Neuer Leiter des Diakoneninstituts will nah bei den Menschen sein

"Jesus Christus für die Menschen berührbar machen"

Er war Banker, spürte dann die Berufung und wurde Diakon. Seit diesem Mittwoch nun leitet Frank Zielinksi das Kölner Diakoneninstitut. Wohin soll der Weg seiner Ansicht nach in für die Kirche schwierigen Zeiten führen?

Diakone mit gefalteten Händen / © Lukas Barth (KNA)
Diakone mit gefalteten Händen / © Lukas Barth ( KNA )

DOMRADIO.DE: Warum haben Sie sich damals entscheiden, Diakon zu werden?

Diakon Frank Zielinski (Leiter des Kölner Diakoneninstituts): Ursprünglich habe ich eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht. Aber ich bin immer schon in meiner Heimatgemeinde in St. Gereon in Monheim am Rhein als Kind und Jugendlicher bei den Messdienern und als Leiter der Firmkatecheten unterwegs gewesen. Und habe da einfach eine richtig gute Zeit gehabt. Irgendwann habe ich dann überlegt, was man tun muss, um das beruflich zu machen. Dann habe Theologie studiert und bin in die Ausbildung zum Pastoralreferenten gegangen und 2005 dann beauftragt worden.

DOMRADIO.DE: Und der Weg zum Diakonat?

Zielinski: Ein Freund von mir hat das gemacht und ich war neugierig. Dann bin ich nach Köln gefahren und habe mit meinem Vorgänger hier gesprochen. Der meinte, ich solle es doch versuchen. Das habe ich getan.

DOMRADIO.DE: Wenn sich jemand hauptamtlich für die Kirche engagieren will, könnte der erste Gedanke die Priesterberufung sein.

Zielinski: Ich habe auch mal kurz überlegt, habe aber sehr schnell gedacht, der liebe Gott ruft mich in Familie und Ehe. Insofern war das eine kurze Überlegung, die ich aber sehr schnell für mich anders beantworten konnte. Meine Berufung ist das Diakonat, wenn auch auf Umwegen.

DOMRADIO.DE: Können ständige Diakone vielleicht auch ein bisschen den Menschen und Familien näherstehen, weil sie die Nöte eher nachvollziehen können, weil sie wissen, wovon sie reden?

Zielinski: Ich kann natürlich als verheirateter Familienvater die Nöte von Familien in einer besonderen Art und Weise nachempfinden. Ich habe da ein waches Auge für, weil mir vieles bekannt vorkommen kann. Das möchte ich Priestern aber nicht absprechen.

DOMRADIO.DE: Wie sieht der Arbeitsalltag eines ständigen Diakons aus?

Zielinski: Als derjenige, der dient, sollte der Diakon natürlich sehen, dass er bei den Menschen ist, die diesen Dienst brauchen. Also ich besuche zum Beispiel Menschen, die nicht aufgrund von Krankheit oder Alter in die Kirche kommen können, mit der Kommunion und feiere mit den Menschen zu Hause einen kleinen Gottesdienst. Ich schaue, wo Menschen in der Gemeinde sind, die Hilfe brauchen.

Gerade in unserer aktuellen kirchlichen Situation, wo viele Menschen auch zweifelnd geworden sind, ist es gut, jemand zu sein, der mit ihnen schaut, wo die Reise im Glauben in dieser Kirche hingehen kann. Daneben habe ich in den Gemeinden viel für die Kinder- und Jugendarbeit getan. Das hat mir viel Freude gemacht. Und dann kommen natürlich die liturgischen Dienste, Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Predigtdienst in der Gemeinde. Ja, und auch Gremienarbeit.

DOMRADIO.DE: Wie sieht die Ausbildung aus?

Zielinski: Es ist ganz viel Auseinandersetzung mit der eigenen Berufung. Es ist ein Theologiestudium, natürlich in abgespeckter Form, weil es nebenberuflich erfolgt. Aber da gibt es ganz klare Vorgaben aus Rom, in welchem Umfang das zu erfolgen hat. Es ist der gesamte theologische Fächerkanon, der dort von den Studierenden gelernt werden und auch geprüft werden muss.

Und dann ist es natürlich auch ein Sichhineinfinden in die mögliche neue Rolle: Was hat das dann auch für Konsequenzen im Familiensystem, wenn der Ehemann auf einmal am Altar steht und da einen Gottesdienst leitet, eine Beerdigung macht oder Ehepaare traut? Das ist nochmal eine Veränderung zu dem, was man sonst im beruflichen Alltag hat.

Wir schauen mit den Männern, aber auch mit den Ehefrauen, was sie brauchen, um ihren Dienst gut leisten zu können.

DOMRADIO.DE:  Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Zielinski: Wir wollen das Ganze natürlich gestalten und gut aufbauen auf dem, was es bisher gab. Ja, die Diakone bei uns im Erzbistum Köln haben eine gute, fundierte Ausbildung. Generell glaube ich, in einer Kirche, die sich verändert, in einer Gesellschaft, die sich verändert, ist es gut, auch aktuelle Entwicklungen wach wahrzunehmen und zu schauen: Was braucht es für eine zukünftige Gestalt von Kirche, was brauchen wir für Menschen zukünftig, um Jesus Christus für die Menschen berührbar zu machen: Wo können diese Menschen mit diesem Gott, mit diesem Jesus Christus durch ihr Leben gehen und wie können wir sie dabei als Diener gut unterstützen?

DOMRADIO.DE: Was ja in der heutigen Zeit wahrscheinlich komplizierter ist, als es noch vor 20, 30 Jahren gewesen ist, oder?

Zielinski: Die Selbstverständlichkeit von Religiosität, von Christlichkeit, ist mehr und mehr geschwunden in den letzten Jahren. Aber ich glaube, es war immer schon eine Herausforderung, sich für diesen Christus und innerhalb dieser Kirche in den Dienst nehmen zu lassen. Aber ich glaube, jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Wir verklären das heute immer

Ich glaube, dass die Menschen früher genauso ihre Schwierigkeiten mit dem Glauben und auch mit der Kirche hatten, wie das heute der Fall ist. Aber wir stehen natürlich zur Zeit kirchlich gut unter Feuer und von daher glaube ich, muss man sich auch im Rahmen der Ausbildung zum ständigen Diakon mit der Frage auseinandersetzen, wie man in dieser Kirche seinen Dienst mit Verantwortung gut tun kann.

Das Interview führte Renardo Schegelmilch.

Hinweis der Redaktion: Dieses Interview ist eine gekürzte Fassung des Gesprächs, das Sie hier in voller Länge sehen können.

Quelle:
DR
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