Jacky Dreksler über seine Autobiografie "Ich wünsch dir ein glückliches Leben“.

Du mußt versuchen, glücklich zu sein

"Es gibt kein Rezept für das Glück“, sagt Jacky Dreksler. Im domradio.de Interview erzählt er, wie man aber dem Glück auf die Spur kommen kann, indem man sein Leben in die Hand nimmt, losgeht, oder, wie er sagt, Lose für´s Leben kauft und geradeaus geht – dann läuft einem womöglich auch das Glück hinterher. "Ich wünsch dir ein glückliches Leben. Das Leid meiner Mutter und ihr Geschenk an mich“, so heißt seine Autobiografie.

Jacky Dreksler / © Noemi Dreksler
Jacky Dreksler / © Noemi Dreksler

Jacky Dreksler blickt auf eine Kindheit zurück, die weiß Gott nicht die besten Voraussetzungen für ein glückliches Leben bot. Seine Mutter, eine polnische Jüdin, hatte zwei Ghettos und Konzentrationslager überlebt, als sie kurz nach dem Krieg nach Paris kam und gleich wieder unschuldig eingesperrt wurde. Ihr wurde vorgeworfen, als Blockälteste im KZ andere Gefangene gequält zu haben - eine tragische Verwechslung zweier Menschen mit ähnlichem Namen. So kam ihr Sohn Jacky im Gefängnis auf die Welt. "Bis zu meinem vierten Lebensjahr war ich in Kinderheimen und Waisenhäusern in Deutschland und Frankreich, weil meine Mutter im Gefängnis war“, erzählt Dreksler.

"Ich bin so eine Art Schweizer Taschenmesser"

Nach ihrer Entlassen konnte die Mutter ihren Sohn selbst erziehen. Fela Dreksler glaubte, so erzählt ihr Sohn, dass es durchaus bald wieder Konzentrationslager geben könne. Um zu überleben, brachte sie ihm viele verschiedene Dinge bei. "Ich musste Knöpfe annähen, Socken stopfen, und immer wenn ich sagte: ´Ich will das aber jetzt nicht´, hat sie gesagt: ´Sei still, wenn du im KZ bist, und du kannst viel, hast du eine bessere Chance zu überleben“, erzählt Jacky Dreksler. Seine Mutter habe ihn so zu einer Art Schweizer Taschenmesser erzogen. "Dieses vielseitge Werkzeug mit einem kleinen Messerchen dran, ein Scherchen, ein Schraubenzieher – nix professionelles, aber durchaus tauglich, um durch´s Leben zu kommen“.

"Kauf dir endlich ein Los!"

Seine Mutter war eine begnadete Geschichtenerzählerin und erzog ihren Sohn, indem sie ihm Anekdoten und Witze mit auf den Weg gab, wie den Witz vom alten Juden Jossele, der an jedem Freitagabend den Herrgott anfleht, doch einmal im Lotto zu gewinnen: "Plötzlich gibt es an einem dieser Freitage einen Blitz und einen Donner und eine tiefe Stimme ertönt: ´Jossele!´ - ´Ja, Herr`- ´Du willst in der Lotterie gewinnen?´- ´Ja, Herr` - ´Dann kauf Dir endlich ein Los´“. Der Mensch muss also seinen Teil dazu beitragen, um glücklich zu werden. Diese Lebensweisheit hat Jacky Dreksler oft geholfen - auch später, als seine Mutter lange tot war. Sie starb als Jacky neun Jahre alt war.

Der Weg zu einem glücklichen Leben

Der Junge kam in die Hände einer Frau, die ihn zwang, katholisch zu werden, die ihn ausbeutete, weil er viel wert war. Entschädigungszahlungen und Wiedergutmachungen zum Beispiel. Jacky befreite sich, indem er zu einem Flegel wurde, von der Schule flog und sich nur noch in Kölner Kneipen herumtrieb. Dann aber entdeckte er seinen Wunsch nach Bildung und arbeitete sich nach oben. Er studierte, wurde Lehrer, dann Fernsehautor und Fernsehproduzent, der zum Beispiel mit Roland Kaiser, Mike Krüger oder Charles Aznavour zusammenarbeitete. Und: er wurde ein glücklicher Familienvater. Wie geht das? Wie findet man sein Glück, auch wenn die Voraussetzungen dafür denkbar schlecht sind. Jacky Dreksler antwortet wieder mit einer Anekdote, die ihm ebenfalls seine Mutter erzählt hat: "Ein Kätzchen läuft immer im Kreis herum und versucht seinen Schwanz zu packen. Als ein alter Kater vorbei kommt und fragt: ´Was machst du denn da?´, antwortet das Kätzchen, dass seine Mutter ihm gesagt habe, das Glück einer Katze liege in der Spitze des Schwanzes. Da sagt der Kater: ´Ja, das habe ich auch mal gehört und bin, als ich jung war, im Kreis gelaufen, um meinen Schwanz zu packen. Aber dann habe ich festgestellt, wenn ich einfach geradeaus gehe, dann kommt mir mein Schwanz hinterher“.