Jüdische Gemeinde in Frankfurt braut koscheren Apfelwein 

"Epler"

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt bringt anlässlich ihrer Wiedergründung vor 75 Jahren einen koscheren Apfelwein heraus. Der "Epler" symbolisiert die Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft mit der Stadt Frankfurt.

Ein Apfelbaum im Garten / © Jan Gallo (shutterstock)

Ebbelwoi oder Stöffsche: Frankfurts Nationalgetränk Apfelwein hat mehrere Bezeichnungen - nun kommt eine neue hinzu: "Epler" heißt ein koscherer Apfelwein, den die Jüdische Gemeinde Frankfurt anlässlich ihrer vor 75 Jahren erfolgten Wiedergründung herausbringt. Wie die Gemeinde am Montag mitteilte, wurden für die Edition 500 Liter Apfelwein hergestellt, was etwa 670 Flaschen a 0,75 Liter entspricht.

In Kooperation mit dem Obsthof am Steinberg im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach sei ein würziger, fruchtiger Apfelwein aus heimischen Streuobstwiesenäpfeln entstanden, dessen Koscher-Status von Gemeinderabbiner Avichai Apel zertifiziert worden sei. 

Die Namensgebung des koscheren Schoppens nimmt Bezug auf das Jiddische: Ep(p)el steht dort für Apfel. Wenn in Frankfurter Apfelweinwirtschaften nun künftig öfter "LeChaim!" zu hören sei, werde wohl mit "Epler" auf das Leben angestoßen.

Einhaltung jüdischer Speisegesetze 

Um die in den jüdischen Speisegesetzen festgeschriebenen Kaschrut-Regeln einzuhalten, galt es, einiges zu beachten: So durften für den Wein nur reife Früchte von mindestens vier Jahre alten Apfelbäumen verwendet werden. Äpfel mit Wurmstich seien nicht zulässig gewesen.

Eine Kundin nimmt einen Apfel in die Hand an einem Marktstand. / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eine Kundin nimmt einen Apfel in die Hand an einem Marktstand. / © Julia Steinbrecht ( KNA )

"Beim Ernten der reifen Äpfel auf einer Streuobstwiese wurden die Früchte daher einzeln von Hand geprüft. Beim Pressen der Äpfel wurde außerdem darauf geachtet, dass keine Wespen oder andere Insekten hineingelangen", hieß es weiter.

Gelatine sowie weitere Zusätze seien nicht verwendet worden. Alle Gefäße und Gegenstände, mit denen gearbeitet wurde, "durften nur mit Äpfeln - also beispielsweise nicht mit Trauben - in Berührung kommen, und sie wurden ausschließlich kalt gereinigt", so die Jüdische Gemeinde.

Echter Frankfurter Apfelwein

Auf diese Weise sei "ein echter Frankfurter koscherer Apfelwein entstanden", betonte der Inhaber des Obsthofs am Steinberg, Andreas Schneider.

Der "Epler" sei auch ein Sinnbild für die Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft mit ihrer Stadt.

Juden in Deutschland

Jüdisches Leben auf dem Gebiet der Bundesrepublik gibt es seit mehr als 1.700 Jahren. Der älteste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 321 aus Köln. Vor der nationalsozialistischen Machtergreifung lebten 1933 auf dem Gebiet des Deutschen Reiches rund 570.000 Juden. In der Folge des Holocaust wurden etwa 180.000 von ihnen ermordet, sehr viele flohen. 1950 gab es nur noch etwa 15.000 Juden in Deutschland. Eine Zukunft jüdischen Lebens im Land der Täter schien unwahrscheinlich und war innerjüdisch umstritten.

Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine (shutterstock)
Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine ( shutterstock )
Quelle:
KNA