Wie Maria 2.0 an der Basis gesehen wird

"Gleichberechtigung - warum nicht auch in der Kirche?"

Mitreden, mitgestalten, Zugang zu allen kirchlichen Ämtern bekommen - dafür stehen die Initiativen Maria 2.0 und - darauf aufbauend - "Maria, schweige nicht!". Wie hält es die Basis mit diesen Forderungen? Nachfrage vor einer Kirche in Münster.

Frauen in der Kirche  / © muratart  (shutterstock)

"Uns ist es wichtig, dass wir mitsprechen und mitbestimmen dürfen – aber wir müssen es auch tun", betont eine Münsteranerin nach dem Gottesdienstbesuch. Und schnell kommen auch von anderen Frauen klare Forderungen: "Der Klerikalismus muss endlich begraben werden! Die Frauen müssen ins Diakonat!" Spricht man mit Besucherinnen des wöchentlichen Frauengottesdienstes in der Münsteraner Kreuzkirche, wird rasch klar: Es muss etwas passieren nach Ansicht der Basis.

Hier, in der Gemeinde Heilig Kreuz, hatte die Initiative Maria 2.0 in diesem Jahr ihren Anfang genommen. Begonnen mit einer Diskussion im Lesekreis, ging es mit einem Offenen Brief an Papst Franziskus und Aufrufen zum Kirchenstreik weiter. Jetzt gibt es Unterstützung: In dieser Woche hat der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) die Initiative "Maria, schweige nicht!" angekündigt. "Wir stehen damit an der Seite von Maria 2.0 und stärken deren Anliegen", betont KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth.

Regularien von Menschen gemacht

Die Besucherinnen des Donnerstagsgottesdienstes in Münster bezeichnen sich selbst als "Symphatisantinnen" der Maria-2.0-Bewegung. Warum sich die Forderungen der Frauen in der katholischen Kirche gerade jetzt Bahn brechen? "Das hat mit dem Missbrauchsskandal und der nachfolgenden Unruhe zu tun", ist sich eine Gottesdienstbesucherin sicher.

Das Argument, die Richtlinien der Kirche seien von Gott vorgegeben und könnten nicht geändert werden, lassen die Münsteraner Frauen nicht gelten: "Das sind von Menschen gemachte Gesetze", ist die einhellige Antwort im Gespräch mit DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen. Außerdem müsse die Kirche mit der Zeit gehen. "Gleichberechtigung gibt es heute doch überall. Warum nicht auch in der Kirche?"

"Kirche ist immer langsam"

Dass die ältere Generation diese Reformen noch erleben wird, glauben die wenigsten. "Kirche ist immer langsam", lautet die vorherrschende Meinung. Aber es sei ja schonmal gut, dass die Kritik wahrgenommen werde, dass sich etwas bewege.

Und die jüngere Generation? "Die macht ganz klar einen Unterschied zwischen Glaube und Institution", erzählt eine Mutter von drei erwachsenen Töchtern. Die Kirche und den Gottesdienstbesuch hätten die Töchter schon abgeschrieben, den Glauben nicht.

Auch sie selber denke, dass die beiden Säulen Glaube und Institution nicht unbedingt zusammengehören müssten. "Der Glaube ist das wichtigste", sagt sie, aber auch: "Ohne die Institution geht es nicht. Wir brauchen immer auch einen Halt und eine Stütze in der Welt."

Autor/in:
Anne Cuber
Quelle:
DR
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