Indianernessel – Goldmelisse – Wilde Bergamotte

Der duftende Tee der Indianer

1773 warfen im Hafen von Boston aufgebrachte Kolonisten das Getränk der Engländer, den schwarzen Tee über Bord. Dass sie es übers Herz brachten, hatte einen guten Grund: sie hatten Ersatz gefunden – den Oswego-Tee aus der Indianernessel.

kecke Monarda / © Dominicus Johannes Bergsma (CC BY-SA 3.0)
kecke Monarda / © Dominicus Johannes Bergsma ( CC BY-SA 3.0 )

Sie ist eine der berühmtesten Wegmarken in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika: die Boston Tea Party. Wer weiß, wie die Geschichte Nordamerikas verlaufen wäre, hätten die aufgebrachten Kolonisten damals 1773 im Hafen von Boston nicht das heilige Getränk der Engländer, den schwarzen Tee über Bord geworfen. Dass sie es überhaupt übers Herz brachten, diese kostbare Ware aus dem fernen China, den Earl Grey, angeliefert von der East India Trading Company, ins Hafenwasser zu kippen, beweist nicht nur ihren generellen Drang zur Unabhängigkeit, sondern auch die Unabhängigkeit vom Earl Grey selbst. Die Bostoner fanden nämlich bei ihren „roten Brüdern“ einen passablen Ersatz für ihren five o´clock tea: den Oswego-Tee.

Genusstee und Heilpflanze

Der Oswego-Tee ist nach dem Ort benannt, in dem der amerikanische Botaniker und Pflanzenforscher John Bartram das erste Mal beobachtete, wie Indianer und weiße Siedler Tee aus den Blättern einer bestimmten Pflanze zubereiteten. Es war die Indianernessel. Der botanische Name der Indianernessel lautet „Monarda“ nach dem spanischen Arzt und Botaniker Nicolàs Monardes, der schon im 16. Jahrhundert ein Buch über amerikanische Heilpflanzen verfasste.

Im Aussehen ist die Indianernessel eine Art Riesenminze, kann zu 1,40 Meter hoch werden und ihre Blüten leuchten in intensiven Rot- Orange- und Rosatönen. Und auch ihr starker Duft variiert, erinnert mal an Thymian, mal an Bergamotte. Jedenfalls duftet sie aromatisch und gesund, und das ist sie auch.

Die Indianer hatten die antiseptische Wirkung der Indianernessel erkannt und behandelten Hautinfektionen und kleinere Wunden mit Wickeln der Blätter. Als Kräutertee wurden die thymolhaltigen Blätter gegen eine große Zahl körperlicher Unpässlichkeiten eingesetzt: Von Zahnfleischentzündungen, Mundgeruch und Karies über Kopfschmerzen und Fieber bis hin zu Blähungen.
Doch die Medizinmänner der Indianer wussten auch: Vorbeugen ist besser als heilen. Frische oder getrocknete Blätter waren daher ein beliebtes Würzmittel für Wildgerichte.

Goldmelisse und Wilde Bergamotte

Es gibt zwei Wildformen der Indianernessel: Die „Monarda fistulosa“, heimisch eher in den nördlichen Staaten der USA. Sie bevorzugt in unseren Gärten nahrhafte, nicht zu trockene Standorte. Die zweite bekannte ursprüngliche Art der Indianernesseln ist „Monarda didyma“. Sie stammt aus New Mexiko. Oregano de la Sierra heißt sie dort. Sie verträgt deshalb trockenere Böden und mag die Sonne noch lieber als ihre Verwandte aus dem amerikanischen Norden. Aus beiden Wildformen wurden neue Sorten gekreuzt und gezüchtet, mit der Folge, dass es im Deutschen mit der  Namensgebung etwas kreuz und quer geht.

Üblich sind „Goldmelisse“ und „Wilde Bergamotte“. Nach dem anerkannten Botaniker Robert Zander ist die aus dem Norden stammende „Monarda fistulosa“ die „Wilde Bergamotte“, und die südliche Schwester „Monarda didyma“ ist die Goldmelisse. Der Name „Goldmelisse“ ist aber auch generell üblich, wenn die Monarde als Heilkraut gemeint ist.

Durch die Kreuzungen sind sie die verschiedenen Sorten der Indianernessel flexibler geworden was die Standortansprüche angeht. Und die Bandbreite der Größen, Farben, Düfte und Aromen ist gewachsen.

Wer seinen Nachmittagstee gern aus dem eigenen Garten holen möchte, sollte es aber doch mal mit der ursprünglichen Wilden Bergamotte versuchen, oft als Samen erhältlich, also den Oswego-Tee aus amerikanischer Gründerzeit aufgießen. Das könnte eigentlich ein schönes Ritual sein, um zum Beispiel alte Gewohnheiten über Bord zu werfen – so eine Art innere Boston Tea Party. (Claudia Vogelsang)


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