Jordanien sagt Weihnachts- und Neujahrsfeiern ab

"Aus geistlicher Verantwortung und patriotischer Pflicht"

Im Gedenken an drei bei einer Razzia getötete Polizisten haben Jordaniens Kirchenoberhäupter alle Weihnachts- und Neujahrsfeiern abgesagt. Das teilte der Rat der Kirchenführer am Montagabend in einer Pressemeldung mit.

Koptische Kathedrale in Amman, Jordanien / © Renardo Schlegelmilch (DR)
Koptische Kathedrale in Amman, Jordanien / © Renardo Schlegelmilch ( DR )

Man habe beschlossen, "die religiösen Feiern in den Kirchen in Solidarität mit dem Heimatland, der Direktion für öffentliche Sicherheit und unseren trauernden Familien zu begrenzen", heißt es in der Mitteilung.

Der Rat beklagte den Tod der Polizisten, die in der Erfüllung ihrer nationalen Pflicht den Märtyrertod erlitten hätten. Man bitte daher alle Gläubigen, sich "mit geistlicher Verantwortung und patriotischer Pflicht" an die Entscheidung der Kirchen zu halten.

Auch Weihnachtsbeleuchtung abgeschaltet

Mehrere Städte, darunter Madaba, sagten daraufhin die Feiern zum Entzünden der Lichter an den Weihnachtsbäumen ab, wie das jordanisch-christliche Portal "Milh il-Ard" (Salz der Erde) berichtete. Die Gemeinde Fuheis kündigte an, die Weihnachtsbeleuchtung sowie den Weihnachtsbaum abzuschalten.

Bei einer Razzia zur Festnahme eines Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Mord an einem Polizeikommandanten waren am Montag drei Beamte und ein Verdächtiger in der Stadt Maan getötet worden, wie örtliche Medien unter Berufung auf die jordanische Polizei berichteten. Fünf weitere Polizisten wurden nach Behördenangaben verletzt.

Angespannte Lage im ganzen Land

Seit Donnerstag war es in mehreren Städten des Landes wegen einer Verschärfung der Wirtschaftskrise und steigender Kraftstoffpreise zu Streiks und Demonstrationen sowie zu Unruhen gekommen. Dabei wurde laut Berichten der stellvertretende Polizeidirektor von Maan am Donnerstag bei Zusammenstößen durch Schüsse getötet. Insgesamt wurden nach Polizeiangaben mindestens 40 Sicherheitskräfte verletzt. Es handelt sich um die größten Unruhen in dem Königreich seit Jahren.

Christen im Nahen Osten

Die Christen und auch andere Minderheiten im Nahen Osten sehen sich zunehmend in Bedrängnis. Neben Entführung, brutalen Ermordung und Vertreibung der Christen steht auch der Versuch islamischer Fundamentalisten, die christliche Kultur in der Region auszulöschen.

Christenverfolgung im Nahen Osten / © Katharina Ebel (KNA)
Christenverfolgung im Nahen Osten / © Katharina Ebel ( KNA )
Quelle:
KNA