Grabungen unter Regensburger Niedermünster

1.000 Jahre Geschichte in buntes Licht getaucht

Unter der romanischen Regensburger Niedermünsterkirche aus dem 12. Jahrhundert eröffnet sich eine der größten archäologischen Ausgrabungen Deutschlands. Frisch restauriert und mit einem spektakulären Lichtkonzept erschlossen, können die Fundamente der Welterbestadt nun wieder besichtigt werden.

Autor/in:
Angelika Luderschmidt
 (DR)

Ein paar Stufen sind es, die im hinteren Teil des romanischen Niedermünsters zu den Fundamenten der Welterbestadt Regensburg hinabführen. Stufen, die viele Jahre lang kein Besucher mehr betreten durfte. Die feierliche Neueröffnung nahmen am Vorabend der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller und Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) vor.



Einige Meter unterhalb der Kirche eröffnet sich ein weites Ruinenfeld. Mauern, Fundamente und Steine wachsen da Schicht für Schicht in die Höhe, mitten darin quadratisch angeordnet lange Besucherstege. Annähernd sechs Jahre dauerten die Arbeiten am "document niedermünster", dem archäologischen Keller der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Pfarrkirche im Schatten des Doms.



Zeitreise durch 1.000 Jahre Siedlungsgeschichte

Auf stolzen 600 Quadratmetern ermöglichen die Ausgrabungen eine Zeitreise durch 1.000 Jahre Siedlungsgeschichte - vom römischen Legionslager "Castra Regina" im 2. Jahrhundert über die karolingische Pfalzkapelle bis zum großzügigen ottonischen Damenstift mit einer Länge von 32 Metern.



Der 60-minütige Rundgang führt auch an den Gräbern von Herzog Heinrich I. und seiner Frau Judith vorbei. Sie regierten Bayern im 10. Jahrhundert zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung. Als Höhepunkt am Ende der Führung können Besucher den Sarkophag des Regensburger Bistumspatrons Erhard dort besichtigen, wo er bereits im 8. Jahrhundert beerdigt wurde.



Der Grund für die aufwendige, mehr als 680.000 Euro teure Restaurierung: Die Funde sollten attraktiver in Szene gesetzt werden. Schon bald nach Freilegung der archäologischen Schätze gegen Ende der 60er Jahre war das ursprüngliche Präsentationskonzept veraltet. "Heute sind Interessierte aus Ausstellungen und Museen mehr gewöhnt als ein paar Pappschilder an den Wänden, deren Texte sich jeder selbst erschließen muss", sagt Maria Baumann, Sprecherin der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg.



Innovative museumspädagogische Konzept

Neu sind deshalb nicht nur die Besucherstege aus Metallstreben und Glas, sondern vor allem das museumspädagogische Konzept: 3D-Filme zeigen den ursprünglichen Zustand von Lager, Wohnraum und sakralen Bauten. Speziell ist auch die bunte Beleuchtung, die der jeweilige Referent bei Führungen mittels einer mit kleinen Zetteln und Tesafilm akribisch beschrifteten Fernbedienung aktiviert. So lässt sich verfolgen, aus welchem Jahrhundert die Ausgrabungen stammen, die gerade erläutert werden.



Das Farbenspiel hat System: Alles, was in Gelb leuchtet, steht für die Römerzeit, in warmes Grün getaucht ist der römische Wohnbau im ehemaligen Barackenareal, rot angestrahlt sind alle steinernen Zeugnisse der Karolingerzeit und blau schimmern die Überreste aus der Epoche der Ottonen. Von der Lichtkomposition her erinnert das ein wenig an eine gemütliche Tanzbar aus vergangenen Zeiten, hilft aber mit etwas Konzentration und Vorstellungskraft, das Anwachsen der verschiedenen archäologischen Schichten besser nachzuvollziehen.



3D-Rekonstruktion des berühmten Giselakreuzes

Neben einer beleuchteten 3D-Rekonstruktion des berühmten Giselakreuzes - das Original ist in der Münchner Residenz ausgestellt - befinden sich auch heute noch im Keller des Niedermünsters Gräber des ehemaligen karolingischen Friedhofes.



Wichtig ist dem Domkapitel als Träger, dass es sich beim "document niedermünster" um kein Museum handelt. "Auch wegen des Erhalts der Gräber sprechen wir hier bewusst von einer Stätte, weil uns die Erhaltung des historischen Ortes wichtig ist", erklärt Maria Baumann. "Er zeigt, dass unsere ganze Kultur einen christlichen Ursprung hat." Wenig später beginnen einige Stufen weiter oben die Vorbereitungen für den Abendgottesdienst.



Hinweis: Zugang für Einzelpersonen nur im Rahmen einer Führung an Sonn-, Feier- und Montagen jeweils um 14.30 Uhr. Normalpreis der Eintrittskarte: 5 Euro.