Hospizbewegung: Zu viele stationäre Hospize in Ballungszentren

 (DR)

In den nordrhein-westfälischen Ballungszentren gibt es offenbar zu viele stationäre Hospize für sterbenskranke Menschen. Regional erlebten Einrichtungen bereits "erste Schwierigkeiten" bei der Finanzierung und der Personalgewinnung, heißt es in einer im Dezember 2019 veröffentlichten Stellungnahme des Hospiz- und Palliativverbandes NRW an den Landtag. Der weitere Zubau in den Großstädten sei "kritisch zu sehen".

Auf Antrag der Regierungsfraktionen von CDU und FDP beschäftigt sich das Landesparlament derzeit mit einer Verbesserung der Hospizarbeit im bevölkerungsreichsten Bundesland. Laut Hospizverband fehlt es in den dünner besiedelten Gebieten in NRW immer noch an stationären Einrichtungen, um unheilbar kranke Patienten auf ihrem letzten Weg begleiten zu können. Dagegen liege die Anzahl der Hospize in den Metropolen inzwischen über den empfohlenen Richtwerten.

Vorrangig müsse eine häusliche Versorgung angestrebt und die entsprechenden Netzwerkstrukturen dafür verbessert werden, verlangt der Hospiz- und Palliativverband. In NRW gibt es derzeit 70 stationäre Hospize mit etwa 700 Betten.

CDU und FDP sprechen sich im Landtag dafür aus, bei der Versorgung Sterbenskranker "die Trennlinie zwischen ambulant und stationär abzubauen". Dazu empfiehlt der Hospizverband die zunehmende Einrichtung von Tageshospizen. Hier würden Erkrankte, die noch zu Hause leben könnten, tagsüber betreut. Dies ermögliche eine medizinische Versorgung außerhalb des Krankenhauses und eine Teilnahme an sozialen Aktivitäten. Während die Tageshospize in Österreich und der Schweiz längst Bestandteil der Standardversorgung seien, gebe es in NRW bisher nur eine einzige Einrichtung.

Zu einem Sterben in Würde gehörten "größtmögliche Autonomie bis zuletzt" und gleichzeitige Geborgenheit in vertrauter Umgebung von Familie und Freunden, betont die Hospizbewegung. Eine professionelle palliativmedizinische und pflegerische Betreuung müsse eine weitgehende Schmerzfreiheit sicherstellen. Zudem basiere die Hospizarbeit auf einer verlässlichen psychosozialen und spirituellen Begleitung. Dabei würden hauptamtliche Seelsorger aus den verschiedenen Religionsgemeinschaften von Ehrenamtlichen unterstützt.

Laut Hospiz- und Palliativverband haben im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen 10.800 Ehrenamtliche etwa 13.600 sterbenskranke Menschen ambulant begleitet. Überschlägig gerechnet seien dies pro Jahr etwa eine Million Stunden. Die "Zeitschenker" bildeten den Kern der Hospizarbeit, so der Verband. (KNA)