Kalender mit Gedichten und nachdenklichen Texten

"Der Andere Advent" für besinnliche Momente

Die Adventszeit - Zeit der Besinnlichkeit. Stattdessen hetzen die Menschen über Weihnachtsmärkte und haben den Kopf voll mit Weihnachtsvorbereitungen. "Der Andere Advent" will uns täglich ein wenig zur Besinnung rufen.

Keine Adventszeit ohne Kranz / © Floydine (shutterstock)
Keine Adventszeit ohne Kranz / © Floydine ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Der Kalender "Der Andere Advent" lädt ja täglich bis zum 6. Januar dazu ein, dem Sinn des Advents nachzuspüren. Warum ist das wichtig?

Frank Hofmann (Chefredakteur von "Andere Zeiten e.V. – Initiativen zum Kirchenjahr"): Wir sind in der Adventszeit oft damit beschäftigt, Vorbereitungen zu treffen, damit wir eine schöne, gemütliche und besinnliche Zeit haben. Paradoxerweise kommen wir vor lauter Vorbereitungen gar nicht dazu, diese Zeit wirklich zu genießen. Wir wollen mit diesem Kalender die Möglichkeit geben, täglich für fünf bis zehn Minuten einmal zu sich zu kommen, zu meditieren und zu reflektieren. Wir wollen alle Emotionen, zu denen der Mensch fähig ist, ansprechen.

DOMRADIO.DE: Sie arbeiten ja mit einer ganzen Redaktion schon seit Monaten daran, diesen besonderen Kalender zu füllen. Es finden sich wunderschöne Texte und Gedichte darin von Autoren wie Dietrich Bonhoeffer oder Herbert Herbert Grönemeyer. Was für Texte sind das?

Hofmann: Die Texte müssen relativ kurz sein. Sie sollen dennoch in die Tiefe gehen. Da gibt es viele Möglichkeiten wie zum Beispiel Gedichte oder epische Texte. In einem Text denkt Herbert Grönemeyer über Freunde nach, die ihm im Leben geholfen haben. Das ist uns immer wichtig, dass man auf relativ kurzem Raum – wir wollen ja nicht noch mehr Zeitnot schaffen – eine besondere Seite in der menschlichen Seele anspricht.

DOMRADIO.DE: Sie hören auch immer wieder, dass Menschen an ganz verschiedenen Orten diesen anderen Advent lesen und sich dadurch in dieser besonderen Zeit miteinander verbunden fühlen. Wie erklären Sie sich die Wirkung dieses Kalenders?

Hofmann: Ich glaube, dass dieser Ansatz die Menschen in all ihren Emotionen erreichen zu wollen, die Menschen in ganz verschiedenen Situationen trifft. Bei der Textauswahl fragen wir uns: "Wie trifft dieser Text auf einen Menschen, der zum Beispiel trauert, der Weihnachten alleine oder im Krankenhaus verbringen muss?" All diese Dinge versuchen wir uns vorzustellen.

Der Kalender soll Trost spenden. So kommt es, dass der Kalender im Gefängnis, im Krankenhaus oder im Ausland gelesen wird, weil die Menschen etwas haben möchten, dass sie an ihre Heimat oder den Advent erinnert. Ein Adventskalender ist eher ein europäisches beziehungsweise ein deutsches Phänomen. Im Ausland ist dieses Zugehen auf Weihnachten gar nicht so verbreitet.

DOMRADIO.DE: Sie bringen auch einen Anderen-Adventskalender für Kinder heraus. Das ist ebenfalls ein Papierkalender, aber ohne Schokolade. Es gibt aber trotzdem etwas zum Öffnen. Erzählen Sie, wie sieht der Kalender aus?

Hofmann: Der Kalender ist für Kinder im Grundschulalter gedacht, die sich besonders auf den Advent und Weihnachten freuen. Aber wie gesagt ohne Schokolade. Man kann die Seiten einzeln öffnen. Man findet dort Dinge wie zum Beispiel Bastelanleitungen oder kleine Texte zum Vorlesen oder selbst lesen. Es sind auch kleine Übungen oder Spiele darin.

DOMRADIO.DE: Was raten Sie den Menschen, die glauben, keine Zeit für diesen Kalender zu haben? Wie funktioniert das ganz praktisch?

Hofmann: Die Zeit, die man sich nimmt, um in einen solchen Kalender zu schauen ist ja keine verlorene Zeit, sondern eine Anregung und geschenkte Zeit, um wieder neue Kraft zu tanken. So kann man die Dinge am Tag vielleicht noch schneller und effektiver erledigen.

Das Interview führte Verena Tröster.

Quelle:
DR