Kardinal vergleicht Pontifikate-Start von Leo und Johannes Paul II.

Grundlagen des Glaubens in Gefahr?

Der ehemalige Chef der italienischen Bischofskonferenz erkennt Ähnlichkeiten zwischen dem Pontifikatsbeginn von Leo XIV. und dem von Johannes Paul II. Mit Papst Leo erlebt der 94 Jahre alte Camillo Ruini bereits seinen neunten Papst.

Generalaudienz im Papst Leo XIV. / © Gregorio Borgia (dpa)
Generalaudienz im Papst Leo XIV. / © Gregorio Borgia ( dpa )

"Beide Päpste mussten sich mit Spannungen und Gegensätzen auseinandersetzen, die die Einheit der Kirche bedrohten", sagte der ehemalige Präsident der Italienischen Bischofskonferenz (CEI) am Samstag im Interview mit der italienischen Tageszeitung "Il Giornale". 

Kardinal Camillo Ruini spricht am 9. Februrar 2015 in Rom. / © Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Camillo Ruini spricht am 9. Februrar 2015 in Rom. / © Romano Siciliani ( KNA )

Ruini sieht die Evangelisierung aktuell als dringlichste und wichtigste Frage an. "In unserer Welt sind die Grundlagen des Glaubens selbst in Gefahr, angefangen bei der Existenz Gottes und der Göttlichkeit Jesu Christi, unseres einzigen Erlösers", sagte er.

Den italienischen Bischöfen empfahl er, zu den "großen Fragen der öffentlichen Ethik", wie etwa zur Sterbehilfe, Stellung zu beziehen. Das werde zwar auf viel Kritik stoßen, doch es sei besser, kritisiert zu werden, als irrelevant zu sein.

Meloni habe Mut und Weitsicht

Ruini bescheinigte Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, sie habe "Mut und Weitsicht bewiesen", indem sie auf die "italienische Ausnahme" Bezug genommen habe. Der Begriff "italienische Ausnahme" bezeichne Italien als Vorzeigeland, das in der Lage sei, die katholische Kultur angesichts der fortschreitenden Säkularisierung zu bewahren.

Giorgia Meloni (m.) / © Roberto Monaldo (dpa)
Giorgia Meloni (m.) / © Roberto Monaldo ( dpa )

Diese "italienische Ausnahme" hat laut dem emeritierten Kardinalvikar den Päpsten Johannes Paul II. und auch Benedikt XVI. sehr am Herzen gelegen. "Leider ist es heute nicht möglich, sie vollständig zu bewahren", sagte Ruini. Der Druck, die italienische Gesetzgebung an die in Europa vorherrschenden Vorschriften zur öffentlichen Ethik anzupassen, sei zu stark.

Lange und kurze Pontifikate

Von den mittlerweile 266 Nachfolgern des Apostels Petrus war Papst Pius IX. 1871 der erste, der ein Silbernes Amtsjubiläum feiern konnte. Mit seiner mehr als 31-jährigen Amtszeit (1846-1878) nimmt er eine Sonderstellung ein.

An zweiter Stelle auf der Rangliste der am längsten regierenden Kirchenoberhäupter steht Johannes Paul II. (1978-2005), der 26 Jahre, 5 Monate und 16 Tage regierte. An dritter Stelle folgt Papst Leo XIII., dessen mehr als 25-jährige Amtszeit von 1878 bis 1903 dauerte.

Ein Pileolus und rote Schuhe für den Papst liegen im Schaufenster des Geschäfts von Schneider Gammarelli in Rom. / © Paul Haring (KNA)
Ein Pileolus und rote Schuhe für den Papst liegen im Schaufenster des Geschäfts von Schneider Gammarelli in Rom. / © Paul Haring ( KNA )
Quelle:
KNA