Der Münchner Kardinal Reinhard Marx warnt davor, Heimat als abgeschlossen und unveränderlich zu sehen. "Alles soll so bleiben, wie es ist, und niemand Neues soll dazukommen? Das ist nicht Heimat, von der die Bibel spricht, sondern eine Ideologie, die sich um sich selbst dreht und die Herausforderungen der Wirklichkeit nicht wahrnehmen will", sagte der Erzbischof von München und Freising laut seiner Pressestelle am Dienstag im oberbayerischen Erdweg.
"Heimat ist ein Ort der Geborgenheit, der Überschaubarkeit und gemeinsamen Traditionen, aber kein abgeschlossener Ort, der nicht die Kraft hat, auch anderen eine Heimat zu sein und sie willkommen zu heißen."
Marx ergänzte, die Sehnsucht nach der Heimat sei zwar wichtig. Sie solle aber nicht zum Stehenbleiben und zum Stillstand führen. "Die Heimat ist immer auch ein Ort, an dem ich Ausschau halte nach den Möglichkeiten des Lebens."
"Jeder Tag ein Schritt auf den Tod zu"
Der Kardinal führte aus, die Bibel sei eine Geschichte des Unterwegs-Seins und der Suche nach einer neuen Heimat. "Beides gehört zusammen. Wir sind Menschen, die nicht stehen bleiben können. Jeder Tag ist ein Schritt auf den Tod zu. Wir können nicht zurück, wir können nur nach vorn gehen, auf Christus zu."
Alle Menschen suchten dabei einen Ort, an dem sie anhalten und Geborgenheit finden könnten. "Ohne Liebe werden wir auf dem Weg unseres Lebens verhungern und verdursten."
Die Aufgabe der Kirche ist es Marx zufolge, die Heimat aus dem Geist des Evangeliums heraus zu gestalten. "Die Kirche soll ein Ort sein, wo über die Zukunft des Lebens nachgedacht wird. An dem wir nicht stehenbleiben und einfach alles nur bewahren wollen, sondern wo wir eine Heimat schaffen, die andere nicht ausschließt - eine offene Gemeinschaft, die unterwegs und daheim zugleich ist." Das sei das Geheimnis, das die Kirche den Menschen geben solle.
Diese Worte sagte der Erzbischof von München und Freising in seiner Predigt bei einem Festgottesdienst am Dienstagvormittag, 6. Januar 2026, auf dem Petersberg in Erdweg zur Verabschiedung des Geistlichen Direktors der Katholischen Landvolkshochschule Petersberg, Pfarrer Josef Mayer.