Studie aus Münster zu Religiosität und Verschwörungstheorien

"Katholiken glauben kaum an böse Mächte"

Gibt es einen Zusammenhang zwischen individueller Religiosität und dem Glauben an Verschwörungsmythen? Carolin Hillenbrand, Politikwissenschaftlerin an der Uni Münster, ist dieser Frage nachgegangen.

Der "Aluhut" als Symbol für Verschwörungsglaube / © Suzanne Tucker (shutterstock)
Der "Aluhut" als Symbol für Verschwörungsglaube / © Suzanne Tucker ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Bin ich als gläubiger Katholik anfälliger für Verschwörungsmythen als nichtgläubige Menschen?

Carolin Hillenbrand (Politikwissenschaftlerin und Theologin): Das kann man so nicht sagen. Sogar eher umgekehrt. Wir haben uns bei unserer Studie die verschiedenen Religionsgruppen angeschaut und bei den rund 900 Katholiken, die daran teilgenommen haben, sind sogar weniger empfänglich für Verschwörungstheorien.

Wir hatten auch die Frage, ob man hinter der Pandemie böse, verborgene Mächte sieht. Und da haben die Katholiken unterdurchschnittlich zugestimmt.

DOMRADIO.DE: Die Protestanten sind anfälliger?

Hillenbrand: Nein, auch da nicht. Also es gab auch als Kategorie die Landeskirchen, also die Mainstream-Protestanten sozusagen. Und bei ihnen war der Effekt genauso herum wie bei den Katholiken. Auch da scheint ein Glaube an Gott sozusagen zu schützen vor einem Glaube an irgendetwas anderes oder an böse Mächte oder eine Verschwörung.

DOMRADIO.DE: Aber in Ihrer Studie sind Menschen, die einer Freikirche angehören, anfälliger für Verschwörungsmythen. Warum?

Hillenbrand: Oh, also da zeigen sich zumindest Zusammenhänge mit denjenigen, die wir befragt haben, das waren knapp 200. Man muss aber dazu sagen, dass das auch hier nochmal ein sehr diverses Spektrum ist und dass es sehr polarisiert ist. Also dass es eine Gruppe gibt, die ein sehr exklusives Glaubensverständnis hat.

Das heißt, dass sie ihre Religion als die einzig akzeptable ansehen oder auch wenn sich Religion und Wissenschaft widersprechen, die Religion über die Wissenschaft stellen. Und genau bei diesem Religiösitäts-Typus findet sich eine höhere Zustimmung zu den Verschwörungstheorien.

DOMRADIO.DE: Welche Muster könnten Sie generell in Ihrer Studie erkennen?

Hillenbrand: Interessant ist, dass es einen Unterschied gibt, wie man seinen Glauben praktiziert. Und zwar, dass sich bei so einer privaten Frömmigkeit oder im intensiven privaten Gebet auch eher eine höhere Tendenz zu dieser Verschwörungs-Mentalität zeigt.

Wer dagegen in Gemeinden eingebunden ist, zum Gottesdienst geht und sich offen mit anderen Menschen austauscht, ist weniger anfällig.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

Carolin Hillenbrand / © Jannis Butterhof (privat)
Carolin Hillenbrand / © Jannis Butterhof ( privat )
Quelle:
DR