Betroffenenbeirat-Mitglied lobt zweites Missbrauchsgutachten

"Gut und richtig"

Peter Bringmann-Henselder, Mitglied des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln, hat das zweite Missbrauchsgutachten für das Erzbistum Köln gelobt. Gleichzeitig kritisierte er die Reforminitiative Maria 2.0.

Pressekonferenz zum Missbrauchsgutachten in Köln / © Julia Steinbrecht (KNA)
Pressekonferenz zum Missbrauchsgutachten in Köln / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Es sei eindeutig zu sehen, "dass ein gut gemachtes Gutachten seine Wirkung zeigt", sagte er der Wochenzeitung "Die Tagespost" (Donnerstag) zu der vorige Woche veröffentlichten Untersuchung der Kölner Kanzlei Gercke Wollschläger. In noch keinem anderen Bistum seien personelle Konsequenzen in dieser Zahl und unmittelbar erfolgt.

Das von Kardinal Rainer Maria Woelki beauftragte Gutachten hatte die Kanzlei am vergangenen Donnerstag präsentiert und darin acht lebenden und verstorbenen Amtsträgern Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen. Noch am selben Tag entband der Erzbischof Offizial Günter Assenmacher (69) und Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (53) von ihren Aufgaben, Weihbischof Ansgar Puff (65) am folgenden Tag. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße (54), früher Personalchef und Generalvikar in Köln, lässt seine Ämter ruhen. Er und Schwaderlapp haben dem Papst ihren Rücktritt angeboten. Assenmacher gibt auch sein Amt als Leiter des Limburger Kirchengerichts zum Monatsende auf.

Gute Basis für kommende Aufarbeitung

Bringmann-Henselder nannte eine schonungslose Aufklärung aus juristischer Sicht "gut und richtig". Diese sei eine gute Basis für die noch kommenden Schritte der Aufarbeitung. Er lobte Woelki; dieser habe Wort gehalten. Er habe bereits 2018 gesagt, dass er schonungslos aufklären wolle. Dass das nicht einfach sein würde, sei klar, denn so wie im vorliegenden Gutachten habe es bisher niemand gemacht. Dass der Weg holprig und manches schiefgelaufen sei, stehe außer Frage.

Aber die Entscheidung, das erste Gutachten nicht zu veröffentlichen, sei richtig gewesen. Diese Untersuchung weist aus Sicht Woelkis Mängel auf.

Kritik übte Bringmann-Henselder an der Initiative Maria 2.0. Sie nutze medial den Missbrauch als Vehikel für ihre politischen Forderungen in der katholischen Kirche. Dies sei "ein Missbrauch an uns Betroffenen". Man habe sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, mit dem jetzigen Betroffenenbeirat in Kontakt zu treten. Maria 2.0 habe sich nur die Meinung der ehemaligen Mitglieder zu eigen gemacht. Die früheren Sprecher Patrick Bauer und Karl Haucke hatten das Gremium aus Protest verlassen, nachdem Woelki die Zusammenarbeit mit den ersten Gutachtern aufgab.

Übergabe an den Vertreter des Betroffenenbeirats Bringmann-Henselder / © Boecker (Erzbistum Köln)
Übergabe an den Vertreter des Betroffenenbeirats Bringmann-Henselder / © Boecker ( Erzbistum Köln )
Quelle:
KNA
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