Argentinien legalisiert Abtreibung

"Ich bin Katholik, aber ich muss Gesetze für alle machen"

Argentiniens Senat hat Abtreibung legalisiert. Grund dafür sei auch die Gefahr durch illegale Abtreibungen. Bisher hatten bis zu vier Jahre Haft gedroht. Papst Franziskus hatte sich gegen das Gesetz ausgesprochen. 

Schwangerschaftstest und Ultraschallbild / © Pikul Noorod (shutterstock)
Schwangerschaftstest und Ultraschallbild / © Pikul Noorod ( shutterstock )

Das argentinische Parlament stimmte mehrheitlich für den Gesetzesvorschlag von Präsident Alberto Fernandez. 38 Senatoren stimmten für die Reform, 29 dagegen, wie die Senatspräsidentin und ehemalige Staatschefin Cristina Kirchner (Mittwoch) in Buenos Aires mitteilte. Ein Senator enthielt sich. Argentinien ist damit das größte Land Südamerikas, in dem Abtreibung nicht mehr verboten ist.

Fernandez hatte vor der Abstimmung das Gesetz mit den Worten begründet: "Ich bin Katholik, aber ich muss Gesetze für alle machen." Jedes Jahr würden 38.000 Frauen wegen Problemen bei illegalen Abtreibungen ins Krankenhaus eingeliefert; seit 1983 seien mehr als 3.000 Frauen an den Folgen gestorben. Mit dem neuen Gesetz dürfen Frauen nun bis zur 14. Schwangerschaftswoche abtreiben.

Seit den 1920er-Jahren drohnten vier Jahre Haft

In Argentinien waren Schwangerschaftsabbrüche seit Anfang der 1920er Jahre verboten und wurden mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft. Ausnahmen waren nur nach Vergewaltigung zulässig oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Regierungsschätzungen zufolge lassen in Argentinien jährlich etwa 370.000 bis 520.000 Frauen illegale Abtreibungen vornehmen.

Der Gesetzesprozess war von emotionalen Auseinandersetzungen von Abtreibungsgegnern und Befürwortern begleitet worden. Die Kirche im Heimatland von Papst Franziskus hatte sich entschieden gegen die Reform ausgesprochen.

Kritik von Armenpriester und Papst

Anfang Dezember kritisierte der populäre, sozialpolitisch eher linke Armenpriester "Pepe" di Paola die Regierung: "Es ruft Wut hervor, dass, während wir hart dafür arbeiten, dass die Leute etwas zu essen bekommen, sie mit dem Abtreibungsvorschlag ankommen."

Auch der Papst hatte sich zu Wort gemeldet. Wer die Umwelt schützen wolle, könne nicht gleichzeitig für einen Schwangerschaftsabbruch sein; das widerspreche dem Gedanken des Naturschutzes, so sinngemäß die jüngeren Einlassungen von Franziskus. Demgegenüber stand eine breite Bewegung, die ein Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper als Argument für die Liberalisierung anführte.

Quelle:
KNA