20 Jahre alt. Es werden auch in Zukunft neue Logos und wunderbare Leitmotive und Sprüche kommen, aber der Dom wird bleiben.

Säkularisierung

In früheren Jahrhunderten war die Weltanschauung der Menschen stark an die Religion und die Kirche gebunden. Deren Gebote und Verbote schrieben vor, wie die Menschen zu leben hatten. Erst als die geistige Bewegung der Aufklärung Ende des 17. Jahrhunderts in Europa entstand, setzte eine "Verweltlichung", eine Abwendung von Religion und Kirche ein. Das aus dem Lateinischen kommende Wort "Säkularisierung" beschreibt diesen Prozess und steht heute allgemein dafür, dass breite Bevölkerungsgruppen in der westlichen Welt keinen engen Bezug mehr zu Kirche und Religion haben.

Atheismus / © Wolphgang (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Ist die Entfernung des Doms ein Zeichen für die Säkularisierung? Soll die Kirche mehr aus der Stadtgesellschaft verschwinden?

Kleine: Das glaube ich nicht. So schätze ich unsere Stadtspitze nicht ein. Ich glaube, man will einem Trend folgen und mit der Zeit gehen. Alles wird irgendwie versachlicht und in dem Zug ist der Dom rausgeflogen. Andere Städte nehmen ihre Sehenswürdigkeiten schon wieder in ihre Logos rein und sind stolz, dass sie etwas was haben, mit dem man Werbung machen kann.

Natürlich besteht Köln nicht nur aus dem Dom, aus gotischen oder romanischen Kirchen. Köln besteht aus seinen Vierteln und seiner Kulturszene. Das steht für mich aber alles hinter dem Dom. Denn der Dom steht für Köln. Das wird in so vielen Lieder besungen, nicht nur im Karneval.

Der Kölner Dom steht für alle offen und ist nicht nur Zeichen einer Religion. Als Haus Gottes ist er ein Zeichen gebaut für die Stadt; für das Gefühl, das hier herrscht; und für alle Menschen, die hier leben und die hierherkommen. Menschen aus allen Ländern und Kontinenten sind in den Dom eingeladen. Es kommen nicht alle wegen des Doms, aber doch die meisten.

DOMRADIO.DE: Dann kann man doch sagen, dass der Dom eigentlich das Logo unserer Stadt ist, oder?

Kleine: Ja, dafür braucht es keinen Briefbogen der Stadtverwaltung, man sieht den Dom, dieses Stadtlogo, von weitem. Und wer den Kölner Dom aus der Ferne sieht, freut sich. Das ist, wenn man Post von der Stadt bekommt, nicht immer so. Man sieht schon am Umschlag, von wem der Brief kommt. Dafür brauche ich nicht auf das Logo zu schauen. Wir werden den Dom weiterhin sehen, in Publikationen, auf Plakaten, aber vor allem im Original.

Und das Original feiert in diesem Jahr 700 Jahre gotischer Hochchor, der erste Teil des Kölner Doms. Also der Dom prägt seit 700 Jahren unsere Stadt und seit fast 150 Jahren auch seine zwei fertigen Türme.

Das Interview führte Gerald Mayer.

Quelle:
DR