Kardinal Woelki leistet Treueeid auf Verfassung

Vor Gott und auf die Heiligen Evangelien

Der künftige Erzbischof von Köln, Kardinal Woelki, hat in der Staatskanzlei in Düsseldorf seinen Treueeid gegenüber dem Staat geleistet. Gegenüber Ministerpräsidentin Kraft sprach er an, was ihm unter den Nägeln brennt.

Kardinal Woelki und Hannelore Kraft (dpa)
Kardinal Woelki und Hannelore Kraft / ( dpa )

Woelki wurde damit als neuer Bischof auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung vereidigt. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sagte: "Der Treueeid bekräftigt das gute Miteinander von Kirche und Staat, wie wir es heute haben", und betonte: "Der Staat könnte die Aufgaben und Herausforderungen, vor denen wir heute stehen – in der Bildung, in der Wohlfahrt, der Kultur, um nur einige der wichtigsten Bereiche zu nennen – gar nicht alleine meistern. Er ist angewiesen auf die Mitwirkung der Kirchen, der anderen Religionsgemeinschaften und der zivilgesellschaftlichen Gruppen.”

In seiner Ansprache bat Woelki die Politiker, sich insbesondere für syrische Flüchtlinge einzusetzen, damit sie schnell und unbürokratisch zu ihren Familien nach Deutschland gelangen können. "Humanität muss Vorrang haben, denn Zuflucht ist ein Menschenrecht", so der Kardinal. Zwischen Staat und Kirche gebe es "trotz unserer sehr unterschiedlichen Legitimation eine gemeinsame Verantwortung für die uns anvertrauten Menschen". Das Verhältnis der Kirchen zum Staat sei in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz "geprägt von einer hohen wechselseitigen Wertschätzung und von Respekt für die jeweiligen Tätigkeitsfelder." Dies zeigten auch die laufenden Gespräche zwischen Land und Kirchen, um die Bekenntnisgrundschulen weiter zu entwickeln und zugleich den veränderten demographischen und soziologischen Gegebenheiten gerecht zu werden. Verbesserungsbedarf sieht Woelki beim Religionsunterricht vor allem an Förderschulen. Ein enges Zusammenwirken mit dem Sozialstaat wünscht sich Woelki bei der Caritas. "Weil wir viele menschliche Nöte sehr unmittelbar mitbekommen, fühlen wir uns gedrängt und legitimiert, neben dem wichtigen Zuspruch für jeden Einzelnen auch den nötigen Einspruch und Anspruch an Politik und Gesellschaft zu formulieren."

Enge Berührungspunkte zwischen Kirche und Staat

Da sich das Diözesangebiet des Erzbistums Köln auf Teile des Landes Nordrhein-Westfalen und des Landes Rheinland-Pfalz erstreckt, haben Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die Chefin der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, Jacqueline Kraege, Kardinal Woelki gemeinsam den Eid abgenommen. "Die gemeinsame Feier zur Vereidigung des neuen Kölner Erzbischofs ist ein Zeichen des guten und partnerschaftlichen Verhältnisses zwischen den Ländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und der Kirche,” so Staatssekretärin Jacqueline Kraege. "Daran wollen wir auch in Zukunft festhalten."

Das Erzbistum Köln ist mit knapp 2,1 Mio. Katholiken das mitgliederstärkste Bistum unter den deutschen Diözesen. Gemäß dem für die Bundesrepu-blik fortgeltenden Staatskirchenvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich ist es erforderlich, dass ein neuer Bischof vor der Besitzergreifung von seiner Diözese im zuständigen Bundesland einen Treueid leistet (Art. 16).

"In vielen Bereichen haben Kirche und Staat enge Berührungspunkte, etwa bei der sozialen Fürsorge oder im Bildungsbereich. Ich freue mich deshalb auf viele weitere Begegnungen und Gespräche mit dem neuen Erzbischof von Köln und auf eine gute Zusammenarbeit," sagte Ministerpräsidentin Kraft.

 

Kardinal Rainer Maria Woelki (dpa)
Kardinal Rainer Maria Woelki / ( dpa )
Kardinal Rainer Maria Woelki und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (dpa)
Kardinal Rainer Maria Woelki und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft / ( dpa )
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