Gegen eine Weltuntergangsstimmung angesichts der Ausbreitung Künstlicher Intelligenz (KI) hat sich die Jesuitenzeitschrift "Civiltà Cattolica" ausgesprochen. Das im Vatikan als einflussreiches Zentralorgan der Jesuiten geltende Monatsmagazin widmet der KI in seiner jüngsten Nummer (Februar 2026) eine differenzierte Analyse.
Autor des Artikels mit dem Titel "Politische Ökonomie und Künstliche Intelligenz: Zwischen Innovation und Unsicherheit" ist der US-amerikanische Jesuit William McCormick. Er lehrt Politikwissenschaft an der Saint Louis University im Bundesstaat Missouri.
In seinem Text beklagt McCormick, dass die Metaphern in der öffentlichen Debatte über KI zu Extremen neigten. Diese reichten von apokalyptischen Ängsten bis zu utopischen Hoffnungen. Diejenigen, die das Phänomen mit den Kategorien eines drohenden Weltuntergangs betrachteten, prallten wie in einem Glaubenskrieg auf jene, die diese neue Technologie als Rettung der Menschheit ansehen.
Gegen die Weltuntergangspropheten
Die "Apokalyptiker" nähmen für sich in Anspruch, "eine Gewissheit zu besitzen, die niemand hat", so die Kritik des Autors. Damit liefen sie Gefahr, die Aufmerksamkeit von jenen Denkansätzen abzulenken, bei denen es um eine differenzierte Reflexion zu diesem Thema und den konkreten Herausforderungen gehe.
Erforderlich sei jedoch "die Rückkehr zu einer nüchternen Politik und ihren normalen Werkzeugen des Verhandelns, der Kompromisse und abgestufter Lösungen". So könne man vermeiden, dass sich die Bürger angesichts von KI ohnmächtig fühlten. Der Graben zwischen Optimisten und Untergangspropheten müsse überwunden und eine "nüchterne und moderate Politik" in Bezug auf die KI gefunden werden.
Chancen und Gefahren der KI gehören dem Vernehmen nach zu den Kernthemen, die Papst Leo XIV. in seiner ersten Sozialenzyklika behandeln will. Wann diese erscheint und welche Akzente er darin setzen wird, ist im Vatikan seit Monaten Gegenstand von Spekulationen.