Initiative Maria 2.0 will Abbau von Hengsbach-Denkmal

Nach Missbrauchsvorwürfen

Die Bewegung Maria 2.0 zeigt sich erschüttert über die Missbrauchsvorwürfe gegen den verstorbenen Kardinal Franz Hengsbach. Zugleich forderte sie, den Kardinal-Hengsbach-Platz am Essener Dom umzubenennen und seine Statue zu entfernen.

Franz Hengsbach, Bischof von Essen, spricht auf einem Kongress der Bischöflichen Aktion Adveniat im November 1969 in Trier (KNA)
Franz Hengsbach, Bischof von Essen, spricht auf einem Kongress der Bischöflichen Aktion Adveniat im November 1969 in Trier / ( KNA )

"Wir sind entsetzt, dass, obwohl die Vorwürfe schon sehr lange im Raum stehen, bis heute dazu öffentlich geschwiegen wurde", erklärten Maria 2.0 im Bistum Essen und Maria 2.0 Deutschland.

Gefragt wird, warum die Vorwürfe gegen Hengsbach (1910-1991) nicht Gegenstand des im Februar veröffentlichten Missbrauchsgutachtens für das Bistum Essen sind. Notwendig sei weiterhin eine schonungslose Aufklärung.

Keine näheren Angaben 

Das Bistum Essen und das Erzbistum Paderborn, aus dem Hengsbach stammt, hatten am Dienstag den Missbrauchsverdacht gegen den Kardinalöffentlich gemacht.

Demnach beschuldigte eine Person im Oktober vergangenen Jahres den Bischof. Angaben über die Art des Übergriffs, das Geschlecht oder das Alter machte das Bistum in diesem Fall nicht und begründete dies mit dem Persönlichkeitsschutz.

Mehrere Vorwürfe 

Eine weitere Anschuldigung stammt aus dem Jahr 2011 und bezieht sich auf das Jahr 1954 und damit auf Hengsbachs Zeit als Weihbischof in Paderborn.

Statue von Kardinal Franz Hengsbach / © Mahdi boushehri (shutterstock)
Statue von Kardinal Franz Hengsbach / © Mahdi boushehri ( shutterstock )

Eine Frau wirft ihm und dessen Bruder Paul, einem Priester, vor, sie als 16-Jährige missbraucht zu haben. Das Erzbistum Paderborn und der Vatikan stuften dies als nicht plausibel ein. Im Zuge der jüngsten Nachforschungen sei die Anschuldigung aber noch einmal geprüft und jetzt als glaubwürdig bewertet worden, so das Erzbistum.

In den Personalakten sei auch aufgefallen, dass eine weitere Frau im Jahr 2010 Missbrauchsvorwürfe gegen Paul Hengsbach erhoben hatte. Auch diese Vorwürfe seien erst als nicht greifbar eingestuft worden. Nach einer Beschwerde und erneuter Prüfung habe die Betroffene aber 2019 und noch einmal 2022 Zahlungen der Kirche in Anerkennung ihres Leids erhalten.

Maria 2.0

Die kirchliche Frauenprotestbewegung Maria 2.0 setzt sich für die Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern, die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie die vollständige und transparente Aufklärung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ein. Im Januar 2019 schlossen sich fünf Frauen aus der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster zusammen und schickten ihre Forderung in einem offenen Brief an Papst Franziskus.

Fahne mit der Aufschrift "Maria 2.0" bei einer Demonstration der Initiative Maria 2.0 am 22. September 2019 in Köln / © Harald Oppitz (KNA)
Fahne mit der Aufschrift "Maria 2.0" bei einer Demonstration der Initiative Maria 2.0 am 22. September 2019 in Köln / © Harald Oppitz ( KNA )

 

Quelle:
KNA