Interventionsbeauftragter im Bistum Münster verabschiedet

Balanceakt zwischen Empathie und Distanz

Der erste Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Jurist war seit 2019 für den Umgang mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs sowie Beschuldigten und Tätern zuständig.

St.-Paulus-Dom in Münster / © Chi_Chirayu (shutterstock)
St.-Paulus-Dom in Münster / © Chi_Chirayu ( shutterstock )

Das teilte das Bistum Münster am Dienstag mit. Immer noch sei die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche ein Lernprozess, sagte der Münsteraner Bischof Felix Genn bei der Verabschiedung. Frings habe den Balanceakt zwischen Empathie und der für sachgemäße Lösungen nötigen Distanz geschafft.

Angstfreie Atmosphäre schaffen

Die wertschätzenden Rückmeldungen, die er von einigen Betroffenen zum Abschied erhalten habe, bedeuteten ihm sehr viel, sagte Frings. Für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, aber auch generell für die Kirche der Zukunft, brauche man positiv kritische Köpfe, unterstrich er. Frings würdigte auch die gute Zusammenarbeit mit der Bistumsleitung. 

Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings / © Frank Biermann (epd)
Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings / © Frank Biermann ( epd )

Abschließend appellierte er an alle kirchlichen Verantwortungsträger, "eine angstfreie Atmosphäre zu schaffen, damit die Menschen, die Hilfe, Zuwendung und Gemeinschaft brauchen, im Mittelpunkt stehen und nicht der Schutz der Institution oder der Verwaltung."

Koordinierung und Unterstützung

Der Jurist Frings hatte 2019 die damals neu geschaffene Stelle des Interventionsbeauftragten übernommen. Zuvor war er lange Zeit Justiziar des Caritasverbands für die Diözese Münster gewesen. Seit Januar haben Eva-Maria Kapteina und Stephan Baumers als gleichberechtigte Interventionsbeauftragte die Nachfolge angetreten. Die Verabschiedung fand am Montag in Münster statt.

Die Interventionsstelle des Bistums Münster geht Hinweisen auf Missbrauch durch ehrenamtliche oder berufliche Mitarbeiter in der katholischen Kirche nach. Aufgaben der Interventionsbeauftragten sind die Koordinierung notwendiger Maßnahmen, die mögliche Hinzuziehung externer Fachleute und die Kontaktaufnahme zur Staatsanwaltschaft und anderen zuständigen Behörden. Zudem leisten sie Unterstützung bei kirchenrechtlichen Voruntersuchungen und sollen dafür sorgen, dass etwa Pfarreien, in denen es Fälle sexuellen Missbrauchs gab, Beratung und Hilfe erhalten, wie es hieß.

Studie: Flächendeckender Missbrauch im Bistum Münster

Die Zahl der beschuldigten Priester und Missbrauchsopfer im Bistum Münster ist nach einer Studie der Universität Münster deutlich höher als bekannt. Laut der über zwei Jahre dauernden Forschungsarbeit eines fünfköpfigen Teams gab es von 1945 bis 2020 fast 200 Kleriker und bekannte 610 minderjährige Opfer von sexuellem Missbrauch. Damit sind 4,17 Prozent der Priester betroffen. Die Dunkelziffer ist erheblich höher. Die Forscher gehen von 5000 bis 6000 Opfern aus.

 Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch in Münster
 / © Lars Berg (KNA)
Studie zu Macht und sexuellem Missbrauch in Münster / © Lars Berg ( KNA )
Quelle:
epd