Internationaler Tag der Sinti und Roma am 8. April

"Wenig Willkommenskultur für Roma"

Viele Sinti und Roma leben seit Jahrzehnten in Deutschland oder wurden sogar hier geboren - dennoch sind sie staatenlos. Sie müssten eingebürgert werden, fordert Jan Opiela von der Katholischen Seelsorge für Roma und Sinti im domradio.de-Gespräch.

Roma in Serbien (dpa)
Roma in Serbien / ( dpa )

domradio.de: Wie würden Sie die Situation der Sinti und Roma in ihren Herkunftsländern beschreiben? Warum kommen viele als Flüchtlinge nach Deutschland?

Jan Opiela (Nationaldirektor der Katholischen Seelsorge für Roma, Sinti und verwandte Gruppen): Die Situation ist, dass sie in ihren Ländern unterhalb der Armutsgrenze leben und Schwierigkeiten haben, an öffentliche Versorgung zu kommen. Sie sind einer Diskriminierung ausgesetzt, die sich dort seit Jahrhunderten breit gemacht hat.

Aber an den ärmsten Hütten und Häusern sind Satelliten-Schüsseln auf dem Dach, mit denen die Roma die westliche Welt im Fernsehen sehen. Da kommt irgendwann der Wunsch auf, im Rahmen der wegfallenden innereuropäischen Grenzen zum Beispiel nach Deutschland zu fahren.

domradio.de: Wie versuchen Sie von der Roma-Seelsorge, diese Menschen zu unterstützen?   

Opiela: Unsere Aufgabe ist es, für die Sinti und Roma da zu sein, zum Beispiel in seelsorgerischer Hinsicht Wallfahrten zu organisieren. Außerdem sind zwei Mitarbeiterinnen in den großen Flüchtlingsheimen in Köln tätig. Darüber hinaus bauen wir über Musik-, Tanz- und Schauspielveranstaltungen Kulturbrücken.

domradio.de: Die Roma vom Balkan haben ja im Grunde keine Chance, als Flüchtlinge anerkannt zu werden. Wie wirkt sich das auf die Roma in Deutschland aus?

Opiela: Seitdem das Kosovo ein sicheres Herkunftsland ist, erfahren die Roma wenig an Willkommenskultur. Es wird sofort mit dem Hintergedanken operiert: In drei Wochen sind die sowieso weg. Das stimmt so natürlich nicht. Bei uns wird bei den Aslyanträgen immer noch der Einzelfall betrachtet.

domradio.de: Was können Sie den Roma, die hier in einer prekären Lebenssituation sind, mit an die Hand geben?

Opiela: Über die Caritas wird teilweise mit Anwaltskanzleien zusammengearbeitet. Unsere Mitarbeiter hier sind in den Flüchtlingsheim vor Ort, um mit Ehrenamtlichen, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, auf die spezielle Situation der Roma einzugehen. Außerdem sammeln wir Lebensmittel. So können wir mit Kleinigkeiten behilflich sein. 

domradio.de: Was würden Sie heute - am Internationalen Tag der Roma und Sinti - den deutschen Politikern gerne mal sagen in Sachen Minderheitenpolitik?

Opiela: Wir haben seit Jahrzehnten verpasst, eine vernünftige Flüchtlingspolitik zu betreiben. Es gibt Roma, die seit 20 bis 30 Jahren geduldet in Deutschland leben. Die müssten eingebürgert werden. Sie sind hier geboren und groß geworden und haben trotzdem keine deutschen Pässe.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Jan Opiela, Nationaldirektor Katholische Seelsorge für Roma, Sinti und verwandte Gruppen (KNA)
Jan Opiela, Nationaldirektor Katholische Seelsorge für Roma, Sinti und verwandte Gruppen / ( KNA )
Quelle:
DR