Im größten katholischen Krankenhaus Deutschlands

Zwischen Klinikalltag und religiösen Besonderheiten

Die Barmherzigen Brüder in Regensburg führen das größte katholische Krankenhaus Deutschlands. Über den Versuch, das Kirchliche mit dem Weltlichen zu verbinden.

Krankenpflegerin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder / © Dieter Mayr (KNA)
Krankenpflegerin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder / © Dieter Mayr ( KNA )

Gleich am Eingang grüßt von einem Brunnen Maria in Gestalt der Patrona Bavariae, der Schutzfrau Bayerns. Zum Gebäude gehören nicht nur modern ausgestattete OP-Säle, sondern auch eine Kirche und zwei Kapellen. Sie und die Kreuze an den Wänden sind Zeugnis einer Grundeinstellung. Das Krankenhaus im Westen Regensburgs ist das größte katholische Krankenhaus Deutschlands. Geführt wird es vom Orden der Barmherzigen Brüder, dessen Gründer den Umgang mit Kranken revolutionierte. Auch deshalb wurde seine Gemeinschaft vor genau 400 Jahren nach Bayern geholt.

"Uns ist wichtig, dass menschliche, christliche Werte in diesem Haus vorkommen", sagt Pater Thomas Väth. Der 45-Jährige trägt Brille, Bart und eine Mönchskutte. Die Hospitalität stehe an erster Stelle, erklärt Väth. Das Konzept eines gastfreundlichen Hauses zeige sich nicht nur in der ärztlichen Betreuung, sondern auch in der Küche und an der Reinigung der Zimmer. Das Credo lautet: Alle Patientinnen und Patienten sind wie Gäste zu behandeln.

Finanzierung war ein Risiko

Das Krankenhaus beheimatet 30 Kliniken und Institute, darunter auch die Kinderklinik Sankt Hedwig, die Lehrkrankenhaus der Universität Regensburg ist. Rund 3.500 Mitarbeitende sind im Krankenhaus beschäftigt, das seit 2021 den Auftrag eines Maximalversorgers hat.

Die Ursprünge gehen auf Frater Eustachius Kugler (1867-1946) zurück. Inmitten der Weltwirtschaftskrise beauftragte der damalige Leiter der Ordensprovinz einen Stararchitekten, von 1927 bis 1929 wurde der Bau mit damals noch 450 Betten errichtet. Auf das Risiko der Finanzierung von 8,3 Millionen Reichsmark angesprochen, antwortete er: "Das habe ich mit meinem Herrgott schon abgemacht. Da fehlt nichts." 2009 wurde Kugler in Regensburg seliggesprochen.

Grundsatz der Gleichheit

Sein Grundsatz, dass alle Menschen unabhängig von der sozialen Schicht gleich seien, werde bis heute im Haus gelebt, erklärt Väth. Gelegentlich würden Wohnungslose ohne Krankenversicherung behandelt, dasselbe gelte für Kinder oder Familien aus der Ukraine - nicht erst seit dem Kriegsausbruch. "Wenn ein Bischof kommt, müsst ihr nicht alle hinrennen. Geht zu den Kranken, die nicht hochgestellt sind. Zu den anderen kommen genügend", zitiert der Ordensbruder den Seligen.

Väth berät die Geschäftsführung, als Geistlicher ist er in der Seelsorge tätig. Er arbeitet und lebt im Krankenhaus, wie seine drei Mitbrüder. Väths zentrales Einsatzgebiet ist die Intensivstation. Nicht nur die Kranken suchen seinen Beistand, auch die Angehörigen: "Oft sind die Menschen dort viel mit sich selbst beschäftigt, aber ich merke - auch wenn sie nichts sagen - dass ihnen das Gespräch guttut."

"Nach dem großen Peng bin ich da"

Ruth Wagner vom psychologischen Dienst kramt aus einem Regal eine Tüte hervor. Darin verbergen sich mehrere Karten, alle mit Blumen verziert. Auf einer steht: "Das Herz befehle". Ein Zitat des Ordensgründers Johann von Gott (1495-1550). Er gilt als Pionier der modernen Krankenpflege. Jedem Patienten sein eigenes Bett - dieses Prinzip stammt von ihm.

Wagner verschenkt die Impulskarten an Kranke, die gerade von einer schweren Diagnose erfahren haben. In solchen Ausnahmesituationen spendet die Psychologin Beistand: "Nach dem großen Peng bin ich da", sagt sie. Oft helfe es, den Erkrankten einfach zuzuhören. Viele treibe die Frage "Warum ich?" um und wie sie die Nachricht ihrer Familie übermitteln könnten.

Belastung hat zugenommen

Die Barmherzigen Brüder, 1540 als Laienvereinigung gegründet, sind der weltweit bedeutendste männliche Krankenpflegeorden. In Bayern ist die Gemeinschaft seit 1622 tätig, aktuell zählt sie noch 20 Brüder; jeder hat eine Pflegeausbildung. "Vor 100 Jahren waren wir 400 Brüder, vor 200 Jahren waren wir einer", sagt Väth. Dass die Zahl schwankt, ist also nichts Neues. Viel wichtiger ist ihm, dass die Werte der Gemeinschaft auch von der wachsenden Zahl weltlicher Mitarbeitenden gelebt werden.

Hoher Krankenstand und Fachkräftemangel machen indes auch diesem Krankenhaus zu schaffen, wie Pflegedirektorin Dagmar Buresch erklärt. Die Belastung habe zugenommen: pflegeaufwendigere Patientinnen und Patienten, die Pandemie, Teuerungen und Krieg. Das zehre. Mitarbeitende blieben heute eher zuhause als in früheren Zeiten, um nicht auszubrennen. "Wir haben immer gedacht, das wird nicht so schlimm. Aber es ist schon spürbar." Ausfallkonzepte sollen auf den Herbst vorbereiten, ein Krisenstab soll verhindern, dass Betten geschlossen werden müssen.

"Die Psychologie in die Zimmer tragen"

"Innehalten, durchatmen, vorwärtsschauen" steht in blauer Schrift auf einem weiteren Kärtchen aus Wagners Sammlung. Die Idee dazu hatte der Klinik-Pastoralrat, dem rund 20 Personen angehören. Gemeinsam gestaltet er Meditations-Reihen für die Fasten- und Adventszeit. "Wir versuchen, die Psychologie in die Zimmer zu tragen", erklärt Wagner.

Auf TV-Kanal 36 erwartet Patientinnen und Patienten ein Dauer-Entspannungsprogramm. Mit Achtsamkeitsübungen und Impulsen, auch von Pater Väth. Gleichfalls ein Versuch, das Kirchliche mit dem Weltlichen zu verbinden.

Bistum Regensburg

Der Regensburger Dom / © Mikhail Markovskiy (shutterstock)
Der Regensburger Dom / © Mikhail Markovskiy ( shutterstock )

Das Bistum Regensburg gehört zu den ältesten Bistümern Deutschlands und ist flächenmäßig das größte in Bayern.

739 erhob der heilige Bonifatius Regensburg zum Bistum. Im Laufe der Geschichte des Bistums wirkten hier die Heiligen Wolfgang, Emmeram, Erhard und Albertus Magnus als Bischöfe. Weitere bedeutende Bischöfe waren Johann Michael Sailer, Georg Michael Wittmann, Michael Buchberger und der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Kardinal Müller.

Seit dem 26. Januar 2013 ist Dr. Rudolf Voderholzer Bischof der Diözese.

Autor/in:
Beate Laurenti
Quelle:
KNA