Islamische Hilfswerke appellieren an das religiöse Gewissen

Im Ramadan für Pakistan spenden

Die Überschwemmungen treffen Pakistan im islamischen Fastenmonat Ramadan. Zu der sonst üblichen Speisung der Armen ist nun die Nothilfe hinzugekommen, sagen muslimische Hilfsorganisationen.

Autor/in:
Andreas Gorzewski
 (DR)

"Pakistan versinkt in den Fluten", mahnt das Hilfswerk "Islamic Relief" im Internet und auf Flugblättern: "Nicht zuschauen, jetzt helfen!" Nuri Köseli, Sprecher des deutschen Zweigs der Hilfsorganisation, hofft auf eine große Spendenbereitschaft unter den Muslimen.

Zu der sonst im Ramadan üblichen Speisung der Armen sei nun die Nothilfe hinzugekommen, sagt auch Rüstü Aslandur, Spendenwerber bei "Muslime Helfen". Die Katastrophenhilfe muslimischer Organisationen aus Europa, den USA oder der Türkei unterscheidet sich in aller Regel kaum von der Arbeit christlicher oder nichtreligiöser Helfer. "Islamic Relief Deutschland" ist auch Mitglied des "Verbandes Entwicklungspolitik" (VENRO), dem mehr als 120 nichtstaatliche Organisationen angehören und sich auf gemeinsame Grundsätze verständigen.

So schickt "Islamic Relief", dessen internationaler Hauptsitz in Großbritannien ist, nach eigenen Angaben Zelte, Haushaltsgegenstände und Hygieneartikel in die Flutregion in Pakistan. Die in Ludwigshafen ansässige Organisation "Muslime Helfen" unterstützt nach eigenen Angaben eine Notunterkunft für 2.000 Menschen.

Die Hilfe für Notleidende ist im Islam eine religiöse Pflicht. Ein Grundpfeiler der Glaubenspraxis ist die Sozialabgabe (Zakat). Diese Zahlung sei eine gottesdienstliche Handlung, zu der jeder erwachsene Muslim verpflichtet sei, betont "Islamic Relief". 2,5 Prozent der Jahreseinnahmen sind demnach abzuführen. Dem frommen Geber verheißt ein Koranvers Allahs Lohn. Wer mit seiner Sozialabgabe im Rückstand ist, kann gleich über das Internet zahlen. Daneben gibt es andere Spenden und Abgaben, die speziell im Ramadan üblich sind.

Nicht mehr nur Spenden für Muslime
Fast alle muslimischen Hilfsorganisationen appellieren auf ähnliche Weise an das religiöse Gewissen. Dass die große Mehrzahl der Flutopfer in Pakistan Muslime sind, trägt laut Aslandur zur Spendenbereitschaft der Muslime in Deutschland bei.

Islamische Hilfswerke engagieren sich längst nicht mehr nur in muslimisch geprägten Regionen. Das wird auch an der Katastrophenhilfe von "Islamic Relief Deutschland" deutlich. So könnten Spender für den Notfallfonds nicht ausschließlich Pakistan als Ziel nennen, sagt Köseli. Aus dem gleichen Fonds werde auch die Hilfe für die Hochwasserregionen in Sachsen und Brandenburg geleistet. Der Großteil der Gelder gehe in diesem Fall jedoch nach Südasien, betont der Sprecher. "Die Not in Pakistan ist viel größer und drastischer, das ist nicht vergleichbar."

Als Spendensammler in Deutschland verschwunden ist die "Internationale Humanitäre Hilfsorganisation" (IHH). Der deutsche Zweig mit Sitz in Frankfurt wurde Mitte Juli vom Bundesinnenministerium verboten, weil die IHH unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe Sozialvereine in Gaza unterstütze, die der radikal-islamischen Hamas zuzuordnen seien. Nach dem Erdbeben 2005 in Kaschmir hatte die IHH noch in Deutschland Spenden für Pakistan gesammelt.

Neben religiösen Appellen setzt der Verein "Kimse Yok Mu" (Deutsch: Ist da niemand?), der in der Türkei um Spenden wirbt, auch auf die Solidarität der Völker. Im türkischen Unabhängigkeitskrieg vor etwa 90 Jahren hätten die Mütter im heutigen Pakistan ihre Armreifen für die Türken gegeben, erklärte der Verein. Nun sei es an der Zeit, in Treue zu den Pakistanern zu stehen. Nach eigenen Angaben wurden in Lahore und Peshawar Zelte aufgestellt, in denen Tausend Menschen zum allabendlichen Fastenbrechen eine warme Mahlzeit erhalten.

Auch türkische Hilfswerke, die sonst kaum mit religiösen Bezügen werben, verweisen auf die islamischen Spenden und Abgaben. Dazu zählen der Türkische Rote Halbmond, eine Schwesterorganisation der Rot-Kreuz-Organisationen, oder der deutsch-türkische Verein "Time To Help" (Zeit zu helfen). Sie weisen mit großflächigen Zeitungsanzeigen oder TV-Werbespots auf die Not der rund 20 Millionen Obdachlosen in Pakistan hin.