Kardinal Meisner als Papst-Vertreter in Litauen bei den Jubiläumsfeierlichkeiten

400 Jahre Marienerscheinungen

Während Papst Benedikt XVI. an den Jubiläumsfeierlichkeiten in Lourdes teilnimmt, zelebrierte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner am Sonntag als persönlicher Vertreter des Papstes eine Messe zur 400-Jahr-Feier des litauischen Marienwallfahrtsortes Siluva. Das im Zentrum Litauens gelegene 800-Einwohner-Dorf Siluva erwartet mehr als eine Million Pilger im Jubiläumsjahr.

 (DR)

domradio hat mit Kardinal Meisner in Litauen gesprochen. Das Volk Gottes in Litauen habe schon die ganze Woche in Siluva am Wallfahrtsort das Jubiläum gefeiert: Jugendliche, Erwachsenen, Kinder, Männer und Frauen, berichtet der Kardinal. Am Sonntagnachmittag sei dann die große Schlussfeier gewesen. "Man sagt, es waren fünfzigtausend Menschen anwesend, was für diese Verhältnisse hier sehr viel ist", so der Kardinal aus Siluva.

Vor 400 Jahren sei die Mutter Gottes ja weinend gerade zu Kindern erschienen und zwar an der Stelle, wo etwa 70 Jahre vorher ein Schrein aus Blech oder Bronze mit einem Marienbild vergraben wurde, nachdem dieses Gebiet protestantisch geworden sei. „Dort ist die Mutter Gottes erschienen und die Menschen haben sich bekehrt".

Ein blinder Bettler, der das Vergraben noch erlebt hat, habe dann gezeigt, wo die Mutter Gottes, das Bild, lag und man habe Sie dann ausgegraben, beschreibt der Kardinal die Geschichte des Ortes. Siluva habe für Litauen eine ganz besondere Bedeutung. „Seit der Zeit, seit 400 Jahren, ist das so ein wirklicher Inspirationspunkt geworden für ganz Litauen. Und sie müssen immer bedenken, dieses Land ist ja 700 Jahre lang bedrängt worden von östlichen, nördlichen, westlichen und südlichen Nachbarn und sie haben ihre Identität als Volk bewahrt an dieser heiligen Stätte.", erinnert Erzbischof Kardinal Meisner.

Die Situation der katholischen Kirche in Litauen macht dem Kardinal Hoffnung. Rein statistisch, bei einer Befragung, hätten sich 85 Prozent der Litauer zur katholischen Kirche bekannt, so Kardinal Meisner. „Die religiöse Praxis ist natürlich nicht, dass 85 Prozent der Gläubigen sonntags zum Gottesdienst kommen. Sie müssen immer daran denken, dass nach dem Kommunistischen Regime, das mit Verbannung und mit Inhaftierung gearbeitet hat, dass sich das jetzt langsam aber sicher erholt. Ich war ganz beeindruckt von den vielen Kindern und Familien, die heute bei dem Gottesdienst dabei waren."

„Es war gestern und vorgestern sehr kalt und bedeckt. Und heute ist strahlender Sonnenschein und es liegt eine solche heitere Stimmung über dem ganzen Land", beschreibt der Kardinal die Atmosphäre in Siluva. Das Dorf sei zwar nur 800 Einwohner groß, aber es gehöre zu einem Gemeindeverband. „Da sind wir feierlich begrüßt worden und zwar wie sich das gehört, der Erzbischof ist ja als Vertreter des Papstes da gewesen. Es wurde natürlich die Papsthymne gespielt, dann die litauische Nationalhymne, dann haben Kinder sehr rührend ein kleines Begrüßungsprogramm gemacht", so der Kardinal begeistert.  Im Anschluss sei dann die ganze Delegation mit über zwanzig Bischöfen und dem polnischen Primas nach Siluva gefahren. Es gab keine Hektik, freute sich Kardinal Meisner, es ging alles in Ruhe und Gelassenheit. „Ein großes Familienfest der katholischen Kirche". Und besonders freute ihn, dass es keine Protestgruppen gab, die die Freude trübten.

Die Amtswürde und die päpstlichen Verpflichtungen spürt Kardinal Meisner in Siluva kaum. „Die Gläubigen und die vielen Jugendlichen und Kinder holen einen immer auf die gleiche Ebene herunter". Die Ehrfurcht, mit der sie ihm begegneten, das rufe ihm immer in Erinnerung: „Mach ´ne gute Figur, denk, du hast den heiligen Vater hier zu vertreten."

„Ich denke schon, dass es für beide Teile eine sehr sehr gesegnete Begegnung war.", so das Fazit des Kardinals. „Die vielen Bischöfe, sehr viel Priester und auch der Präsident, der Premierminister und ich denke zwei Drittel der Regierung, die Minister waren präsent. Das war schon heute auch eine Darstellung der politischen Dimension dieses Landes innerhalb der großen Wallfahrt der katholischen Kirche."