Greenpeace: Anwohner in Trassenbau einbinden

Wer A sagt…

Die Energiewende ist beschlossene Sache, jetzt sorgt aber der Bau von Stromtrassen für die Windenergie für Proteste. Niklas Schinerl von Greenpeace empfiehlt, die Anwohner in die Planung einzubinden.

Niklas Schinerl / © Teresa Novotny (Greenpeace)
Niklas Schinerl / © Teresa Novotny ( Greenpeace )

domradio.de: Proteste von Anwohnern scheinen vorprogrammiert, auch das Bundesland Bayern hat Einspruch eingelegt. Zu recht?

Niklas Schinerl (Greenpeace): Ich denke, dass die Proteste der Anrainer immer gerechtfertigt sind, weil es immer darum geht, dass die Anwohner ausreichend eingebunden werden sollen in solche Projekte. Dazu haben sie Anrechte und die sollten sie auch wahrnehmen. Die Proteste aus Bayern sind mir hingegen ein bisschen unklar, weil die Bayern lange Zeit gegen die Energiewende waren, dann waren sie für die Energiewende und jetzt sind sie plötzlich wieder gegen die Energiewende und ihre Auswirkungen. Das ist ja ein Hin- und Herspiel, wo die Leute sich vor Ort vor den Kopf gestoßen fühlen. Ich glaube, wenn es hier ein bisschen mehr Planungssicherheit von der bayerischen Landesregierung geben würde, dann wäre es auch einfacher für die Leute, das einzuschätzen. 

domradio.de: Kommen wir mal zu dem Sinn der Trasse. Damit soll Strom aus Windenergie in Deutschland verteilt werden. Alle wollten die Windenergie, dann wollen jetzt alle auch die Trasse, oder?

Schinerl: Die Energiewende, wie wir sie wollen, wenn wir tatsächlich Richtung 100 Prozent erneuerbare Energien im Strombereich kommen wollen, dann brauchen wir groß den Ausbau von Netzen. Man muss aber auch dazu sagen, dass wenn man sich anschaut, was für die Atomkraftwerke gebaut worden ist, welche Netze dort gebaut worden sind, dann sind wir hier bei einem Bruchteil, den die erneuerbaren Energien brauchen.

Ich glaube, die Leute verstehen auch, dass die Energiewende Strom aus Erneuerbaren braucht und damit diese Leitungen. Was die Leute nicht verstehen, ist, wenn jetzt Kohlestrom weiterläuft und die Trassen dafür genutzt werden sollen.

domradio.de: Wenn schon Trasse, dann stellt sich die Frage, ob überirdisch mit 70 Meter hohen Masten oder unterirdisch, was aber sehr aufwendig ist. Das heißt, um die Stromkosten niedriger zu halten, wären überirdische Masten besser?

Schinerl: Wenn man sich die Proteste der Bürgerinitiativen vor Ort ansieht, dann geht es ja eigentlich selten darum, dass die Energiewende gar nicht kommen soll, es soll halt die Trasse ein bisschen weiter weg vom Wohngebiet sein oder die Trasse sollte unterirdisch mit Erdkabeln verlegt werden. Das hat natürlich Auswirkungen, wird natürlich mehr kosten. Erdkabel kosten mehr als Oberlandleitungen. Das hat natürlich Auswirkungen auf den Strompreis, aber es gibt ja Möglichkeiten, den Strompreis anders zu reduzieren von der Politik, indem man zum Beispiel an der EEG-Umlage, also der Erneuerbaren-Energien-Umlage, die Industrie stärker beteiligt. Die Möglichkeit gibt es ja. Damit könnte man den Strompreis schon ein bisschen senken und das würde das wieder kompensieren.

Das Interview führte Tobias Fricke


Quelle:
DR

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