Kardinal Marx fordert KI-Regeln zum Schutz von Qualitätsjournalismus

Rahmenbedingungen und Schutz

Die großen Social-Media-Plattformen sind die Meinungsmacher unserer Zeit. Informationen, ob wahr oder falsch, werden dort rasant geteilt, die KI beschleunigt das noch. Medienbischof Reinhard Kardinal Marx mahnt deshalb klare Regeln an.

Reinhard Kardinal Marx / © Daniel Karmann (dpa)
Reinhard Kardinal Marx / © Daniel Karmann ( dpa )

Presse- und Medienarbeit muss aus Sicht des Münchner Kardinals Reinhard Marx besser vor dem Einfluss digitaler Plattformen und Künstlicher Intelligenz (KI) geschützt werden. 

"Technologische Entwicklungen kann und soll man vielleicht nicht aufhalten, aber sie brauchen Regeln und verantwortliche Gestaltung und Menschen müssen zu einem souveränen Umgang mit ihnen befähigt werden", erklärte der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch.

Symbolbild Journalistin mit Mikrofon / © Adam Radosavljevic (shutterstock)
Symbolbild Journalistin mit Mikrofon / © Adam Radosavljevic ( shutterstock )

Entscheidend sei deshalb, diese Technologien im Zusammenspiel mit anderen Faktoren zu betrachten, "der Förderung von Medienkompetenz und gesellschaftlicher Teilhabe, der Stärkung eines unabhängigen Medienangebots sowie dem Schutz von Meinungsvielfalt". Marx äußerte sich zum Welttag der Pressefreiheit am Sonntag (3. Mai).

Machtkonzentration als Gefahr für die Meinungsvielfalt

Der Medienbischof weist darauf hin, dass sich ein Großteil der digitalen Informationskanäle und Plattformen in den Händen weniger globaler Unternehmen befindet. Diese Machtkonzentration sei eine Gefahr für die Meinungsvielfalt. "Hier sind die einzigen 'Währungen' Aufmerksamkeit und finanzieller Erfolg."

Hinzu kämen gezielte Anfeindungen gegen Journalistinnen und Journalisten auf den Plattformen, durch die sie eingeschüchtert und ihre Arbeit diskreditiert werden soll. "Umso wichtiger sind klare rechtliche Rahmenbedingungen, die Medienschaffende und ihre Quellen schützen sowie illegale Überwachung unterbinden", betonte der Kardinal. Die Betreiber der Plattformen stünden in der Pflicht, wirksam gegen Desinformation und Hassrede vorzugehen.

KI erhöht Druck auf Medienschaffende

Ein weiteres Problem sieht Marx in der rasanten Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz. "Inhalte können mithilfe von KI in bislang ungekanntem Tempo erzeugt und verbreitet werden – auch für politisch motivierte Desinformationskampagnen. 

Die Dynamik und die Masse von Informationen lassen einem gründlich arbeitenden Qualitätsjournalismus kaum Zeit, kursierende Inhalte zu prüfen und einzuordnen, und erschweren das Unterscheiden von verlässlichen und manipulierten Inhalten", mahnte der Kardinal.

Zudem wachse durch KI der wirtschaftliche Druck auf Medienhäuser, mit einer gesamtgesellschaftlichen Auswirkung. "Besonders kleinere und unabhängige Medien geraten in eine schwierige Lage, was langfristig zu einem Verlust an Perspektiven und Vielfalt führen kann."

Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Sie leiten als Ortsbischöfe eines der 27 Bistümer oder unterstützen als Weihbischöfe. Insgesamt gehören ihr derzeit (Oktober 2025) 61 Mitglieder an.

Ebenfalls zur Konferenz gehören - auch wenn sie nicht Bischöfe sind - Diözesanadministratoren, die ein Bistum nach Rücktritt oder Tod eines Ortsbischofs übergangsweise verwalten.

Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA