In seiner Predigt erklärte Erzbischof Rainer Maria Woelki im Pontifikalamt am Fest "Erscheinung des Herrn" im Kölner Dom, dass Epiphanie ist das Fest des Lichtes sei. Jesus Christus sei das wahre Licht, das in die Welt gekommen ist, um allen Menschen Hoffnung zu schenken. Dieses Licht ist nicht nur für wenige bestimmt, sondern für alle – unabhängig von Herkunft, Kultur oder Alter.
Im Mittelpunkt steht der Weg der Weisen aus dem Morgenland. Der Weg der Weisen ist mehr als eine historische Reise: Er steht stellvertretend für den lebenslangen Pilgerweg der ganzen Menschheit zu Gott. Wie die Sterndeuter sind Christen und Christinnen auch heute als „Pilger der Hoffnung“ – in Anlehnung an das Motto des Heiliges Jahres – getragen von der Hoffnung auf die Begegnung mit dem lebendigen Gott.
Gott im Unscheinbaren
Die Sterndeuter machen sich auf den Weg, obwohl sie nicht wissen, was sie erwartet. Auch im eigenen Leben bedeute der Glaube, sich auf einen Weg einzulassen, sagte Woelki, ohne alles kontrollieren zu können. Hoffnung sei dabei kein „naiver Optimismus, nicht bloß Wunschdenken“, sondern die Kraft, trotz Unsicherheit, Enttäuschungen und Dunkelheit weiterzugehen.
In Bethlehem finden die Weisen keinen mächtigen König, sondern ein armes Kind. Sie finden „keinen Palast, keinen kleinen Prinzen“. Ihre Erwartungen werden enttäuscht, aber ihre Hoffnung erfüllt sich: Sie erkennen Gott im Unscheinbaren. Diese „Begegnung mit Jesus“ verändert sie – sie kehren „auf einem anderen Weg“ zurück.
Zeugen von Gottes Licht
Woelki ermutigte zum Abschluss seiner Predigt auch nach dem Ende des Heiligen Jahres den Weg weiterzugehen: wach zu bleiben, aufzubrechen, Hoffnung weiterzugeben und Zeugen von Gottes Licht und Liebe im Alltag zu sein.
DOMRADIO.DE hat am Hochfest der Erscheinung des Herrn das Pontifikalamt im Kölner Dom mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki übertragen. Der Kölner Domchor sang unter der Leitung von Alexander Niehues und Simon Schuttemeier. An der Domorgel war Winfried Bönig. Der Chor sang unter anderem die Missa Trium Regum von Friedrich Koenen.
Der 6. Januar ist für das Erzbistum Köln und den Kölner Dom ein besonderes Hochfest, da im Dom die Reliquien der Heiligen Drei Könige liegen und seit Jahrhunderten verehrt werden. Durch eine besondere Öffnung kann man an diesem Tag einen knappen Blick in das Innere des Schreins werfen, normalerweise ist die Abdeckung verschlossen.
Traditionell nehmen viele Sternsingerinnen und Sternsinger an dem Gottesdienst teil.
Im Evangelium zum Hochfest wird die Suche der Sterndeuter nach dem Kind im Stall beschrieben, außerdem wie Herodes versucht, den angekündigten König der Juden zu töten.
Evangelium am Hochfest Erscheinung des Herrn
Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden solle. Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa; denn so steht es geschrieben bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige! Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land. (Mt 2,1-12)
Impuls zum Evangelium
Die Sterndeuter sind im griechischen Text bei Matthäus »magoi« – Magier. Magier verbinden wir heute mit Menschen, die spektakuläre Shows insze-nieren, in denen magische Tricks vorgeführt werden. Im ursprünglichen Sinn sind Magier Weise, Priester, Schamanen. Im Letzten also Menschen, die um die Geheimnisse des Lebens wissen.
Die Sterndeuter, von denen Matthäus weder eine Zahl angibt noch ihre Namen nennt, erkennen in dem geheimnisvollen Stern, der ihnen leuchtet, die Geburt eines Königs. Eines Königs, der auch für sie als Nicht-Juden Bedeutung hat. Jesu Bedeutung für die ganze Welt wird auch in der Geschichte deutlich, als aus den zahlenlosen Magiern drei Könige werden. Die Drei symbolisiert die damals bekannten Kontinente der Erde (Afrika, Asien, Europa). Jesus ist der König der ganzen Erde und des Himmels.
Im Niederlegen ihrer Gaben Weihrauch, Myrrhe und Gold erkennen die Sterndeuter Jesus als diesen König an. Das Anerkennen einer größeren Macht, vor der jeder sein Handeln verantworten muss, kann die Botschaft des heutigen Tages sein. Sie ist der Auftrag, königlich zu handeln, jedem Menschen mit Würde und Respekt zu begegnen, mit Achtung und Wertschätzung. Und sie ist die Einladung, in der Spur Jesu zu gehen, in der Spur von Erbarmen, Menschlichkeit und Frieden.
Zacharias Heyes OSB. Aus: TeDeum – Das Stundengebet im Alltag